Kassel (ABZ) | Die Stadt Kassel und die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) wollen die Barrierefreiheit an 80 bestehenden Straßenbahn- und Bushaltestellen verbessern. Dafür kommen Bordsteinerhöhungen aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) der fisco GmbH zum Einsatz. Die Module sollen den Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Fahrzeug reduzieren, ohne dass die Haltestellen vollständig umgebaut werden müssen. Der Einbau ist für den Zeitraum 2025 bis 2026 vorgesehen.
Je nach Fahrzeugtyp betrug der Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Straßenbahn im unbeladenen Zustand bislang 9 bis 10 cm bei einer Bahnsteighöhe von 20 cm. Nach Angaben des Herstellers wurde die maximal zulässige Stufe unter Berücksichtigung von Schienen- und Radverschleiß sowie hoher Beladung um 5 cm überschritten. Die Nachrüstung soll die Anforderungen der DIN 18040-3 für barrierefreies Bauen im öffentlichen Verkehrs- und Freiraum erfüllen.
Vorgesehen sind 80 Bordsteinerhöhungen mit insgesamt 480 Einzelelementen. Die Module erhöhen den Bahnsteig auf einer Länge von 4,6 m partiell um 2 cm. Der angrenzende Pflasterbelag wird entsprechend angepasst. Zum System gehören sechs Elemente: vier Mittelelemente und zwei Randelemente. Sie werden formschlüssig auf dem bestehenden Bahnsteigbord befestigt. Zum Einsatz kommen die fischer Betonschrauben FBS II 8 x 60 10/- SK R und FBS II 8 x 60 10/- US R aus Edelstahl (R).
Laut Hersteller dauert die Montage einschließlich der Anhebung der Oberfläche rund 3,5 Stunden. Mit Baustellensicherung ist etwa ein halber Tag erforderlich. Die einzelnen GFK-Elemente wiegen maximal 5 kg und lassen sich ohne zusätzliche Transport- oder Hebehilfsmittel handhaben.
Die GFK-Profile sind laut Hersteller elektrisch nichtleitend, nicht magnetisch, antistatisch sowie korrosions-, UV- und medienbeständig. Ihre geschlossene Oberfläche entspricht der Rutschsicherheitsklasse R13 gemäß DIN EN 16165. Die Befestigung erfolgt bündig, ohne hervorstehende Schrauben. Nach DIN EN 13501-1 sind die Profile in die Brandverhaltensklasse Bfl-s1,d0 eingestuft. Sie weisen damit einen begrenzten Beitrag zum Brand und eine geringe Rauchentwicklung auf.
Die Oberflächen sind in Signalgelb (RAL 1003) und Weiß ausgeführt. Die Profile lassen sich nach Herstellerangaben an unterschiedliche bauliche Gegebenheiten anpassen.
Mit der modularen Bauweise soll sich die bestehende Haltestelleninfrastruktur nachrüsten lassen, ohne massive Bordsteine vollständig zurückzubauen. Neben dem Projekt in Kassel wurden laut fisco bereits 63 Rampensysteme an Straßenbahnhaltestellen in Darmstadt und 67 Bahnsteigerhöhungen für die Jenaer Straßenbahn umgesetzt.
»Ein barrierefreier öffentlicher Nahverkehr schafft die Grundlage dafür, dass Menschen selbstbestimmt und gleichberechtigt mobil sein können«, sagt Markus Blust, Teamleiter Produktmanagement bei der fisco GmbH. »Der gesetzliche Anspruch auf einen vollständig barrierefreien ÖPVN zeigt, dass bestehende Zugangshürden weiter abgebaut werden müssen. Städte, Gemeinden und Aufgabenträger stehen deshalb vor der Aufgabe, auch die vorhandene Infrastruktur Schritt für Schritt barrierefrei weiterzuentwickeln.«