Wien/Österreich | Dies teilten der Vorstandsvorsitzende Stefan Kratochwill und Strabag-Finanzvorstand Christian Harder im Rahmen der Strabag-Bilanzpressekonferenz mit, die in Wien stattfand. ABZ-Redakteurin Julia Bremer schaltete sich zum Online-Livestream hinzu, um sich über das Strabag-Jahr zu informieren. Wachstumstreiber waren der Infrastrukturbau in den Bereichen Mobilität, Energie und Wasser sowie der High-Tech-Industriebau, hieß es im Rahmen der Konferenz. Herausfordernd wirkten der späte Haushaltsbeschluss in Deutschland und fehlende kommunale Mittel in Österreich. Auf Konzernebene konnte Strabag diese Entwicklungen erneut mehr als ausgleichen und hebt damit die Widerstandsfähigkeit des integrierten Geschäftsmodells hervor.
Der Strabag-Konzern steigerte die Leistung im Geschäftsjahr 2025 um 6 Prozent auf 20.423,95 Millionen Euro und erzielte in allen operativen Segmenten Zuwächse. Der konsolidierte Konzernumsatz erhöhte sich um 7 Prozent auf 18.714,28 Millionen Euro. Zum Umsatz trugen die operativen Segmente Nord + West 40 %, Süd + Ost 39 Prozent sowie International + Sondersparten 21 Prozent bei. Im Jahresverlauf 2025 überschritt der Auftragsbestand der Strabag erstmals die 30-Milliarden‐Euro‐Marke und lag zum Jahresende bei 31.374,55 Millionen Euro, was einem Plus von 6 Milliarden Euro beziehungsweise 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Auftragsbestand konnte vor allem entlang der strategischen Wachstumsmärkte Mobilitäts‐, Energie‐ und Wasserinfrastruktur sowie High‐Tech‐Bauten ausgebaut werden.
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich im Jahr 2025 um 15 Prozent auf 1.882,82 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge stieg im Jahresvergleich von 9,4 Prozent auf 10,1 Prozent an und erreichte damit erstmals ein zweistelliges Niveau. Im Einklang mit den Investitionen im Rahmen der Strategie 2030 und der gestiegenen Asset-Basis nahmen die Abschreibungen erwartungsgemäß um 9 Prozent auf 635,59 Millionen Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um 17 Prozent auf 1.247,23 Millionen Euro deutlich an; die EBIT-Marge erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr von 6,1 Prozent auf hohe 6,7 Prozent Maßgeblich für die höher als erwartete EBIT-Marge waren unter anderem positive Effekte aus Großprojekten in Deutschland und im internationalen Geschäft, insbesondere im Infrastrukturbereich.
Unterstützend wirkten zudem milde Witterungsverhältnisse in Deutschland, die gegen Jahresende zu einer höheren Kapazitätsauslastung führten. Das Zinsergebnis lag in der Berichtsperiode bei soliden 40,97 Millionen Euro und damit unter dem Vorjahreswert von 75,42 Millionen Euro. Maßgeblich für diese Entwicklung waren einerseits niedrigere Einlagenzinsen und andererseits drehte das im Zinsergebnis enthaltene Kursergebnis mit -10,79 Millionen Euro stärker ins Negative (2024: -0,4 Millionen Euro). Die Ertragsteuerquote erhöhte sich ausgehend von einem niedrigen Niveau leicht auf 28,5 Prozent.
Das Ergebnis nach Steuern lag mit 920,96 Millionen Euro um 11 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Auf Minderheitsgesellschafter entfiel ein Anteil am Ergebnis von 4,68 Millionen Euro, nach 5,33 Millionen Euro im Vorjahr. Das Konzernergebnis nahm im Jahresvergleich um 11 Prozent auf 916,28 Millionen Euro zu und erreichte seinen bisher höchsten Wert. Das Ergebnis je Aktie belief sich 2025 auf 7,94 Euro, gegenüber 7,35 Euro im Jahr 2024. Die Strabag-Bilanzsumme stieg im Jahresvergleich um 8 Prozent auf 15.845,94 Millionen Euro an. Auf der Aktivseite der Bilanz ist die Zunahme unter anderem auf höhere liquide Mittel, Sachanlagen und Vorräte zurückzuführen. Infolge von Unternehmensakquisitionen im Einklang mit der Strategie 2030 zeigten auch die Firmenwerte eine Erhöhung, erläuterten Kratochwill und Harder.
