Kaufbeuren (ABZ). – Im internen Schulungszentrum Kaufbeuren qualifiziert Zeppelin seine Servicetechniker für die Wartung von Cat-Baumaschinen mit Hochvolt-Systemen. Die Mitarbeitenden sollen mit elektrischen Antrieben sicher umgehen können.
Die DGUV 209-093 schreibt vor, dass bei potentiell gefährlichen Tätigkeiten an Hochvolt-Systemen entsprechend geschulte Mitarbeiter eingesetzt werden müssen. Neben einer maschinenspezifischen Schulung ist eine FHV-Grundausbildung für fachkundige Personen im Bereich Hochvolt erforderlich.
"Bedingt durch hohe Spannungen muss man sich bei Hochvolt-Systemen auf andere Gefahren einstellen und dafür sensibilisieren. Wir bereiten unsere Kollegen im Service bestmöglich auf die anfallenden Aufgaben vor", erklärt Kathrin Kühn.
Seit 2023 ist sie bei Zeppelin verantwortliche Elektrofachkraft und bildet Servicetechniker für den Umgang mit Hochvolt-Systemen an Baumaschinen aus. Zu den Lerneinheiten gehören laut dem Unternehmen grundlegende Kenntnisse rund um Hochvolt-Batterien, Generatoren, Elektromotoren, Leistungselektronik sowie Inverter und Antriebsmotoren mit Getriebe.
Auf der Agenda der maschinenspezifischen Lehrgänge stehen batterieelektrische Maschinen wie der Elektro-Minibagger 301.9 sowie die Elektro-Radlader 906 und 950 GC, aber auch dieselelektrische Geräte wie der Dozer D6XE sowie der Radlader 988K XE und netzgebundene Maschinen wie der Elektro-Umschlagbagger MH3022 und MH3024. "Wir haben unsere eigene Schulung und schicken die Kollegen nicht zu einem Hochvolt-Lehrgang für Kraftfahrzeuge, weil unsere Maschinen in der Regel nicht in einer geschützten Werkstatt, sondern auf der grünen Wiese stehen", begründet Kathrin Kühn das Vorgehen. Möglich sei, dass die Techniker mit Umwelteinflüssen wie einem Gewitter konfrontiert würden oder in der Nähe eine Hochspannungsleitung verlaufe.
Arbeitssicherheit rückt dabei besonders in den Fokus, um mögliche Gefahrenquellen wie einen elektrischen Schlag und damit Herzkammerflimmern ausschließen zu können, ebenso Verbrennungen und Verätzungen, die bei nicht fachgerechtem Umgang drohen.
Die Servicetechniker lernen, wie sie bei Wartungsarbeiten und Reparaturen vorgehen müssen, um die Spannung des Hochvolt-Systems freizuschalten, die Isolationsprüfung durchzuführen oder einen Potenzialausgleich zu überprüfen.
"Verwendet werden darf ausschließlich isoliertes und zertifiziertes Werkzeug, das für Geräte mit tausend Volt Spannungsquelle zugelassen ist", betont Kathrin Kühn.
Hinzu kommt nach eigener Aussage spezielle Schutzkleidung, die sicher vor Störlichtbögen ist. Mitarbeiter müssen einen Helm mit Visier sowie besondere Gummihandschuhe tragen, die ebenfalls für tausend Volt Spannung ausgelegt sind. Für die Schulungen in Kaufbeuren waren entsprechende Sicherheitsvorkehrungen erforderlich. 1,5 m Sicherheitsabstand zur Maschine müssen von den Schulungsteilnehmern eingehalten werden. In der zugelassenen Schulungswerkstatt wurde ein Defibrillator installiert und eine Rettungsstange bereitgestellt, um Personen im Notfall aus dem Gefahrenbereich bergen zu können.
Die Zertifizierung der Ausbildungsstätte erhielt Zeppelin durch den LandBauTechnik (LBT)-Bundesverband. Die Ausbildung orientiert sich an einheitlichen Lehrgangsstandards, die der LBT-Bundesverband gemeinsam mit Vertretern der Land- und Baumaschinenhersteller, dem Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbauer (VDMA) sowie den zuständigen Berufsgenossenschaften definiert hat.
Bislang fanden bis zu fünf Schulungen pro Jahr statt, die 120 Mitarbeitende absolviert haben. Weitere Kolleginnen und Kollegen sollen in diesem Jahr noch das nötige Rüstzeug erhalten.
Zwei Kurse seien für dieses Jahr geplant. Alle drei Jahre muss das Wissen rund um Hochvolt-Systeme wieder aufgefrischt werden.
"Das Thema Elektromobilität wird uns im Service die nächsten Jahre beschäftigen", ist Kathrin Kühn überzeugt. "Ob es bei den Akku-Maschinen bleibt oder ob Baumaschinen mit Brennstoffzellen oder vielleicht sogar mit Wasserstoff-Antrieb entwickelt werden, ist noch offen. Fakt ist: Es wird Maschinen geben, die elektrische Energie verbrauchen und diese müssen dann sicher und fachgerecht gewartet werden."