Stabile Auftragslage bei zunehmendem Fachkräftemangel

Von Thomas SPRINGER, Vorsitzender des Fachverbandes Betonbohren und -sägen Deutschland, Darmstadt

Das vergangene Jahr war für die Betonbohr- und -sägebranche wirtschaftlich erfolgreich. Sicher gab es regionale Unterschiede, aber in Summe herrschte eine gute bis sehr gute Auftragslage unter den Fachbetrieben. Auch für das kommende Jahr rechne ich mit stabilen bis wachsenden Umsätzen, denn die aktuelle Finanzpolitik der Europäischen Zentralbank fördert die Hochkonjunktur im Bau- und Immobilienmarkt. Davon profitiert auch unsere Branche. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob der eingeschlagene Weg mittel- und langfristig der richtige ist, kritische Stimmen mehren sich und warnen vor einer möglichen Deflation. Auch ich persönlich sehe den derzeitigen Boom durchaus mit einer gewissen Skepsis verbunden mit der Hoffnung, dass sich hier keine Immobilienblase nach amerikanischem Vorbild entwickelt.

Die gefüllten Auftragsbücher der Fachbetriebe offenbaren aber auch ein seit mehreren Jahren erkennbares Problem der Branche: Es fehlen zunehmend qualifizierte Fachkräfte. Einige Kollegen berichteten, dass sie gern mehr Projekte gestemmt hätten, wenn sie nicht an die Kapazitätsgrenzen ihrer Mitarbeiter gestoßen wären. Diesem Thema widmet sich der Fachverband mit dem seit Jahren erfolgreich umgesetzten Angebot der überbetrieblichen Aus- und Weiterbildung von Nachwuchskräften und Quereinsteigern. Mit dem eigenen Berufsbild des Bauwerksmechanikers für Abbruch und Betontrenntechnik ist die Branche sehr gut aufgestellt. Es bietet Auszubildenden sehr gute Perspektiven in einem hoch spezialisierten Bereich der Baubranche und attraktive Möglichkeiten, sich langfristig persönlich weiterzubilden. Denn dafür offeriert der Fachverband mehrere Optionen der Erwachsenenqualifizierung, die bis zur Ausbildung zum Werkpolier reichen. Auch ein duales Studium zählt zu den Angeboten.

Als gesamtgesellschaftliche Herausforderung sehe ich in diesem Zusammenhang die aktuelle Zuwanderung. Auch wenn die Größenordnung alles bisher Erlebte in den Schatten stellt, sehe ich die derzeitige Entwicklung ganz klar als Chance für die deutsche Volkswirtschaft – und nicht zuletzt für unsere Branche. Für eine gelungene Integration sind primär das Erlernen der deutschen Sprache und Perspektiven für ein selbstbestimmtes, finanziell unabhängiges Leben notwendig. Hier können wir unterstützen, denn wir brauchen qualifizierten Nachwuchs. Geben wir geeigneten Zuwanderern im Rahmen unserer Möglichkeiten eine Chance, sich persönlich zu entwickeln. Das geht nicht von heute auf morgen, ich rechne mit Blick auf die bürokratischen Formalien und die Zeit der Berufsausbildung mit bis zu fünf Jahren, um Effekte spüren zu können. Deutlich kurzfristiger sind die Aufgaben des kommenden Jahres. So sehen wir uns bei der gemeinsam mit dem VDMA forcierten Entwicklung eines werkzeuglosen Schnelltrennsystems für Bohrkronen auf einem guten Weg. 2016 erwarten wir den technologischen Durchbruch für eine europaweite Standardisierung, die nicht zuletzt einen weiteren Baustein für sicheres Arbeiten unserer Mitarbeiter darstellt.

Abschließend möchte ich noch auf zwei Termine hinweisen. Wichtige Impulse erwarten wir und insbesondere unsere Herstellermitglieder von der bauma im April dieses Jahres. Auch der Fachverband wird wieder vertreten sein. Ich darf schon heute alle interessierten Kollegen und Firmen recht herzlich zu einem Besuch an unserem Stand einladen. Außerdem findet vom 3. bis 5. Juni 2016 unsere Jahreshauptversammlung in Heidelberg statt. Beide Termine bieten den idealen Rahmen zum Informationsaustausch unter Kollegen und die Möglichkeit, das persönliche Netzwerk in der Betonbohr- und -sägebranche zu erweitern. In diesem Sinne wünsche ich allen Fachbetrieben ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr sowie den Inhabern und Mitarbeitern persönlich alles Gute.

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