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Bosch verknüpft Profi-Technik mit Systemstrategie

Von ABZ
Experience Day
Auch professionelle Gartengeräte aus der blauen Bosch-Professional-Linie nehmen bei den Vorführungen breiten Raum ein – im Bild der Einsatz der Astschere. | Foto: Cornelia Rachow

Leinfelden-Echterdingen I Von der Kickback-Challenge über neue Carbide-Meißel bis hin zu professionellen Akku-Gartengeräten: Beim Bosch Experience Day in Leinfelden-Echterdingen hat das Unternehmen der europäischen Fachpresse seine neuesten Entwicklungen für den Profi- und DIY-Bereich präsentiert.

ABZ-Redakteurin Cornelia Rachow griff selbst zu Rasentrimmer, Astschere und Meißeltechnik, diskutierte mit Entwicklern und Management – und erlebte, wie konsequent Bosch seine Profi-Systeme inzwischen rund um Akkuplattform, Sicherheit und Nachhaltigkeit ausbaut.

Leinfelden-Echterdingen I Wenn Bosch Power Tools die Fachpresse an den Stammsitz nach Leinfelden-Echterdingen einlädt, dann geht es längst nicht mehr nur um neue Maschinen. Der diesjährige Experience Day stand sichtbar unter einem Leitmotiv: Innovation. Oder, wie das Bosch-Team es mehrfach formulierte: »Innovation, Innovation, Innovation.« Gemeinsam mit Martin Hettich präsentierte sich Michael Budde, der neue Vorsitzende des Bereichsvorstands von Bosch Power Tools, erstmals in dieser Konstellation der europäischen Fachpresse. Beide sind seit dem 1. April 2026 Teil der neuen Führungsspitze – Budde nach fast drei Jahrzehnten im Unternehmen nun als Vorsitzender, Hettich frisch von Procter & Gamble kommend ist Mitglied des Bereichsvorstands. Entsprechend aufmerksam wurde beobachtet, welche strategischen Akzente die neue Führung setzen will.

Und genau diese strategische Linie zog sich durch den gesamten Experience Day. Statt einer klassischen Produktschau setzte Bosch auf thematisch gegliederte Erlebnisbereiche mit Live-Demonstrationen, Technikstationen und direktem Austausch mit Entwicklern und Produktmanagern. Die europäische Fachpresse bewegte sich in kleinen Gruppen zwischen Betonbearbeitung, Sägetechnik, professionellen Gartengeräten, Messtechnik, Akkuplattformen und Nachhaltigkeitsthemen, probierte Geräte aus, diskutierte Sicherheitsfunktionen und bekam dabei immer wieder dieselbe Botschaft vermittelt: Leistung allein genügt heute nicht mehr. Gefragt seien vernetzte Systeme, hohe Kompatibilität, Sicherheit und Effizienz.

Budde machte dabei keinen Hehl daraus, wie stark ihn das Thema persönlich antreibt. »Das ist ein Thema, wofür ich brenne«, sagte er während einer Gesprächsrunde mit Journalisten. Gleichzeitig bezeichnete er sich augenzwinkernd selbst als »Heavy User« der Bosch-Produkte und berichtete davon, den eigenen Keller entsprechend ausgestattet zu haben. Auch Hettich schlug in dieselbe Richtung. »Ich habe ein Herz für Innovationen«, sagte der ehemalige Procter-&-Gamble-Manager. Gleichzeitig betonte er den internationalen Blick auf Entwicklung und Talente: »Das Talent ist weltweit gut verteilt. Es gibt noch viel Potenzial.« Budde machte darüber hinaus deutlich, dass Bosch seine Innovationskraft und die kontinuierliche Entwicklung neuer Lösungen als zentralen Teil des eigenen Markenverständnisses sieht.

Besonders sichtbar wurde dieser Anspruch im Profi-Segment rund um die neue Top-Leistungsklasse »Expert«, die sich durch zahlreiche Produktbereiche zog. Bosch baut die Premiumlinie konsequent aus – von Betonbearbeitung und Messtechnik über professionelle Akku-Werkzeuge bis hin zu Spezialzubehör. Im Mittelpunkt standen dabei erneut die leistungsstarken Expert-Akkus und die konsequente Weiterentwicklung des 18-Volt-Systems. Bosch verfolgt damit sichtbar die Strategie, möglichst viele Anwendungen innerhalb eines gemeinsamen Akku-Ökosystems abzubilden. Die herstellerübergreifende AmpShare-Allianz spielt dabei eine zentrale Rolle. Viele Marken, viele Geräte, ein Akku-System – dieser Gedanke tauchte an nahezu jeder Station auf.

