Meersburg (ABZ). – Zur Verbesserung der Gebäudeeffizienz setzen Hochbauplaner gerne auf den Einsatz von Thermowänden aus Betonfertigteilen. Mit dieser Bauweise kann wertvolle Energie gespart werden, denn diese speziellen Wände bestehen einerseits aus Materialien mit einer hochwirksamen Wärmedämmung – andererseits verfügt Beton über eine gute Speicherfähigkeit für Wärme und Kälte.
Thermowände tragen dazu bei, den Wärmeverlust im Winter zu reduzieren und die Kühlungskosten im Sommer zu senken. Darüber hinaus schaffen Thermowände ein gleichmäßiges und angenehmes Raumklima und da sie den Energiebedarf für Heizung und Kühlung reduzieren, sorgen sie ebenso für eine längere Lebensdauer und geringere Wartungskosten von Heizungs- und Kühlsystemen.
Durch die Reduzierung des Energieverbrauchs tragen Thermowände zudem zur Verringerung des CO2-Ausstoßes bei. Beim Bau einer neuen Kelterhalle in Meersburg am Bodensee, setzten die verantwortlichen Planer insbesondere wegen der Anforderungen an die Klimatisierungsmöglichkeiten auf Thermowände aus Betonfertigteilen des Unternehmens Hans Rinninger u. Sohn GmbH u. Co. KG aus Kißlegg im Allgäu.
Der 1884 gegründete Winzerverein Meersburg ist die zweitälteste Winzergenossenschaft Badens und bewirtschaftet mit 30 Winzerbetrieben circa 50 ha Rebflächen. Jährlich werden bis zu 480.000 Liter Wein erzeugt, davon circa 60 % Weißwein, 20 % Roséwein und 20 % Rotwein. Während Verwaltung und Vertrieb der Genossenschaft in dem 2003 erbauten Wein- und Kulturzentrum am Rande der Meersburger Oberstadt untergebracht sind, befand sich der eigentliche Keltereibetrieb bisher in der Unterstadt im Herzen der historischen Altstadt. Hier war er mittlerweile an seiner Kapazitätsgrenze angelangt, hinzu kamen logistische Probleme, die durch die engen Straßen und die eingeschränkte Anfahrbarkeit der Innenstadt bedingt waren.
Aus diesem Grund entschieden sich die Verantwortlichen für einen Neubau am Rande der Oberstadt. Von Anfang 2023 bis Mitte 2024 entstand daher in die Nähe des Wein- und Kulturzentrums auf einer Grundfläche von 1600 m² eine neue Kelterhalle. Sie erstreckt sich teilweise über zwei Etagen und verfügt neben Werkstatt- und Technikräumen über ein Lager, ein Labor, sowie einem Büro, einen Mitarbeiterraum und diversen Sanitäreinrichtungen. Das zentrale Element des Gebäudes bildet jedoch die winkelförmige Tankhalle mit Traubenannahme, Tankraum und Kühllager.
Annette Kormann vom Architekturbüro Mohr aus Immenstaad erklärt die Besonderheit der Maßnahme: "Eine ganz entscheidende Rolle für die Qualität der Weinproduktion spielt die Klimatisierung der Kelterumgebung. Die Temperatur in der Kelterhalle darf 19° nicht übersteigen. Insbesondere während der Lagerung sind Temperaturschwankungen zu vermeiden. Auch eine korrekte Luftfeuchtigkeit ist von großer Bedeutung.
Da die Ausführung der Kelterhalle ohne rauminnere Stützen erfolgen musste, haben wir uns zu einer Bauweise mit Thermo- und Doppelwänden in Betonfertigteilbauweise entschieden. Eine Holzkonstruktion schied wegen Auflagen seitens des Brandschutzes, der zu erwartenden hohen Luftfeuchtigkeit, sowie möglicher Anpralllasten aus. Die Geometrie der Halle ergab sich dabei aus den technischen Einrichtungen und dem vorgegebenem Kelterablauf seitens des Kellermeisters. Durch die eingesetzten großen Holztüren in Eiche, einer schräg gestellten Treppe und einer ansprechenden Beleuchtung im vorgelagerten Büro und Empfangsbereich, wird das Gebäude ästhetisch aufgewertet. Aufgrund der Anforderungen an die Lebensmittelhygiene, wurden die Wände zudem innenseitig hydrophobiert", so Kormann. Verbaut wurden insgesamt mehr als 2100 m² Thermo- und 500 m² Doppelwände des Syspro-Fertigteilherstellers Hans Rinninger u. Sohn GmbH u. Co. KG.
Christian Merkle, Vertriebsleiter des Betonwerks aus Kißlegg im Allgäu beschreibt die Besonderheiten dieser industriell vorgefertigten Wandsysteme: "Die hier nach höchsten wärmeschutztechnischen Anforderungen verbauten Thermowände haben eine innenliegende EPS-Dämmung von 140 mm. In Bereichen der Brandwände wurde eine Dämmung aus Mineralwolle von 140 mm eingebracht.
Diese Kerndämmung verfeinert die bauphysikalischen Eigenschaften der Doppelwand und trägt somit entscheidend zur Energieeinsparung bei. Ein weiterer Vorteil: Die Wände sind so weit vorgefertigt, dass sie auf der Baustelle schnell montiert werden können. Nach der Montage werden diese lediglich mit Ortbeton vergossen. Zudem entfallen weitere zeit- und kostenintensive Arbeitsschritte wie beispielsweise Verputzarbeiten oder das Anbringen eines Wärmedämmverbundsystems im Geschossbau", so Merkle.
Planmäßig zur nächsten Weinlese im Herbst 2024 wird die Kelterhalle in Meersburg ihren Betrieb aufnehmen. Dank der bisher passenden günstigen Wetterlage und einer optimalen Klimatisierung der Kelterhalle, steht einem guten Jahrgang nichts mehr im Wege.