Zum Inhalt springen

Schwammstadt-Konzept unterstützen

Im Gegensatz zu versiegelten Bodenflächen, bei denen Regenwasser in die Kanalisation abgeleitet werden muss, ermöglichen versickerungsfähige Klinkerpflasterflächen das Abführen von Niederschlagswasser direkt in den Untergrund.

Von ABZ

Berlin (ABZ). – Angesichts zunehmender Starkregenereignisse gewinnen versickerungsfähige Verkehrsflächen im Rahmen des Regenwassermanagements und des Schwammstadt-Konzepts an Bedeutung. Pflasterklinker bieten hier laut Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker e. V. nachhaltige Lösungen, die zur Flächenentsiegelung beitragen und das Stadtklima verbessern können.

Im Gegensatz zu versiegelten Bodenflächen, bei denen Regenwasser in die Kanalisation abgeleitet werden muss, ermöglichen versickerungsfähige Klinkerpflasterflächen das Abführen von Niederschlagswasser direkt in den Untergrund. Dies fördert die Grundwasserneubildung, entlastet die Kanalisation und kann Überschwemmungen bei Starkregen verhindern. Das im Boden gespeicherte Regenwasser kann zudem verdunsten, was nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft zur Verbesserung des Mikroklimas beiträgt.

Für versickerungsfähige Verkehrsflächen mit Pflasterklinker gibt es verschiedene Systeme. Eine Möglichkeit ist die Verlegung mit dauerhaft aufgeweiteten Fugen von 15 bis 30 mm. Hierbei erfolgt die gesamte Versickerung über die Fugen, deren Füllung mit speziellen Gesteinskörnungen erfolgt. Der geforderte Durchlässigkeitsbeiwert der Pflaster-decke wird durch die Verwendung spezieller Gesteinskörnungen gemäß TL Gestein-StB (gebrochene Gesteinskörnungen 1/3, 2/4 oder 2/5) als Bettungs- und Fugenmaterial erreicht.

Eine weitere Option sind sogenannte Drainklinker mit Aussparungen am oder im Pflasterklinker. Diese Löcher, Hohlräume oder Kammern werden bei der Verlegung mit speziellen Gesteinskörnungen gefüllt und ermöglichen die Versickerung des Niederschlagswassers durch die Flächenbefestigung bis in den Untergrund.

Der Öffnungsanteil von Sickerklinkern sollte dabei mindestens 10 % betragen. Zu den Drainklinkern zählen Rasenlochklinker, Dränpflasterklinker, Sternklinker und Pflasterklinker mit Sickerschächten.

Das Merkblatt M VV "Versickerungsfähige Verkehrsflächen" der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) gibt konkrete Empfehlungen für solche Flächen. Demnach müssen diese sowohl die Traglast des Verkehrs aufnehmen als auch eine Bemessungsregenspende von 270 l/(s·ha) dauerhaft in den Untergrund ableiten können. Die Oberbauschichten aus Klinkerpflasterdecke und Tragschicht sowie der Untergrund und Unterbau sollten mindestens einen Infiltrationsbeiwert ki ≥ 3·10-5 m/s und eine Wasserdurchlässigkeit von kf ≥ 5·10-5 m/s aufweisen.

Auflagen

Zum Schutz des Grundwassers dürfen versickerungsfähige Verkehrsflächen nur außerhalb von Wasserschutzgebieten, mit einem Mindestabstand zum Grundwasser von 2 m und in Bereichen mit begrenzter Verkehrsbelastung (Belastungsklasse Bk0,3 RStO) angelegt werden. Für Geh- und Radwege sowie Parkflächen ist die Verwendung unbedenklich. Auch für wenig befahrene Wohn- und Anliegerstraßen sowie für Park- und Stellplätze, Lade-, Umschlags- und Arbeitsflächen, auf denen nicht mit wassergefährdenden Stoffen gearbeitet wird, darf Sickerpflaster eingesetzt werden.

Geringere Gebühren

Ein wirtschaftlicher Vorteil versickerungsfähiger Verkehrsflächen liegt in reduzierten Abwassergebühren. Für die Berechnung wird meist nur der halbe Oberflächenabfluss im Vergleich zur versiegelten Fläche zugrunde gelegt (Abflussbeiwert von Ψ = 0,3 bis 0,5). Die für Starkregenereignisse vorgeschriebene Notentwässerung kann kleiner dimensioniert werden. Im privaten Wohnungsbau sind oft keine zusätzlichen Entwässerungseinrichtungen erforderlich, da das Oberflächenwasser auf die zum Grundstück gehörenden Grünflächen abgeleitet werden kann.

Die Anforderungen an versickerungsfähige Verkehrsflächen mit Pflasterklinker werden zukünftig in die ZTV Pflasterklinker-StB aufgenommen, die derzeit überarbeitet wird. Neben den funktionalen und ökologischen Vorteilen bieten Pflasterklinker mit ihrer Vielfalt an Farben, Formaten und Verlegemustern ein breites Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten für hochwertige und langlebige Flächenbefestigungen.

ABZ

ABZ

Gebaut wird überall, und das zu jeder Zeit! Die Allgemeine Bauzeitung begleitet das gesamte Baugewerbe. Schnell, sachlich und neutral - so sind wir Deutschlands meistgelesene Baufachzeitung geworden.

Alle Artikel

Weitere in Kommunale Infrastruktur

Alle anzeigen

Weitere von ABZ

Alle anzeigen