Halle/Saale (ABZ). – In vielen Branchen ist es notwendig, die Qualität der Produkte während der Herstellung zerstörungsfrei zu prüfen. Das FZ-U Forschungszentrum Ultraschall aus Halle an der Saale entwickelt deshalb stetig neue berührungslose Prüflösungen für eine Vielzahl teils besonders schwer zu untersuchender Materialien und Produkte.
Die Industrieforscher setzen dabei nach Angaben des Instituts auf luftgekoppelte Verfahren ohne Kontaktmittel. Mit ihnen ließen sich selbst 'widerspenstige' Materialien und Erzeugnisse beispielsweise aus Verbundmaterialien, Metall, Beton, Keramik, Ton oder Leder, aber auch besonders sperrige oder schwere Objekte häufig erstmals präzise auf Fehler und Verunreinigungen untersuchen.
Bevor Anwender Investitionsentscheidungen zu neuer Prüftechnik fällen, untersuchen die Forschungsingenieure aus Halle nach eigenen Angaben meist das Vorhaben auf generelle Machbarkeit samt notwendiger Voraussetzungen und absehbarer Kosten. Auf diese Weise sollen die wirtschaftlichen Risiken mit sehr begrenztem Aufwand gemindert werden.. Dabei stets im Fokus: die Kompatibilität der Lösung mit dem betrieblichen Umfeld, etwa bei direkter Nachbarschaft zu Industrierobotern oder in staubbelasteter Atmosphäre.
In der Regel erfolgen die Prüfungen nach eigener Aussage exemplarisch im Labor des gemeinnützigen Instituts. Lassen Größe oder Gewicht des Prüflings – etwa großflächige Bauelemente, massive Metallblöcke oder auch komplette GFK-Boote – das nicht zu, kommt der Scanner auf Wunsch zum Prüfling. Dies ist laut dem Forschungszentrum eine europaweit einzigartige Dienstleistung. Die Experten des FZ-U führen die Untersuchungen dann mit mobiler Technik direkt in der Industrieumgebung des Auftraggebers durch. Der international führende Ziegelhersteller Wienerberger AG mit über 200 Werken in 28 Ländern konnte etwa dank dieses Vor-Ort-Services die Qualitätskontrolle neuartiger Ofentechnologien verbessern und weiterentwickeln, heißt es.
Stetig entständen so Problemlösungen, die zuvor unmöglich oder wenig praxistauglich waren. Keramik sei beispielsweise mit konventionellem Ultraschall nur punktuell und dann auch nur mit hohem Aufwand prüfbar. Mit Luftultraschall ließen sich dagegen selbst große Flächen schnell komplett scannen. Im resultierenden 2D-Farbbild werden Fehler und Mängel nach eigenen Angaben präzise visualisiert. Zudem könne die Untersuchung von Produkten bereits vor dem energieintensiven Sintern erfolgen. Auch die Verkleidung von Brennöfen für die Zement- oder Ziegelproduktion und andere Verschleißprodukte lassen sich so kontrollieren, informiert das FZ-U. Weniger Defekte, Wartungsaufwand und Ausfallzeiten sollen die Folge sein.
Verfahren zur strahlungsfreien, berührungslosen Luftultraschall-Prüfung sind laut Anbieter leicht in das industrielle Umfeld zu integrieren und sichern die Echtzeit-Prüfung selbst während des Fließband-Transports von Massenprodukten. Ziel auch hier: eine durchgängige Null-Fehler-Kontrolle.
Das von Branchen-Mittelständlern gegründete FZ-U ist nach eigenem Bekunden das einzige auf Luftultraschall spezialisierte, industrienahe Forschungsinstitut in Europa. Es verfüge unter seinem Dach über sämtliche Elemente der technologischen Prüfkette. Die neben großen Automobilherstellern meist mittelständischen Auftraggeber aus Bereichen wie Leichtbau, Luft- und Raumfahrt, Maschinen- und Anlagenbau, Baustoffe, aber auch Feinmechanik oder Medizintechnik kommen derzeit aus der gesamten EU, den USA und China, so das Institut.