Die Position Investment Property stieg durch den Aufbau des Portfolios von Strabag Hold Estate – die langfristige, strategische Bestandshaltung von Immobilien – erwartungsgemäß an. Das Eigenkapital lag per Jahresende 2025 bei 5.684,02 Millionen Euro; dies entspricht einer Eigenkapitalquote von 35,9 Prozent. Nicht zuletzt aufgrund des höher als erwarteten Ergebnisses konnte die Eigenkapitalquote im Jahresvergleich deutlich zulegen und rangiert weiterhin komfortabel über der Mindestquote des Konzerns von 25 Prozent.
Das Unternehmen weist zum 31. Dezember 2025 erneut eine Netto-Cash-Position aus, die aufgrund höherer liquider Mittel auf 3.518,26 Millionen Euro erneut deutlich zulegen konnte. Der Cashflow aus der Geschäftstätigkeit erhöhte sich in der Berichtsperiode auf 1.802,66 Millionen Euro, nach 1.387,21 Millionen Euro im Vorjahr. Diese Entwicklung ist einerseits auf einen höheren Cashflow aus dem Ergebnis und andererseits auf einen unerwarteten Working-Capital-Abbau zurückzuführen. Die Anzahlungen zeigen sich im Jahresvergleich stabil, hieß es während der Bilanzpressekonferenz.
Der Cashflow aus der Investitionstätigkeit stellte sich aufgrund höherer Investitionen im Einklang mit der Strategie 2030 mit -813,35 Millionen Euro (2024: -749,54 Millionen Euro) etwas negativer dar, blieb jedoch aufgrund von zeitlichen Verschiebungen bei M&A-Projekten unter dem für 2025 prognostizierten Höchstwert von 1.400 Millionen Euro. Anstiege waren bei den Investment Properties (Strabag Hold Estate) sowie bei den Investitionen in Finanzanlagen und Unternehmensakquisitionen – unter anderem in den Bereichen Building Solutions, Kreislaufwirtschaft und durch die Übernahme in Australien – zu verzeichnen. Der Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit belief sich auf -409,58 Millionen Euro, gegenüber -353,69 Millionen Euro im Vorjahr. Diese Entwicklung ist unter anderem auf die Tilgung von Verbindlichkeiten sowie auf die im Jahresvergleich höhere Dividendenausschüttung zurückzuführen.
Der Vorstand erwartet für das Geschäftsjahr 2026 eine Leistungssteigerung auf rund 22 Milliarden Euro und geht in allen operativen Segmenten von einer höheren Leistung aus. Diese Prognose stützt sich auf den hohen Auftragsbestand und erwartete Beiträge aus den erfolgten Übernahmen. Für 2026 wird eine EBIT‐Marge in einer Bandbreite zwischen 5 und 5,5 Prozent erwartet. Die Netto-Investitionen (Cashflow aus der Investitionstätigkeit) 2026 werden mit höchstens 1.400 Millionen Euro prognostiziert und spiegeln insbesondere den Erwerb von Baumaschinen sowie geplante Akquisitionen im Rahmen der »Strategie 2030« wider. Infolge des Iran‐Krieges seien derzeit Preissteigerungen bei einzelnen Inputfaktoren wie Treibstoff, Gas und Bitumen zu beobachten. Die Auswirkungen hängen maßgeblich von der Dauer des Kriegs ab.
Strabag arbeite mit unterschiedlichen Vertragsmodellen und setze soweit möglich Preisgleitklauseln ein. Grundsätzlich verfolge Strabag eine lokal und langfristig ausgerichtete Beschaffungspolitik mit längerfristigen Rahmenvereinbarungen. Die Resilienz des Geschäftsmodells habe sich bereits während der Covid‐19‐Pandemie gezeigt, die ebenfalls von Preissteigerungen geprägt war. Strabag sei alles in allem guter Dinge und blicke positiv auf die Projekte und Themen, die es in der Zukunft zu verhandeln gelte.
