Olberode/Christerode (ABZ) | Auf der L3161 zwischen Olberode und Christerode wurde auf einer Strecke von rund 3,3 km eine neue Asphaltdeckschicht eingebaut. Dabei kam temperaturabgesenkter Asphalt zum Einsatz, dessen Verdichtung aufgrund der niedrigeren Einbautemperatur ein kürzeres Zeitfenster erfordert als bei konventionellen Asphaltmischgütern. Für den Einbau und die Verdichtung wurden Maschinen der Wirtgen Group eingesetzt. Im Inline-Pave-Verfahren wurde das Material zunächst eingebaut und vorverdichtet. Anschließend verdichteten zwei Tandemwalzen von Hamm mit dem System Smart Compact Pro die neue Oberfläche.
Die Einbautemperatur von temperaturabgesenktem Asphalt liegt mindestens 20 °C unter der Temperatur konventioneller Asphaltmischgüter. Dadurch werden laut Hersteller weniger schädliche Dämpfe und Aerosole freigesetzt. Für den Asphaltbau bedeutet der Einsatz des Materials jedoch, dass die Verdichtung innerhalb eines kürzeren Zeitfensters erfolgen muss. Da der Asphalt schneller abkühlt, sind ein präzises Timing und eine angepasste Verdichtungsstrategie erforderlich.
»In der Praxis bedeutet das, die Walzbahnen zu verkürzen und innerhalb kürzerer Zeit eine höhere Verdichtungsleistung zu erzielen, um die geforderte Qualität des Asphalts herzustellen. Die Praxis zeigt, dass selbst erfahrene Walzenfahrer diese Anforderungen ohne unterstützende Systeme im Vergleich zum konventionellen Asphalteinbau nicht gleichermaßen konstant erfüllen können«, sagt Dr. Axel G. Mühlhausen, Senior Product Manager – Digital Solutions Hamm.
Auf der Baustelle kam Smart Compact Pro zum Einsatz, um eine gleichmäßige Verdichtung des Materials zu unterstützen. Das System erfasst über den Realtime Density Scan die Asphaltdichte in Echtzeit und passt die Verdichtungsleistung sowie die Verdichtungsmodi beider Bandagen automatisch an. Neben der Asphaltdichte berücksichtigt die Steuerung weitere Parameter, darunter das Abkühlverhalten des Asphalts, lokale Wetterdaten sowie Schichtart und Schichtstärke.
Nach Herstellerangaben ermöglicht das System dadurch eine bedarfsgerechte Steuerung der Verdichtung unabhängig von äußeren Einflüssen und der Erfahrung des Bedienpersonals. Für temperaturabgesenkte Asphalte steht zudem eine spezielle Voreinstellung zur Verfügung, mit der sich das System per Knopfdruck auf die entsprechenden Einsatzbedingungen einstellen lässt.
»Smart Compact Pro ist natürlich für uns eine extreme Hilfestellung, um die gewünschte Qualität herzustellen und auch für den Walzenfahrer direkt, um eine Rückkopplung zu bekommen – muss ich jetzt hier noch verdichten, oder nicht?«, sagt Andre Blättner, Bauleitung bei Bickhard Bau SE.
Durch die Echtzeitmessung der Asphaltdichte soll Smart Compact Pro die Notwendigkeit von Bohrkernuntersuchungen reduzieren. Nach Angaben des Herstellers können dadurch auch Risse und andere frühzeitige Schäden verringert werden. Eine längere Nutzungsdauer der Straßen kann dazu beitragen, vorzeitige Sanierungsarbeiten und die damit verbundenen Kosten zu vermeiden. Verfügbar ist Smart Compact Pro für die Tandemwalzen der Serien HD+ und HX.
»Zum ersten Mal steht dem Fahrer die Asphalt-Dichte in Echtzeit zur Verfügung – genau der Parameter, auf den es wirklich ankommt. Das System regelt auf dieser Basis den gesamten Verdichtungsprozess automatisch, berücksichtigt zudem Asphalt-Temperatur, das Abkühlverhalten des Asphalts und verschiedene Materialeigenschaften. Gerade bei temperaturabgesenkten Asphalten, wo wir nur ein kurzes Zeitfenster für die Verdichtung haben, ist das ein enormer Vorteil. Daraus resultieren am Ende mehr Qualität, mehr Effizienz, weniger Überfahrten und vor allem Prozesssicherheit«, sagt Dr. Axel G. Mühlhausen.
Ergänzend zu Smart Compact Pro wurde auf der Baustelle die App Track Assist eingesetzt. Sie stellt dem Bediener Prozess- und Leistungsdaten in Echtzeit auf einem Tablet zur Verfügung. Dazu zählt auch die vom Verdichtungssystem ermittelte Asphaltdichte. Die Daten lassen sich in Karten visualisieren und ermöglichen es, den Verdichtungsfortschritt während der Arbeiten nachzuvollziehen.
Die mit WPT Compacting ausgestatteten Walzen dokumentierten zusätzlich die Leistungsdaten und übermittelten sie an das John Deere Operations Center. Dort stehen der Bauleitung laut Hersteller Analyse- und Auswertungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören detaillierte Berichte, Punktanalysen und standardisierte Exporte für die Qualitätsdokumentation.
Eine weitere Funktion ist die Erstellung flächendeckender Dichtekarten. Damit lässt sich die erreichte Asphaltdichte über die gesamte bearbeitete Fläche dokumentieren, anstatt die Qualität ausschließlich anhand einzelner Bohrkerne oder Stichproben zu beurteilen. Track Assist unterstützt den Fahrer bei der Verdichtung, während WPT Compacting die Analyse und Dokumentation der Ergebnisse ermöglicht. Zusammen mit Smart Compact Pro bilden die Systeme eine digitale Prozesskette, die Bauunternehmen nach Herstellerangaben bei der Qualitätssicherung und beim Nachweis der ausgeführten Arbeiten unterstützt.
