Madrid/Spanien. – Iveco feiert in diesem Jahr das 50-jährige Bestehen und hat rechtzeitig zum Jubiläum die neue Way-Baureihe entwickelt. Sie soll mehr Komfort, Leistung, Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit bieten.
Im Zentrum steht dabei der XCursor13-Motor, der laut Konzernangaben eine ganze Reihe an Innovationen mit sich führt. Aber hält der Motor, was er verspricht?.
Iveco hat sich vor 50 Jahren nicht aus dem Nichts gegründet. Der Konzern entspringt dem damaligen Zusammenschluss von fünf Herstellern: der Fiat-Lkw-Sparte Veicoli Industriali, des französischen Herstellers Unic, des italienischen Herstellers OM (Officine Meccaniche) sowie der deutschen Magirus-Deutz. Federführend war sofort der Fiat-Konzern, der die Geschicke des neuen Players auf dem Lkw-Markt mit Erfolg leitete.
Heute reicht die Palette der in Italien und Frankreich produzierten Fahrzeuge von leichten Nutzfahrzeugen, wie den 3- bis 7,2-Tonnern, über die mittelschweren Nutzfahrzeuge im Bereich der 7,5- bis 19-Tonner, bis hin zu den schweren "Brummis", die satte 18 bis 60 Tonnen auf die Waage bringen. Interessant für Bau- und Waldwirtschaft sind aber vor allem die Cross-Road- und Off-Road-Nutzfahrzeuge. Ein Konzernumsatz von 15,3 Milliarden Euro und 19 Produktionswerke, in denen Lkw hergestellt werden, sprechen eine deutliche Sprache und lassen erahnen, dass es sich um einen Player in der Lkw-Branche handelt, der ein gehöriges Wort im Markt mitzureden hat.
Angesichts der neuen Herausforderungen an Technik, aber auch Umweltschutz- und Emissionsvorschriften, hat Iveco das Portfolio seiner Fahrzeuge im Rahmen der neuen Way-Baureihe grunderneuert. Zahlreiche Kunden weltweit nutzen die Lkw bereits und die Produktion hält tatsächlich mit. Allein im Werk in Madrid, das wir von der Allgemeinen Bauzeitung Anfang Juni besuchen durften, rollt alle zehn Minuten ein individuell produzierter Lkw vom Band. Rund 124 sind es allein in diesem spanischen Werk pro Tag.
Im Fokus der Neuerungen steht dabei der Antriebstrag mit dem neuen XCursor13-Motor, der nicht nur wesentlich sparsamer und leichter als der Vorgänger C13 sein soll, sondern gleich mit mehreren Kraftstoffvarianten das Herz des gestandenen Truckers erfreuen will.
Neue Modelle – neue Technik
Allein mit diesem Motortyp, der als sogenannter "Multi-Fuel Single Basismotor" sowohl für Diesel, Erdgas und bald auch Wasserstoff eingesetzt werden kann, sollen erhebliche Reduktionen an Treibhausgasemissionen möglich sein. Für dieses Jahr will Iveco mit dem neuen Motor im Vergleich zum Vorgängermodell beim Dieselverbrauch 7 Prozent CO2 einsparen, beim Einsatz der Technik in Kombination mit Erdgas sogar 8 Prozent.
Im Durchschnitt aller Kraftstoffe sind 10 Prozent weniger CO2-Emissionen im Vergleich zum Vorgängermotor fest avisiert. Zu diesem Ziel beitragen dürften allerlei technische Raffinessen wie eine optimierte Luftführung, ein gewichtsreduzierter Zylinderblock und -kopf und andere Feinheiten. Dadurch wird der gesamte Motorblock rund 114 Gramm beziehungsweise rund 10 Prozent leichter als der Vorgängermotor C13. Der neue Motor steht nicht für sich selbst sondern soll in Kombination mit der 17xHE-Meritor-Achse mit schnellerer Übersetzung sowie mit dem reaktionsschnellen 12-Gang-Getriebe TRAXON Gen2 der deutschen ZF für eine noch sanftere Kraftübertragung sorgen. Das neue Getriebe bietet mehrere Neuerungen wie den Schaltassistenten, der die Schaltvorgänge und die Motorbremse synchronisiert, und den Rückfahrassistenten, der nach Betätigung der Rückwärtsgangtaste bei Schrittgeschwindigkeit automatisch anhält und den Rückwärtsgang einlegt.
Gerade das Dieselaggregat hat es in sich und dürfte sowohl bei gestandenen Lkw-Fahrern als auch kostenbewussten Geschäftsführern von Speditionen zumindest Anerkennung auslösen, ist es doch umgeben von modernen Antriebsstrangtechnologien, wie dem neuen Turbolader mit spezieller Technologie für ein weiteres Downspeeding des Motors, der neuen starken Motorbremse sowie dem höheren Einspritzdruck von 2500 bar. Zudem gibt es eine neue Kurbel- und Nockenwelle, weitere intelligente Nebenaggregate und eine Reibungsreduzierung.
