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Architekten setzen auf Sichtbetonflächen

Von ABZ
Wohnungsbau an der Magazinstraße
Das Wohnhaus wurde im Rahmen Architektur Preis Berlin 2023 ausgezeichnet. | Foto: Simon Menges

Berlin (ABZ). – Nicht zuletzt aufgrund der zugleich wärmedämmenden und tragenden Leichtbetonfassaden fügt sich dieses Wohnhaus in Berlin-Mitte perfekt in sein heterogenes Umfeld ein, sind sich die Planer sicher. Zugleich schufen die Architekten des Berliner Büros zanderroth Innenräume, deren zeitlose Eleganz vor allem auf den Sichtbetonflächen beruht.

Nur einen Steinwurf östlich vom Alexanderplatz wirkt die Magazinstraße wie aus einer anderen Welt. Sie fällt den Planern zufolge allein schon wegen ihres diagonalen Verlaufs inmitten gleichförmig orthogonal angeordneter Plattenbauten aus dem Rahmen. Außergewöhnlich sei sie aber hauptsächlich wegen einiger prachtvoller Gründerzeitbauten mit feingliedrigen Natursteinfassaden, die dort im Zentrum Berlins einen geradezu museal wirkenden Straßenzug mit beidseitiger Blockrandbebauung entstehen lassen. In dieser spannungsvollen Szenerie ergab sich für die Architekten des Büros zanderroth laut eigener Aussage die einmalige Chance, mit einem punktförmigen Wohnhaus direkt an die bislang fensterlose Brandwand eines der Altbauten anzuschließen und so zwischen beiden Gebäudetypologien zu vermitteln.

Für die Baugemeinschaft Magazinstraße realisierte zanderroth einen Geschosswohnungsbau mit insgesamt elf Wohnungen und einer Gewerbeeinheit im Erdgeschoss. Die drei Fassaden des siebengeschossigen Neubaus mit rund 250 m² oberirdischer Grundfläche korrespondieren laut Büro weder gestalterisch noch hinsichtlich ihrer Materialität direkt mit den Altbauten, wirken in ihrer Nachbarschaft aber dennoch völlig selbstverständlich. Das liegt einerseits an der im 5. Obergeschoss auf mehreren Metern Länge zurückspringenden Straßenfassade. Dieser Rücksprung nimmt Bezug auf die Traufkante des Nachbarhauses und lasse eine große Dachterrasse entstehen, zugleich erscheine die siebengeschossige Stirnseite des Gebäudes dadurch als turmartiger, städtebaulich stimmiger Abschluss des bislang eher tristen Blockrands.

Eine Rolle spielen aber auch die großen, tief eingeschnittenen bodentiefen Fensteröffnungen, die der Gebäudehülle eine angenehme Plastizität verleihen. Noch wichtiger sind aus Sicht von zanderroth schließlich die schmalen Wand- und Deckenstreifen aus Sichtbeton. Sie erzeugen jene Massivität, die für ein harmonisches Straßenbild nötig ist, und schaffen gleichzeitig eine filigrane Struktur, die sich in Richtung der Gebäudestirnseite als langes Fensterband aus großformatigen Glas-Schiebefenstern fortsetzt, so die Architekten.

Der Wohnungsbau an der Magazinstraße ist das inzwischen 15. Projekt aus der langjährigen Kooperation von zanderroth mit dem eigenen Projektentwicklungsbüro SmartHoming. Dass die Fassade dort aus Sichtbeton bestehen würde, stand für die Architekten laut eigener Angabe bereits früh fest – zum einen wegen der bereits beschriebenen städtebaulichen Wirkung, zum anderen wegen seiner Robustheit und Langlebigkeit, die für jedes nachhaltige Gebäudekonzept unerlässlich ist. Denn im Gegensatz zu vielen alternativen Fassadenmaterialien verursache Beton einen minimalen Unterhaltsaufwand, der sich vor allem auf die Erneuerung der nicht sichtbaren hydrophobierenden Beschichtung beschränkt. Ebenfalls nicht unmittelbar sichtbar ist, dass die gesamte Sichtbetonfassade aus 350 m³ wärmedämmendem Leichtbeton von Heidelberg Materials besteht.

Die monolithische Ausbildung der 60 cm starken Leichtbetonaußenwände (Festigkeitsklasse LC12/13, Rohdichteklasse 1,2) habe zwei wesentliche Vorteile. Erstens ermöglichte sie einen gleichermaßen wärmedämmenden und tragenden, konstruktiv einfachen Wandaufbau, der ganz ohne zusätzliche Fassadenschichten auskommt – die Dämmwirkung beruht auf der geringen Wärmeleitfähigkeit des Leichtzuschlags aus Blähton (Liapor). Zweitens biete sie – ohne aufwendige Kerndämmung – die gestalterische Freiheit, die Innenseiten der Wohnungsaußenwände in Sichtbeton auszuführen. Aufgrund des einfachen Wandaufbaus und der gleichförmigen Fassaden waren sämtliche Fensteranschlussdetails mit überschaubarem Aufwand lösbar.

Besondere bauphysikalische Aufmerksamkeit erforderten lediglich die in der Fassadenebene von tief eingeschnitten zu fassadenbündig verspringenden Festverglasungen an den stirnseitigen Gebäudeecken. Unter anderem um dieses Detail, aber auch die Oberflächenqualitäten und Fugenausbildungen definieren zu können, entstand eine 4 x 4 m große Musterfassade. Die Anbindung der Deckenplatten an die zuvor hergestellten Leichtbetonaußenwände erfolgte mittels Rückbiegeanschlüssen. Mit ihnen ließ sich den Beteiligten zufolge die Lage und Ausrichtung der Arbeitsfugen präzise steuern. Zudem sorgten die stumpfen Bauteilstöße dafür, dass die wärmedämmenden Außenwände im Bereich der Decken im Querschnitt nicht geschwächt werden mussten.

In den Innenräumen harmonieren die unbekleideten Leichtbetonaußenwände mit dem warmen Farbton der Fensterprofile aus Red-Grandis-Holz, den weißen Decken und den Böden aus Eichenholz beziehungsweise einer hellen blauen Kunststoffbeschichtung, betonen die Planer.

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