Obermarchtal (ABZ) | Die puren gmbh hat nach eigenen Angaben 50 Millionen Euro in die Erweiterung ihres Standorts in Obermarchtal investiert. Mit der Inbetriebnahme einer dritten Fertigungslinie wurde die Produktionskapazität für purenit laut Hersteller verdreifacht. Zudem seien 40 weitere Arbeitsplätze geschaffen worden. Bei der Einweihung standen neben der Werkserweiterung Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und die Folgen des Klimawandels im Mittelpunkt.
Nach Angaben von puren wird purenit heute zu bis zu 90 Prozent aus Materialresten hergestellt. Geschäftsführer Dr. Andreas Huther verwies bei der Veranstaltung auf die Entwicklung des Unternehmens im Umgang mit Nebenprodukten und Produktionsresten. »Kreislaufwirtschaft für PU-Hochleistungsdämmstoffe wie auch für purenit ist keine Vision, sondern kann ganz konkret in der Praxis umgesetzt werden«, betonte Huther, »PU-Dämmstoffe wie auch purenit sind kreislauffähig.«
Mit der Erweiterung in Obermarchtal wurde nach Herstellerangaben erstmals eine digital gesteuerte und vollautomatisierte Produktion für purenit umgesetzt. Parallel dazu ließ puren die gesamte purenit-Produktion vom TÜV Süd nach dem ISCC PLUS-Standard zertifizieren. Das freiwillige, international anerkannte Zertifizierungssystem dient der Überprüfung und Rückverfolgung nachhaltiger Rohstoffe in Lieferketten außerhalb des klassischen Biokraftstoffsektors.
Nach Herstellerangaben soll durch die ISCC PLUS-Zertifizierung künftig der Einsatz biozirkulärer, in seiner Gesamtheit klimaneutraler MDI-Bindemittel von Covestro ermöglicht werden. Dadurch soll sich der CO2-Fußabdruck des verbleibenden Bindemittelanteils reduzieren. »Für unsere Kunden bedeutet dies: der gleiche Werkstoff mit unveränderter technischer Leistungsfähigkeit und die gewohnte Materialqualität – bei einem um bis zu zwei Drittel reduzierten Product Carbon Footprint – in einer Cradle-to-Gate-Betrachtung«, so Huther.
Dr. Thorsten Dreier, Vorstand und CTO der Covestro AG, erläuterte die Zusammenarbeit beider Unternehmen. Diese umfasst nach Angaben von puren unter anderem die Entwicklung klimaneutraler Produkte und den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft. Mit der ISCC PLUS-Zertifizierung sei eine Grundlage geschaffen worden, um künftig biozirkuläre und klimaneutrale Bindemittel von Covestro in der purenit-Produktion einzusetzen. »Für die Polyurethan-Branche insgesamt zeigt dieses Beispiel, dass sich Kreislaufwirtschaft bereits heute in zertifizierten, marktfähigen Produkten niederschlägt«, erklärte Dr. Dreier.
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war die Energieeffizienz von Gebäuden. Prof. Dr. Andreas Holm, Leiter des Forschungsinstituts für Wärmeschutz e.V. München, stellte die Bedeutung der Gebäudehülle für die Wärmewende heraus. Untersuchungsdaten zufolge kann eine energetisch optimierte Gebäudehülle den Wärmebedarf senken und zugleich die Effizienz von Wärmepumpen verbessern. Darüber hinaus können nach seinen Angaben notwendige Netzkapazitäten reduziert und Gebäude gegenüber Energiepreisschwankungen und Versorgungsausfällen widerstandsfähiger gemacht werden. Seine zentrale Aussage lautete: »Energieeffizienz ist keine Alternative zur Wärmewende. Sie ist ihre Voraussetzung.«
ARD-Meteorologe und Keynote Speaker Karsten Schwanke befasste sich mit den Auswirkungen des Klimawandels. Für Baden-Württemberg verwies er unter anderem auf steigende Temperaturen und zunehmende sommerliche Hitze. Nach seinen Angaben ist die globale Mitteltemperatur in den vergangenen 60 Jahren um 0,8 Grad gestiegen, während sommerliche Hitzewellen im Südwesten heute bereits rund fünf Grad wärmer seien.
Zum Abschluss konnten die rund 320 Gäste bei Werksführungen die neue Produktionslinie und das Kreislaufkonzept besichtigen. Eine Ausstellung mit Exponaten von puren-Kunden zeigte zudem verschiedene Anwendungsmöglichkeiten von purenit vor Ort.