Die leistungsstärkste Konfiguration dieses Aggregates mit bis zu 580 PS und 2800 Nm Drehmoment wird von Iveco als ideal für schwere Einsätze dargestellt, vor allem für Fahrten, die maximale Leistung erfordern, während die 500-PS-Variante mit bis zu 2600 Newtonmeter Drehmoment eher ideal für den spritsparenden Transport auf Langstreckeneinsätzen ist.
Der neue XCursor13-Motor (kurz: xC13) will vor allem durch eine avisierte Lebensdauer von bis zu 1,6 Millionen Kilometern bestechen, heißt es von Konzernseite. Das sind immerhin mehr als 33 Prozent im Vergleich zum Vorgängermodell. Erfreulich dabei: Dank des auch bei niedrigen Drehzahlen verfügbaren hohen Drehmoments (Downspeeding) erlaubt der xC13 die Verwendung schnellerer Hinterachsübersetzungen. Und genau diese niedrigen Drehzahlen sind bekanntlich dafür verantwortlich, dass beim Fahren auf der Autobahn der Kraftstoffverbrauch sinkt. In Summe reduzieren neben dem Motor die neue Motorbremse, der weiterentwickelte Tempomat und die Fahrmodi und – nicht zu unterschätzen – vor allem das Spiegel-Ersatzsystem in Form der "Mirror Cam", den Kraftstoffverbrauch. Gerade Letzteres ist eine Innovation, die laut Iveco bis zu 1,5 Prozent an Ersparnis bringen soll, weil die Luftwiderstandsfläche konventioneller Außenspiegel faktisch entfällt.
Neben dem Diesel-, sollen sich aber auch die Gasversionen auf der Straße auszeichnen und durch eine höhere Kraftstoffeffizienz, die Motorleistung von 500 PS und ein Drehmoment von bis zu 2200 Newtonmeter bei gleichzeitiger Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs um 11 Prozent, glänzen. Gewollt ist von Konzernseite, dass diese Gasversionen, egal, ob als LNG- oder CNG-Derivat, sich in Flotten etablieren sollen, um Lkw-bedingte Umweltbelastungen weiter zu reduzieren, ohne dabei die Einsatzmöglichkeiten einschränken zu müssen.
Verändertes Fahrgefühl
Beim Fahrtest des Iveco-Lkw auf der Autobahn bei Madrid ist Iveco-Testfahrer Nicola Chiusolo voll des Lobes für den neuen Truck aus der ortseigenen Fabrik am Rande der spanischen Hauptstadt. Auffällig für den Beifahrer ist der neu gestaltete Frontbereich mit gleich zwei Displays, die in einem Halbrund dem Fahrer zugewandt sind.
Auch das Fahrgefühl des Fahrers dürfte sich grundlegend verändert haben, denn das Lenkrad ist im Vergleich zum Vorgänger kleiner und wesentlich beweglicher – kann sowohl herangezogen werden als auch weiter nach vorne geführt werden. Dadurch hat der Fahrer eindeutig mehr Manövriermöglichkeiten und kann die ansonsten oft starre Körperhaltung auch mal ändern.
Aber auch sonst hat der Innenraum der Kabine einiges Neues zu bieten. Auffällig sind sofort die kontrastreichen Oberflächen und weitere zusätzliche Ablagen, während die logisch angeordneten Schalter die Ergonomie für den Fahrer auf ein neues Niveau heben, sagt Iveco – und auch Fahrer Nicola Chiusolo.
Eine elektrische Feststellbremse mit automatischer Aktivierung soll zudem die Sicherheit erhöhen und das Platzangebot im Innenraum zusätzlich erhöhen. Im Ruhebereich der Kabine, dort wo der Beifahrer also sitzt, ist ein Klapptisch am Armaturenbrett angebracht, der für alle Aufgaben im Fahrerhaus – essen, arbeiten am Laptop, Schreibarbeiten – ideal ist und sogar über eine USB-Ladebuchse verfügt. Alles hat offensichtlich seinen Platz und zusätzliche Fächer zur Aufbewahrung von Gegenständen und Dokumenten tun ihr Übriges. Das Armaturenbrett selbst ist serienmäßig mit zwei USB-Anschlüssen ausgestattet. Auch der Bremstest auf einem Autobahnparkplatz konnte überzeugen. Immerhin soll die Bremse 30 Prozent effektiver sein als die bisher eingebaute Bremse.
Eine echte Innovation sind aber die Mirrorcams. Diese aerodynamischen Kameras, die oberhalb der Türen angebracht sind, wirken nicht nur kraftstoffsparend. Sie bieten nach Aussage von Fahrer Chiusolo auch äußerst praktische Vorteile, die Cams liegen innen und müssen darum im Winter auch nicht – so wie bei Außenspiegeln üblich – extra gereinigt werden. Auch beim Anfahren von Zoll- und Mautstellen bestehe keine Gefahr mehr, dass Außenspiegel mit Gebäudeteilen, Schranken oder begrenzenden Stangen in Kontakt kommen und beschädigt werden können.
Laut Iveco runden zahlreiche Services wie das ON-Kundenportal, die Easy Way App oder zum Beispiel das Uptime-Plus-Paket mit Wartungs- und Reparaturgarantie, das Angebot rund um die Iveco-Way-Baureihe ab.