Die steinexpo 2026 nimmt eine Sonderstellung unter Messen in der Bauwirtschaft ein, denn das Event findet mitten in einem aktiven Steinbruch statt. Dominik Rese, Geschäftsführer der Firma Geoplan und Veranstalter der steinexpo, sprach mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga über Herausforderungen der aktuell wirtschaftlich volatilen Rahmenbedingungen für den Veranstalter und verriet, welche Highlights in Niederofleiden geboten werden.
Herr Rese, die steinexpo 2026 öffnet Anfang September erneut ihre Tore. Nach der letzten Expo im Jahr 2023 konnten Sie resümieren, dass die Messe »über sich selbst hinausgewachsen war«– über 61.000 Besucher wurden gezählt und die Messe als Rekord-stein-expo bezeichnet. Werden Sie den Erfolg der letzten Messe toppen können?
Die Rekord-steinexpo 2023 hat sicherlich die Messlatte ganz hochgelegt. Das hat uns nicht nur sehr gefreut – alle Beteiligten haben sich nach der langen Durststrecke seit 2017 über dieses deutlich positive Zeichen gefreut. Ich kann heute schon verkünden, dass wir zirka acht Prozent mehr ausstellende Unternehmen für die steinexpo 2026 gewinnen konnten.
Es ist allerdings auch kein Geheimnis: Die Weltwirtschaftslage stellt nahezu alle Branchen vor starke Herausforderungen, wovon die Roh- und Baustoffindustrie sicher nicht ausgenommen ist. Daher rechnen wir besucherseitig mit einer ähnlichen Teilnahme wie 2023.
Wie viele Aussteller werden in diesem Jahr erwartet?
Wir haben derzeit bereits die Zusagen von 310 ausstellenden Unternehmen – was bereits jetzt die Ausstellerzahl der steinexpo 2023 leicht toppt. Von der Ausstellerschaft her stellen wir fest, dass immer mehr Unternehmen ihre eigene Präsentationsfläche auf der steinexpo gebucht haben, welche zuvor häufig als Besucher oder Mitaussteller zugegen waren. Hier können wir also immer mehr überzeugen.
Was zeichnet die steinexpo als Messeformat aus?
Die Alleinstellungsmerkmale liegen ganz klar auf der Hand – keine andere Messe bietet die Möglichkeit, Maschinen, Anlagen und Lösungen im praxisnahen Einsatz so nah und direkt im aktiven Steinbruch zu sehen.
Für Fachbesucher ist die steinexpo der optimale Treffpunkt, um Bau- und Bergbaumaschinen, Aufbereitungsanlagen und alle weiteren Lösungen für Ihren Anwendungsfall so kompakt und praxisnah sehen und prüfen zu können und hierbei mit den Verantwortlichen der Exponate direkt in Kontakt zu treten.
Was waren die größten Herausforderungen in der Vorbereitung der Messe?
Die größten Herausforderungen bei dieser steinexpo lagen sicherlich in zwei Aspekten: Wir haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren viele neue beteiligte Personen von der steinexpo und ihren Besonderheiten überzeugen dürfen und müssen. In vielen Fällen sind die bisherigen Ansprechpartner auf verschiedenen Ebenen in den wohlverdienten Ruhestand gegangen oder es haben sich durch berufliche Umorientierung neue Personen im steinexpo-Kreis ergeben.
Die zweite große Herausforderung waren sicherlich die volatilen Absatzsituationen im Baubereich, hierdurch konnten viele Ausstellenden Unternehmen ihre Teilnahme erst deutlich später zu- oder auch absagen. Die Planbarkeiten bei unseren Partnern ist auch häufig durch die volatile wirtschaftliche Situation erschwert worden.
Das wirtschaftspolitische Umfeld ist aktuell herausfordernd – die Bundesregierung hatte ein Sondervermögen verabschiedet, das zu großen Teilen im Infrastrukturbau verwendet werden soll, Verbände sprechen aber von sehr verzögerten Mittelfreigaben. Gleichzeitig erreichen Benzinpreise neue Höchststände. Haben solche Faktoren Einfluss auf die Ausstellerbeteiligung?
Absolut! Das Ausbleiben des »Bau-Turbos« ist für viele Unternehmen der Bau- und Rohstoffindustrie eine Katastrophe. Durch die fehlenden Planungssicherheiten werden auch Investitionsentscheidungen in Frage gestellt oder verschoben.
Ein Umstand, der sich nachvollziehbarerweise auch direkt auf das Geschäft unserer Aussteller auswirkt. Ich habe in vielen Gesprächen immer wieder die Rückmeldung erhalten, dass man dringend auf die Umsetzung des in Berlin Versprochenen wartet, allerdings natürlich nicht unbedingt die Mittel hat, um ewig zu warten.
Was erwartet die Besucher zur diesjährigen steinexpo?
Keine steinexpo ist wie die andere – dieser Claim beschreibt wohl mehr als deutlich, dass die Veränderungen im Ausstellungskonzept zur Grundlage jeder neuen Messe-Ausgabe gehört. Für 2026 konnten wir vier Demo-Flächen (A bis D) auf drei verschiedenen Höhenniveaus realisieren. Auf der tiefsten Bergbau-Sohle ist die Demo-Fläche A lokalisiert.
