Herne (ABZ). – In Zusammenarbeit mit dem niederländischen Unternehmen Imotik Engineering BV hat die Schwing GmbH nach eigenen Angaben ein besonderes Forschungs- und Entwicklungsprojekt durchgeführt. Mit der CP 2800 BE ist demnach eine gänzlich neue, batterie-elektrisch betriebene Betonpumpe auf einem Raupenfahrgestell entstanden, die unter anderem für den Einsatz bei Pfahlgründungen geeignet ist.
In den Niederlanden kommt den Bodenkonditionen und der Geologie bei der Erstellung von Betonfundamenten eine wichtige Rolle zu, da der Boden – wie Torf, Lehm und Sand – in vielen Teilen des Landes wenig tragfähig ist. Pfahlgründungen sind hier regelmäßig die eingesetzte Technik, da die Gründungspfähle das Gewicht eines Gebäudes auf tiefere, stabilere Schichten übertragen und so Setzungen und ungleichmäßige Absenkungen verhindern.
Die Verhoef Funderingstechnieken BV aus Meerkerk (Provinz Utrecht) ist Spezialist auf dem Gebiet der Erstellung von Bohrlöchern und ihrer Verfüllung. Das Unternehmen suchte nach einer Lösung für das Problem, dass bei Pfahlgründungsarbeiten nur relativ geringe Volumen gefördert werden, sodass unter Verwendung dieselbetriebener Aggregate die Leerlaufzeiten die reinen Pumpzeiten um mehr als 90 % übersteigen. Das Projekt bestand darin, eine Alternative in Form einer Batterielösung zu entwickeln.
Weil die Schwing GmbH, ein Hersteller von Betonpumpen jeglicher Art, bereits seit vielen Jahren auch elektrisch angetriebene Stationärpumpen auf Raupen- oder konventionellem Fahrgestell anbietet, war sie als Wunschpartner im Projekt der Niederländer gesetzt, informiert das Unternehmen.
Die Spezialisten aus Herne führten zunächst Felduntersuchungen zum Tages-Energiebedarf durch und entwickelten daraufhin eine Stationärpumpe, deren Elektromotor sowohl zum Betrieb der Betonpumpe als auch zum Antrieb des Raupenfahrwerks verwendet werden kann – durch einfaches Umschalten des Hydraulikkreislaufs. Je nach Anforderung ermöglicht der luftgekühlte Elektromotor laut Schwing einen variablen Drehzahlbereich von 0 bis 2200 U/min. Dadurch könne der Anwender den Druck sowie die benötigte Fördermenge feinjustiert bestimmen.
Durch die Kooperation mit der Imotik Engineering konnte eine Automations-Lösung programmiert werden, die es möglich macht, dass die Pfahlbohrmaschine selbstständig den für ihr jeweiliges Bohrloch erforderlichen Betonbedarf von der Crawlerpumpe abfordert.
In Verbindung mit einer leistungsstarken NMC-Batterie und einem intelligenten Ladesystem sind daher viele individuelle Pumpzyklen über einen langen Zeitraum möglich, erklärt Schwing. Dank einer entsprechenden größeren Dimensionierung des Akkus könne durch das 700-V-System eine hohe Leistung abgerufen werden, ohne die Batterie zu überfordern.
Der Ablauf
„Nach dem Bohren des Gründungspfahls und dem Anbringen der Stahlbewehrung gibt das System des Gründungskrans der Betonpumpe ferngesteuert das Signal, Beton zu liefern“, beschreibt Martijn Tielemans, Geschäftsführer der Imotik Engineering, den Bohr- und Pumpvorgang. Während des Befüllens und Ausbohrens des Gründungspfahls sorge das System für einen ordnungsgemäßen Füllvorgang. Dank des vollelektrischen Antriebs der Betonpumpe arbeite diese nur bei Bedarf.
„Ein Warmlaufen des Motors, eine Regeneration des Abgassystems oder ähnliche Vorgänge sind nicht erforderlich. Die maximale Leistung und das maximale Drehmoment stehen nahezu sofort zur Verfügung“, sagt Tielemans.
Geräuschloser Betrieb
Während des Pumpvorgangs zeichnet die Betonpumpe die gepumpte Menge exakt auf. Dadurch wird nicht nur sichergestellt, dass der Gründungspfahl korrekt befüllt wird, sondern die durchgeführten Arbeiten werden digital belegt dokumentiert.
Ein weiterer Vorzug der Herner batterie-elektrischen Betonpumpen: Sie sind deutlich leiser als ihre dieselbetriebenen Schwestern. Dies ist ein wesentlicher Vorteil in städtischen Gebieten. Die
CP 2800 BE hält ferner auch hohen Temperaturen stand: Eine leistungsstarke Kühl-Lösung gewährleistet laut Hersteller einen Betrieb in Regionen mit Außentemperaturen bis zu 40 °C.
Sollte ein Austausch der Batterie erforderlich sein, ist dies durch die geschickte Positionierung im oberen Teil der Pumpe jederzeit ebenso möglich wie die Ergänzung durch eine zweite Batterie, welche die Laufzeit der Pumpe verdoppelt. Geladen wird die Batterie zum Beispiel nach Abschluss der vielen Tagesarbeiten mittels 63 A Anschluss; ein gleichzeitiger Lade- und Bezugsbetrieb ist durchaus möglich, sagt Schwing.
Nach der Fertigstellung der neuen Maschine wurde diese an der Universität Dortmund umfassend auf elektromagnetische Verträglichkeit (EMC) getestet. Die Projektbeteiligten hätten sich nach einigen Wochen Betrieb mit den Ergebnissen der gemeinsamen Entwicklung zufrieden gezeigt, insbesondere aufgrund der einfachen Handhabung, der fehlerfreien Vernetzung und Automation sowie der zuverlässigen Batterielösung. Laut Schwing hat die CP 2800 BE Serienreife erlangt und kann in die Produktion großer Stückzahlen gehen. Eine entsprechende Nachfrage im Markt sei vorhanden.