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Neuer Präsident des HDB im Amt

Von ABZ
Olaf Demuth
Olaf Demuth ist kürzlich zum neuen Präsidenten des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustie (HDB) gewählt worden. | Foto: HDB/Maren Strehlau

Olaf Demuth, Vorstand der Zech Group SE, ist seit Kurzem neuer Präsident des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie (HDB). Im Gespräch mit ABZ-Redakteurin Alexandra Westermann spricht er über seine Ziele in dem neuen Amt.

ABZ: Herr Demuth, was hat Sie dazu bewogen, sich zur Wahl zu stellen?

Demuth: Ich glaube, es liegt an meiner tiefen Verbindung zu meinem Beruf: Bauingenieur wird man nicht, man ist es – mit Leib und Seele. Diese Branche war immer mein zu Hause und ist es nach wie vor. Wenn ich an einem »meiner« Bauwerke vorbeifahre, dann packt mich das und erfüllt mich mit Stolz. Wir vom Bau schaffen, was bleibt. Daran zu arbeiten, dass wir das weiterhin können, dass die Rahmenbedingungen vielleicht sogar besser werden, das ist mein Antrieb.

ABZ: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für die deutsche Bauwirtschaft?

Demuth: Faktisch wird weniger gebaut als wir es brauchen könnten. Mit dem großen Wir meine ich zum einen uns Unternehmen, aber zum anderen auch uns als Gesellschaft, die Bürgerinnen und Bürger. Das sind nämlich immer auch Mieterinnen und Mieter, Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer und Fahrgäste der Bahn. Sie spüren die Einschränkungen bei der Bahn oder auf der Straße. Ich nenne Ihnen einen Beleg: In unserer aktuellen Allensbach-Umfrage sagen rund 35 Prozent, dass sie stark bis sehr stark von der maroden Infrastruktur betroffen sind. Jeder zehnte gibt an, vom Wohnraummangel betroffen zu sein. Das sind persönliche Probleme, die aber schnell gesellschaftliche Unzufriedenheit nach sich ziehen. Am Ende steht der Vertrauensverlust staatlicher Lenkungswirkung. So weit darf es nicht kommen.

ABZ: Die Bauindustrie steht unter Druck. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage?

Demuth: Nicht so gut, wie ich es gern hätte, um ehrlich zu sein. Die Baukonjunktur zeigte Anfang des Jahres Anzeichen einer leichten Erholung, trotz Herausforderungen im Wohnungsbau und Auftragsmangel etwa im Straßenbau auf Landes- und kommunaler Ebene. Wir hoffen, dass diese Anzeichen nicht nur die heftigen Preiseffekte aus dem Iran-Krieg und mangelnden Reformeifer der Bundesregierung wieder verloren gehen. Die Branche hat Stärke bewiesen und Personal gehalten – eine gute unternehmerische Entscheidung in unsicheren Zeiten. Die Lage bleibt aber diffus. Eine Erholung wird kein Selbstläufer sein.

ABZ: Welche politischen Rahmenbedingungen müssten dringend verbessert werden?

Demuth: Der Reformeifer der Bundesregierung muss kommen, die Gefahr ist groß, dass die Konjunktur andernfalls sofort wieder abreist. Aber um konkret auf Ihre Frage zu antworten: Wir brauchen den politischen Willen, industrielle Verfahren zu stärken. Das serielle Bauen hebt enormes Potenzial und senkt Baukosten. Der Gebäudetyp E, die Einführung einer Sonder-Afa für EH55-Gebäude, eine vereinfachte Förderkulisse oder die Anpassung der TA Lärm – die Konzepte für den Wohnungsbaumarkt liegen seit Beginn der Koalition auf dem Tisch. Jetzt müssen sie kommen. Stichwort Infrastruktur: Wir brauchen eine verlässliche, überjährige und von den Haushaltszwängen unabhängige Finanzierung unserer Straßen und Schienen. Deswegen müssen die im Koalitionsvertrag versprochenen Instrumente, vor allem der Finanzierungskreislauf Straße und ein langfristiger Schienenfonds, mit Nachdruck vorangetrieben werden. Auch die Wasserstraße braucht dringend eine Perspektive. Zudem wird die Frage nach der Nutzung von privatem Kapital viel diskutiert, passiert ist aber wenig. Heiße Eisen, ja – aber sie zu schmieden sollte der Anspruch der Bundesregierung sein.

ABZ: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Hebel, um die Branche wieder auf Wachstumskurs zu bringen?

Demuth: Bauen, bauen, bauen. Ich bin da klar: Wir als Branche fordern keine Unterstützungsleistungen. Wir brauchen Aufträge, die wir mit ehrlicher Arbeit, mit Ingenieur-Know-how und Handwerk erfüllen. Was uns dabei hilft? Die Möglichkeit, für jedes Projekt eine passgenaue Umsetzung zu finden, also eine möglichst große Bandbreite an Vergabemöglichkeiten. Das schafft Akzeptanz durch Beschleunigung der Bauprojekte. Zudem erwarten wir ein konkretes Bauprogramm für Straßen, Schienen und Wasserstraße, das über Jahre Verlässlichkeit bietet. Hier muss sich die öffentliche Hand in die Karten schauen lassen, anstatt Jahr für Jahr Mittel neu zu verteilen. Denn unsere Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Erste Mittel sind im Haushalt freigegeben, der Bedarf ist da – wir können nicht mehr warten.