Gerade im bauaffinen Profibereich setzte Bosch stark auf praktische Vorführungen. Im Bereich Betonbearbeitung rückte vor allem die neue Meißeltechnik in den Mittelpunkt. Vorgestellt wurden unter anderem die neuen Carbide-Meißel der Reihen EXPERT SDS plus-8C und SDS max-8C, die speziell für anspruchsvolle Betonabbrucharbeiten entwickelt wurden. Die verstärkten Carbide-Spitzen sollen auch unter hoher Belastung deutlich widerstandsfähiger bleiben und durch ihr selbstschärfendes Design dauerhaft hohe Abtragleistungen ermöglichen. Genau solche Produkte rückten Bosch sichtbar näher an klassische Bau- und Abbruchanwendungen heran. Ergänzt wurde der Bereich unter anderem durch professionelle Bohr- und Absaugtechnik sowie leistungsstarke Akku-Werkzeuge für anspruchsvolle Anwendungen auf der Baustelle.

Mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit wie Leistung oder Schnitttiefe erhielt allerdings das Thema Sicherheit. Besonders aufmerksam verfolgten viele Journalisten eine sogenannte »Kickback-Challenge«, bei der Bosch die sensorbasierte Rückschlagkontrolle seiner Professional Akku-Astsäge GKE 18V-20 demonstrierte. Die Maschine trat dabei gegen eine Akku-Kettensäge von Milwaukee an, die ohne entsprechenden Rückschlagschutz ausgestattet war. Während die Bosch-Säge mit ihrer sensorbasierten Kickback Control bei einem simulierten Rückschlag blitzschnell reagierte und abschaltete, wurde bei der Vergleichsvorführung deutlich, welche Kräfte bei einer unkontrollierten Bewegung entstehen können.

Solche Live-Demonstrationen wirkten deutlich stärker als reine Datenblätter und machten sichtbar, wie stark Sicherheits- und Anwenderschutz inzwischen Teil der Entwicklungsstrategie geworden sind. Funktionen wie Kickback Control, intelligente Bremssysteme oder automatische Abschaltungen nehmen bei Bosch inzwischen mindestens ebenso viel Raum ein wie klassische Leistungsdaten.

Passend dazu zeigte Bosch auch neue leistungsstarke Akku-Werkzeuge der Expert-Reihe, darunter den großen Akku-Winkelschleifer EXPERT EXWS18V2-230P. Mit ihm will das Unternehmen die Leistung kabelgebundener 2.700-Watt-Geräte erreichen – allerdings kabellos. Auch hier standen neben Leistung vor allem Ergonomie, Kontrolle und Sicherheit im Mittelpunkt.

Auch professionelle Gartengeräte aus der blauen Bosch-Professional-Linie nahmen breiten Raum ein. Dazu gehörten leistungsstarke Akku-Trimmer, Astscheren sowie teleskopierbare Schneidsysteme für professionelle Anwendungen in Grünpflege und Landschaftsbau. Bosch macht damit deutlich, dass man sich längst nicht mehr ausschließlich als klassischer Elektrowerkzeughersteller versteht, sondern zunehmend komplette professionelle Anwendungssysteme anbietet – vom Rohbau bis zur Grünpflege.

Etwas zurückhaltender, aber dennoch präsent fiel der Bereich Holzbearbeitung aus. Bosch zeigte unter anderem neue Tauchsägen, Kapp- und Gehrungssägen sowie weitere Werkzeuge der Expert-Reihe. Auffällig war dabei vor allem der Fokus auf Präzision, kompakte Bauweisen und ergonomisches Arbeiten – etwa für enge Baustellen oder Werkstätten.

Parallel dazu spielte auch das Thema Nachhaltigkeit sichtbar eine größere Rolle. Bosch stellte erneut sein Pilotprojekt zur Kreislaufwirtschaft für Elektrowerkzeuge heraus. Technische Kunststoffe aus Altgeräten sollen künftig hochwertig recycelt und erneut in Produkten eingesetzt werden. Das Unternehmen versucht dabei bewusst, Nachhaltigkeit nicht als Verzichtsthema zu erzählen, sondern als technologischen Fortschritt. Rezyklat soll eben nicht nach Kompromiss klingen, sondern nach hochwertiger Materialnutzung und intelligenter Ressourcenschonung.

Und dann gab es zwischen all den Profiwerkzeugen plötzlich doch noch diesen Moment, über den viele Journalisten schmunzelten: die akkubetriebene Espresso-Maschine EasyMoka. Zwischen Betonbearbeitung, Meißeltechnik, professioneller Messtechnik und schweren Akku-Werkzeugen wirkte der kleine Espressokocher beinahe surreal – passte am Ende aber erstaunlich gut in die Gesamtstrategie. Auch dabei geht es letztlich um das gleiche Prinzip: ein gemeinsames Akku-System für möglichst viele Anwendungen (dabei allerdings mit dem Akku-System der grünen Bosch-Consumer-Produkte). Und so stand plötzlich mitten zwischen schweren Profiwerkzeugen eine kleine Maschine, die in wenigen Minuten Espresso aus einem Werkzeugakku brüht. Genau dieser Mix aus Profi-Fokus, Systemgedanke und fast spielerischer Innovationsfreude prägte den gesamten Experience Day in Leinfelden-Echterdingen.

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