Hamburg (ABZ). – Die Hagedorn Unternehmensgruppe hat beim Rückbau des Kraftwerks Moorburg erstmals in Deutschland einen Cat Kettenbagger 395 ferngesteuert eingesetzt.
Das Cat Command System kam zum Einsatz, nachdem eine Sprengung der Kesselhäuser nicht vollständig gelungen war. Ende März sollten die beiden rund 24.000 t schweren Kesselhäuser des Steinkohlekraftwerks an der Süderelbe in Hamburg durch eine Sprengung zu Fall gebracht werden. Wie bereits bei der Sprengung der Kamine im November 2024 kam das Verfahren der Wasservollraumsprengung zum Einsatz. Dafür wurden die Stützen der Kesselhäuser mit Wasser befüllt und mit Ladungen bestückt.
Eines der beiden baugleichen Kesselhäuser ging aufgrund einer Fehlsprengung nicht zu Boden. Die Hagedorn Unternehmensgruppe entwickelte gemeinsam mit den zuständigen Behörden und dem Auftraggeber ein Rückbau-Ersatzkonzept, das mit Unterstützung von Zeppelin umgesetzt wurde.
Um maximale Sicherheit für das Team zu gewährleisten, entschied sich Hagedorn für den erstmaligen Einsatz der Fernsteuerung Cat Command im Gebäuderückbau. In enger Zusammenarbeit mit Zeppelin wurde das System in kurzer Zeit beschafft, installiert und betriebsbereit gemacht.
"Das bedeutet, dass sich die Kräfte auf ganz unterschiedliche Bauteile verteilten, die vorher kaum Lasten tragen mussten", erklärt Jens Hofmann, Leiter der Sparte Abbruch bei der Hagedorn Unternehmensgruppe. Um das zweite Kesselhaus wurde ein Sicherheitsradius von 200 m gelegt. Aus dieser Distanz wurde der Cat 395 mit einer mobilen und tragbaren Steuerkonsole bewegt.
Geplant war, das angesprengte Kesselhaus durch eine Kombination aus einer weiteren Sprengung und gezielten Vorschwächungen von tragenden Stahlstützen nach vorne kippen zu lassen. Mithilfe eines Hammers mit Flachmeißel an der Baumaschine wurden Schrauben, welche die Stahlstützen zusammenhielten, abgeschlagen. "Hier war absolute Präzision gefragt, den Meißel mit der Fernsteuerung zu platzieren, denn die Schrauben hatten einen Durchmesser von gerade einmal fünf Zentimetern", so Hofmann.
Eingaben des Maschinisten wurden an der Steuerkonsole über einen speziellen Funksender direkt an die Maschinenelektronik des 100 t schweren Cat 395 übermittelt. Die Fernsteuerung ist laut Hersteller vollständig in die elektronischen und hydraulischen Systeme des Baggers integriert.
Zur visuellen Unterstützung waren zusätzliche Kameras in Form von GoPros am Baggerarm angebracht. Diese übertrugen mittels DJI-Übertragungsmodulen Live-Bilder auf zwei Standard-Monitore. Eine DJI Air3s-Drohne begleitete den Einsatz permanent. Drohnenpilot und Maschinist befanden sich während des Einsatzes auf einer Höhe von etwa 35 m in einer Arbeitsbühne. Die Air3s besitzt laut Angaben des Herstellers das weitreichendste Funksystem unter den kompakten Modellen und schafft eine Flugzeit von 40 Minuten pro Akkuladung. Der Großteil der Steuerung und die Koordination erfolgte über das Live-Bild der Drohne.
Um das Risiko zu minimieren, standen Drohnenpilot und Maschinist im ständigen Funkkontakt mit der Bodenstation. Diese lieferte Live-Informationen zu Bewegungen oder Veränderungen am Gebäude. Zusätzlich wurde eine Echtzeit-Laser- und Radarmessung auf dem Dach des Maschinenhauses installiert.
"Bei jedem weiteren Arbeitsschritt an den Stützen und Streben kreiste die Frage darum, hat sich das Gebäude bewegt oder nicht. Die Lage verändert sich beim Abbruch permanent und darauf muss sich der Maschinist einstellen", verdeutlicht Hofmann. Die permanente Auswertung aller Monitoring-Ergebnisse ermöglichte es, den Bagger rechtzeitig kontrolliert zurückzuziehen und das Gebäude durch eine gezielte letzte Sprengung zum geplanten Einsturz zu bringen.
Am Donnerstag vor dem bauma-Messestart Anfang April erhielt die Zeppelin Niederlassung Hamm einen Anruf für eine kurzfristige Fernsteuerungslieferung. Bereits in der Werkstatt wurden vorab entsprechende Baugruppen zusammengebaut, die dann an der Baumaschine nur noch montiert werden mussten. Das System war am Montag betriebsbereit.
Parallel gingen drei Maschinisten von Hagedorn in die Niederlande, um die Fernsteuerung an einem Cat Kettenbagger 323 zu trainieren. "Bereits nach 30 Minuten hat man ein Gefühl dafür und weiß, wie man damit sicher umgehen muss", so die Reaktionen der Maschinisten laut Hofmann.
"Der Einsatz in Hamburg zeigt, wie unser Team unvorhergesehene Herausforderungen mit technischer Innovationskraft und sicherem Krisenmanagement bewältigt", bewertet Hofmann das Potenzial der Technologie für künftige Extremsituationen im Rückbau.