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Verband will mit professioneller Arbeit überzeugen

Mit dem Vorsitzenden des Fachverbandes Betonbohren und -Sägen e. V. Manfred Witzke hat sich ABZ-Redakteurin Cornelia Rachow ausgetauscht.

Von ABZ
Fünf Fragen – Fünf Antworten
Manfred Witzke ( Vorsitzender von Betonbohren und -sägen Deutschland e. V., v. l.) mit dem neu gewählten Beisitzer Oskar Achatz und dem stellvertretenden Vorsitzenden Michael Findeis. | Foto: Cornelia Rachow

Mit dem Vorsitzenden des Fachverbandes Betonbohren und -Sägen e. V. Manfred Witzke hat sich ABZ-Redakteurin Cornelia Rachow ausgetauscht.

Herr Witzke, wie stellt sich die wirtschaftliche Lage im Betonbohren und -sägen im Jahr 2026 dar – sehen Sie eher Stabilisierung oder starken Druck auf die Betriebe?

Die wirtschaftliche Lage für die Betonbohr und -sägebranche ist prinzipiell gut – das Nachfragevolumen am Gesamtbaugeschehen steigt wieder. Zudem sind wir stark im Bereich Bauen im Bestand aktiv, denn für die zunehmende Umwidmung bzw. Zweitnutzung von Bestandsgebäuden sind die Leistungen unserer Branche sehr gefragt. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für nachhaltige Lösungen in der Bauwirtschaft.

Allerdings belasten erhebliche Unsicherheiten die Branche, sowohl auf globaler als auch auf nationaler Ebene. Der anhaltende Krieg in Europa, der Konflikt im Nahen Osten sowie die erodierende Parteienlandschaft in der Mitte der Gesellschaft sorgen für ein schwieriges Umfeld, das die Planungssicherheit der Fachbetriebe spürbar einschränkt.

Kostensteigerungen bei Energie, Material und Personal bleiben ein zentrales Thema: Wie gehen die Unternehmen aktuell damit um, ihre Wirtschaftlichkeit zu sichern?

Die gestiegenen Kosten lassen sich derzeit nur schwer am Markt eins zu eins weitergeben. Der Rationalisierungsdruck in den Betrieben ist entsprechend hoch. Hinzu kommen explodierende Energiekosten.

Besonders gravierend wirkt sich der stark gestiegene Mindestlohn aus, der die Lohnkosten weit in den Bereich des Durchschnittsverdienstes nach oben treibt und zudem das Lohnabstandsgebot also den Abstand zwischen Erwerbseinkommen und staatlichen Transferleistungen (wie dem Bürgergeld) zunehmend in Frage stellt.

Die Auftragslage ist auch in der aktuellen Situation relativ gut. Insgesamt gilt für alle Fachbetriebe, mit professioneller Arbeit zu überzeugen, denn die von ihnen erbrachten Leistungen sind in allen Bereichen der Baubranche weiterhin gefragt.

Der Fachkräftemangel beschäftigt die Branche seit Jahren. Welche Maßnahmen greifen inzwischen – und wo sehen Sie weiterhin die größtenHerausforderungen?

Die größte strukturelle Herausforderung ist der demografische Wandel. Besonders in den neuen Bundesländern, wo die Belegschaften der Betriebe überwiegend aus deutschen Mitarbeitern bestehen, macht sich dieser stark bemerkbar. Hinzu kommt: Deutschlandweit beobachten wir eine zunehmende Abkehr von körperlicher Arbeit und vom Handwerk hin zum Studium – auch das spüren die Betriebe deutlich.

Der Fachverband wirkt hier seit über 30 Jahren aktiv dagegen: Gemeinsam mit Herstellerfirmen bieten wir gezielte Weiterbildungsmaßnahmen für Quereinsteiger an, um sie fit für die Aufgaben und Leistungen unserer Branche machen. Zudem bietet unsere Branche jungen Menschen den Ausbildungsberuf zum Bauwerksmechaniker für Abbruch und Betontrenntechnik (m/w/d).

Die weiteren Qualifizierungen reichen vom Vorarbeiter, über den Werkpolier bis zum Meister. Was wir jedoch zusätzlich brauchen, ist politisches Handeln: Die Rahmenbedingungen für das Nicht-Arbeiten müssen deutlich unattraktiver werden, damit Arbeit wieder als erstrebenswert gilt. Für die Qualifizierung sorgen die Firmen im Verbund mit den Fachverbänden, IHKs, Ausbildungszentren und Herstellern dann aus eigener Kraft.

Technologische Entwicklungen und neue Maschinenlösungen schreiten voran: Welche Innovationen haben 2026 aus Ihrer Sicht das größtePotenzial für die Praxis?

Im Office-Bereich sehen wir großes Potenzial in der fortschreitenden Digitalisierung und im Einsatz KI-basierter Lösungen. Hier kann der innerbetriebliche Aufwand für administrative und organisatorische Aufgaben deutlich reduziert bzw. vereinfacht werden. Auf der Baustelle liegt das größte Potenzial in der Vernetzung der Maschinen mit dem Büro. Ziel ist es, schneller und gezielter auf Störungen reagieren zu können – im Idealfall bereits, bevor ein Schaden oder Ausfall überhaupt eintritt. Mit einer datenbasierten Wartungs- und Instandhaltungsstrategie können Kosten gesenkt und Ausfälle minimiert werden.

Die BeBoSa 2026 ist gerade zu Ende gegangen: Welche zentralen Erkennt-nisse und Impulse nehmen Sie aus der Messe mit?

Zunächst einmal war die BeBoSa auch in der fünften Auflage ein voller Erfolg. Ein neuer Besucherrekord mit mehr als 2.500 Gästen bestätigen, die Messe ist das wichtigste Treffen unserer Branche. In zahlreichen Gesprächen mit Ausstellern und Besuchern habe ich ausschließlich positive Rückmeldungen erhalten. Wiederholt betont wurde die entspannte Atmosphäre der BeBoSa.

Denn bei dieser Fachausstellung treffen Hersteller und Anwender unserer Branche in einem fast schon familiären Rahmen direkt aufeinander. Das fördert nicht nur die Geschäftsabschlüsse, sondern auch den inhaltlichen Austausch untereinander. Auch hier spielten die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Rolle. Die Unternehmer sind bereit, alles Notwendige zu unternehmen – das ist die klare Botschaft, die ich von der BeBoSa mitnehme.

Was sie im Gegenzug erwarten, ist dass die politischen Rahmenbedingungen kontinuierlich verbessert und nicht weiterverschlechtert werden. Die Politik muss auf allen Feldern ihre Hausaufgaben machen. Und die Gesellschaft insgesamt muss bereit sein, ihren Teilbeizutragen – auch wenn das teils schmerzhafte Veränderungen bedeutet. Das gilt für jeden Einzelnen, nicht nur für die anderen.

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