Ludwigsfelde

Stadt der Lastwagen und Transporter

Von Gudrun Janicke

Ludwigsfelde. – Die Zahl ist beeindruckend: In einem halben Jahrhundert sind im brandenburgischen Ludwigsfelde mehr als 1,2 Mio. Nutzfahrzeuge produziert worden. Der Name der Stadt südwestlich von Berlin war zu DDR-Zeiten mit den robusten Lkw des Typs W50 verbunden. Die Zukunft heißt seit der Wende: Sprinter der Marke Mercedes-Benz.

"Der Fahrzeugbau hat unsere Stadt geprägt", sagt Bürgermeister Andreas Igel (SPD). "Wir sind bei Investoren beliebt und können einiges bieten." Der Ort liege verkehrsgünstig, große Flächen stünden bereit und es gebe gut ausgebildete Fachkräfte. "Ein anderes Rezept haben wir nicht", meint der Bürgermeister. In Kürze will die Kommune mit einem Hinweisschild Besucher darauf hinweisen: sie befinden sich in einer "Automobilbauerstadt".

Neben der Marke Mercedes Benz haben sich weitere Firmen angesiedelt. MTU Aero-Engines wartet hier unter anderem Flugzeug-Turbinen. VW hat eines seiner sie-ben großen Ersatzteillager. Der Online-Möbelhändler Home 24 wählte diese Adresse für sein erstes Auslieferungslager. In der 25 000-Einwohnerstadt gibt es heute mehr als 12 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Die Arbeitslosenquote lag im Dezember im Landkreis Teltow-Flämingbei 6,3 %, landesweit waren es 8,3 %. 2014 belegte der Landkreis zudem Platz 1 un-ter den neuen Ländern bei einem Ranking von "Focus-Money". Bundesweit war es der Platz 122. Verglichen wurden unter anderem Arbeitslosenquote, Bruttowertschöpfung und Investitionen.

Die Region habe mit dem Erfolg einfach Glück gehabt, meint der stellvertretende Geschäftsführer des ifo Instituts Dresden, Joachim Ragnitz. Die Standortbedingungen seien positiv, mit guter Verkehrsanbindung und industrieller Tradition. "Es waren historische Zufälligkeiten", sagt er.

Eine ähnliche Geschichte wie Ludwigsfelde kann der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) bieten. Rund 360 Firmen sitzen jetzt dort, wo sich zu DDR-Zeiten das DDR-Chemiekombinat Bitterfeld befand. Auch das thüringische Unterwellenborn blieb dem Metier treu: wie zu DDR-Zeiten ist die Stadt Stahlstandort. Die Kommune gehört heute zu den reichsten im Land und muss regelmäßig sogenannte Reichensteuer zahlen.

In Ludwigsfelde verließ am 17. Dezember 1990 der letzte W50 das Werk, am 8. Februar 1991 wurde der erste Mercedes-Laster ausgeliefert. Bis heute sind es 660 000. Das Unternehmen ist der größte industrielle Arbeitgeber im Land mit 2000 Beschäftigten. "Das Werk ist innerhalb von Daimler eines der weltweit größten für Transporter", sagt Standortleiter Sebastian Streuff. Zudem sei es einer der modernsten: hocheffizient und sehr flexibel. Dahinter stehe eine hoch qualifizierte und sehr engagierte Mannschaft. Derzeit wird die Produktion der neuen Fahrzeug-Generation vorbereitet. Bis zum Ende des Jahrzehnts werden rund 150 Mio. Euro in Rohbau, Lackierung und Endmontage des Werks investiert.

Der gute Ruf als einstige DDR-Lkw-Schmiede ist immer noch da. In Deutschland gebe es eingeschworene Oldtimer-Fans, die sich in den Laster mit einem Spritverbrauch von 25 bis 30 l auf 100 km verguckt hätten, sagt Gerald Fritsche, Geschäftsführer von Ifa-Ersatzteile.

Viele Fahrzeuge seien noch regulär im Einsatz: in der ägyptischen Armee führen noch etwa 3000. "Das Geschäft mit Ersatzteilen brummt", sagt Fritsche. Sie werden heute jedoch nicht mehr in Ludwigsfelde gefertigt.

Geschichte und Gegenwart liegen hier eng beieinander. Erst dem Fahrzeugbauist das Stadtrecht zu verdanken, verliehen 1965. "Um die Zukunft mache ich mir keine Sorgen", sagt Bürgermeister Igel. Und wo liegt nun Ludwigsfelde: Direkt an der Autobahn A 10, wenige Kilometer südlich von Berlin. Vormerken sollten sichInvestoren eine neue Adresse: ein etwa 130 ha großes Gewerbegebiet wird gerade fit gemacht. Es liegt direkt an der B 101.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 03/2016.

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