ABZ: Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit gesetzt?

Demuth: Ich habe meine Antrittsrede am Tag der Bauindustrie mit der Überschrift: »Mehr Partnerschaft und mehr Gemeinsamkeit« versehen – das ist mein Wahlprogramm, mein Ziel. Ich möchte den Mittelstand stärken, denn Bauindustrie ist Mittelstand. Das war sie schon immer – auch wenn viele fälschlicherweise den Begriff Industrie als Größenindikator verstehen, statt als Produktionsmethode. Ich möchte das Unternehmertum in den Fokus rücken, das auf Mut und Innovation aufbaut. Die alten Debatten über Unternehmensgrößen, Handwerk, Industrie und Mittelstand sind von gestern und bringen die Branche keinen Millimeter weiter. Schließlich sind wir alle Unternehmerinnen und Unternehmer.

ABZ: In Ihrer Bewerbung um das Amt sprachen Sie davon, die fragmentierte Bauindustrie stärker zu vereinen. Wie genau stellen Sie sich das vor?

Demuth: Mit dem guten alten Gespräch (lacht). Mein Wunsch ist es, mit allen Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette zu sprechen, immer wieder. Als Prozess. Ich bin überzeugt, dass wir vorankommen, wenn wir aufeinander zugehen, uns und unsere Positionen erklären. So verstehen wir einander und schaffen Verbindungen. Das stärkt. Es ist ein Angebot, von dem ich hoffe, dass es angenommen wird.

ABZ: Sie haben Ihre Karriere klassisch im Handwerk begonnen und gehören seit Januar 2020 dem Vorstand der Zech Group SE an. Wie prägen Ihre Erfahrungen und Ihre Karriere Ihren Blick auf die Branche heute?

Demuth: Zech als familiengeführtes Unternehmen ist ein wunderbares Beispiel für eine Wachstumsgeschichte durch Agilität, die Entwicklung von einem 3-Mann-Betrieb zu einem großen Player am Baumarkt – von »Klein« zu »Groß«. Eine solche Entwicklung beeindruckt mich, denn sie zeigt: Alles ist möglich und jeder Betrieb, jedes Unternehmen hat seinen Platz. Wir brauchen alles und jeden. Die Grabenkämpfe sollten beiseitegelegt werden. Im Gegenteil: Statt der Debatten der Vergangenheit sollten alle Unternehmen ihre Produktivität steigern durch Digitalisierung, Kopplung von Planung und Bau, neues Prozessverständnis entlang der Wertschöpfungskette. Denn: Wir sitzen alle im selben Boot.

ABZ: Wie wollen Sie die Interessen kleiner und mittelständischer Unternehmen stärker einbinden, beziehungsweise die Zusammenarbeit zwischen großen Konzernen und kleineren Betrieben verbessern?

Demuth: Wir alle kämpfen für den Bürokratieabbau und die Förderung der Eigenverantwortung. Unsere Gesetzgebung verkompliziert anstatt zu vereinfachen. Bei der Diskussion über den Gebäudetyp E geht es um Standardreduzierung, damit Bauen für jeden, der Bauen möchte, erschwinglich wird.

Das Erreichen besserer Rahmenbedingungen hilft allen: den Planern, Handwerkern und großen wie kleinen Unternehmen.

ABZ: Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden in Zukunft eine immer größere Rolle in der Bauindustrie spielen. Wie wollen Sie als HDB-Präsident das Thema vorantreiben?

Demuth: Keine Produktivitätssteigerung ohne Digitalisierung. Ob beim Einreichen eines digitalen Bauantrags, der end-to-end genehmigungsfähig ist, oder dem Abruf von Material aus einer digitalen Planung: In jedem Produktionsschritt, ob im Handwerk oder auf der großen Baustelle, gehören digitale Prozesse und Daten zum Tagesgeschäft. Diese Standards müssen jedoch über die Grenzen von 16 Bundesländern gleich ausfallen, daran müssen wir arbeiten. Bei dem Thema Nachhaltigkeit stehe ich auf dem Standpunkt, dass wir ein klares Ziel verfolgen. Wir brauchen einen nationalen Emissionsreduktionspfad. Alle anderen Diskussionen zu höheren Gebäudestandards gehören auf den Prüfstand. Wir haben eine soziale Verantwortung. Jeder hat das Recht auf ein Dach über dem Kopf, und wenn das Dach zu teuer wird, haben wir ein Problem.

ABZ: Sie bringen langjährige Erfahrung in der Verbandsarbeit mit. Was wollen Sie als HDB-Präsident neu, oder anders machen?

Demuth: Erst einmal möchte ich auf allen Ebenen sehr viel zuhören. Dann werde ich meine neue Rolle auch ausfüllen, davon bin ich überzeugt. Die Themen sind ja grundlegend identisch, wir haben bundesweit mit den gleichen, nicht optimalen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Mein politisches Gegenüber wird neu sein, da werde ich mich dran gewöhnen müssen. Und ich greife in Berlin auf ein anderes Team zurück, was aber hochgradig eingespielt ist und es mir leicht macht, in meine neue Rolle zu finden. Im Großen und Ganzen bleibe ich Olaf Demuth, Ehemann, Vater von drei Kindern, Bauingenieur und nun Präsident der großen und starken Bauindustrie-Familie.

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