Dort finden sich neben der Allgemein-Demo die Ausstellungsflächen der Baumaschinen- und Mobilmaschinenhersteller samt einem Teil des dazu passenden Zubehörs. Der übrige Teil der vorgenannten Ausstellungsbereiche findet sich ebenfalls auf Demo-Fläche C – auf dem höchsten Geländeniveau der Messe. Auf Demo-Fläche B sind schwerpunktmäßig die Aufbereitungsanlagen und hierzu passenden Techniken platziert.
Auch dort finden sich viele Ausstellende, die direkt auf ihrer Standfläche Produkte und Lösungen in Action zeigen. Im Bereich Demo-D befinden sich neben dem Haupteingang unter anderem die beiden Großpavillons für die Indoor-Lösungen. Thematisch lässt sich dabei der Schwerpunkt im Bereich der digitalen Lösungen und weiteren Service-Angebote finden.
In der Publikumsgunst standen bisher immer die Live-Demos ganz oben auf der Liste. Worauf können sich Zuschauer in diesem Jahr freuen?
Die Live-Demonstrationen sind das Kernstück der steinexpo. Für 2026 konnten wir viele Aussteller gewinnen, die auf der eigenen Standfläche etwas demonstrieren: So sind an nahezu jeder Ecke des Messegeländes Maschinen und Anlagen hautnah zu erleben. Ganz besonders sticht hier die Allgemein-Demo auf der Demo-Fläche A ins Auge.
Besucher dürfen sich auf eine eindrucksvolle Choreografie von über 25 Großmaschinen freuen. Besonderer Fokus liegt dabei auf der markenübergreifenden und praxisnahen Kombination der verschiedenen Lade- und Transportfahrzeuge. Ergänzend sind in jedem Demolauf sogenannte Sondermaschinen vertreten – also jene, die weder laden noch transportieren. Sie alle stellen ihre besonderen Fähigkeiten und die Belastbarkeit in hartem Basaltgestein unter Beweis.
Im Ausstellungsbereich »Quarry Vision 2.6« versprechen Sie einen Blick in die Zukunft der Produkte und Lösungen der Roh- und Baustoffbranche. Was erwartet die Messe-Teilnehmer dort?
Im Bereich Quarry Vision haben wir uns in diesem Jahr für eine dezentrale Platzierung entschieden: Verteilt auf alle Demoflächen finden die Besucher verschiedene Systeme und Neuerungen zur Unterstützung von Fahrern und Bedienern der Maschinen und Anlagen sowie verschiedene weitere Innovationen. Die im Vorfeld ausgelobte Übersicht hierzu listet die entsprechenden Hot-Spots.
In der Roh- und Baustoffbranche und auf Baustellen wird in Erzeugung, Herstellung und Betrieb viel Energie benötigt, bei großen Unternehmen spielt das Thema CO2-Minderung oder Klimaneutralität eine zunehmende Rolle. Inwieweit werden solche Themenbereiche auf der steinexpo angesprochen?
Das Thema der lokalen CO2-Neutralität wird in der Allgemein-Demo besonders deutlich: Wir haben erstmals zwei vollständig batterie-elektrische Maschinen im üblichen Demo-Ablauf integriert. Aber auch auf den einzelnen Standflächen der Hersteller werden elektrische Maschinen präsentiert – teils auch in Demo. Hierbei zeigt sich allerdings gerade in unserer deutschen Infrastruktur ein Schwachpunkt – viele Baustellen oder auch Gewinnungsbetriebe sind fernab der großen Stromtrassen, daher scheiden diese Maschinen für einige Anwendungsfälle noch aus.
Was steckt hinter dem steinexpoVILLAGE?
Das steinexpoVILLAGE ist der zentrale Bestandteil des neuen Catering-Konzeptes: Anstelle des altbekannten Messe-Restaurants wird dort ein angenehmes Ambiente mit einer breiten Auswahl an Foodtruck-Speisen angeboten werden – ideal, um sich nach einem fordernden Messe-Halbtag die notwendige Stärkung zu verschaffen. Auch hier wollen wir logischerweise das besondere Ambiente transportieren.
Die Messe läuft in einem in Betrieb befindlichen Steinbruch ab – auf mehreren Ebenen. Was empfehlen Sie Besuchern zur Vorbereitung oder Orientierung auf dem Gelände?
Ich empfehle ganz deutlich unsere überarbeitete steinexpoAPP. In ihr werden alle wichtigen Informationen von der Anreise über die Tickets, die Gelände- und Pavillonpläne, die Ausstellerliste, die Rahmenprogrammpunkte bis hin zu den kulinarischen Möglichkeiten übersichtlich aufgeführt. Ergänzend wird hierüber auch kurzfristig über Push-Benachrichtigungen zur Anreise-Situation, Rahmenprogrammpunkten und weiterem informiert. Wer alle wichtigen Informationen lieber in Papierform hat, dem kann ich den offiziellen Messe-Katalog empfehlen. Dieser kann im Haupteingang erstanden werden.