Lausitz (ABZ) | Mit einem Raupenkran LR 11350 der Schmidbauer GmbH & Co. KG ist in Brandenburg der Prototyp des sogenannten GICON-Höhenwindturms fertiggestellt worden. Die Ende September vollendete Windenergieanlage erreicht nach dem Ausfahren des inneren Turmabschnitts eine Gesamthöhe von 365 Metern. Damit gilt sie laut Liebherr als höchste Windenergieanlage der Welt und ist nach dem Berliner Fernsehturm das zweithöchste Bauwerk Deutschlands. Das schwerste Montageteil brachte ein Bruttogewicht von 375 Tonnen auf die Waage.
Der Technologieentwickler GICON will mit dem Höhenwindturm neue Möglichkeiten für die Nutzung der Onshore-Windenergie erschließen. Die Anlage entstand in einem bestehenden Windpark in der Lausitz zwischen Berlin und Dresden. Der rund 126 Meter große Rotor gehört zu einer Windenergieanlage mit einer Leistung von 3,8 Megawatt. Er soll die stärkeren und gleichmäßigeren Windverhältnisse in großer Höhe für die Energiegewinnung nutzen.
Seit dem Frühjahr 2025 war der LR 11350 beim Bau der Anlage im Einsatz. Für die Montage der Stahlfachwerkkonstruktion wurde der Raupenkran mit dem Parallelauslegersystem PowerBoom ausgerüstet. Das größte Bauteil war ein rund 40 x 40 x 40 Meter großes Teilstück des Anlagenturms mit einem Bruttogewicht von 375 Tonnen. Bei einer Ausladung von rund 44 Metern setzte der Kran das Bauteil auf der 50 Meter hohen Grundkonstruktion ab.






Für die Kranbewegungen auf der Baustelle wurde eine eigens angelegte Fahrstraße aus Stahlplatten und Bongossihölzern hergestellt. Parallel zur Errichtung der äußeren Stahlkonstruktion entstand im Inneren der später teleskopierbare obere Turmabschnitt. Bis zum Erreichen einer vorläufigen Turmhöhe von rund 160 Metern war der LR 11350 mit dem PowerBoom und einer bis zu 84 Meter langen Wippspitze ausgerüstet. Die Gesamtballastierung betrug bis zu 850 Tonnen am Kran und auf der Ballastpalette des Derrick-Auslegers.
Für die Montage der drei Rotorblätter musste der Raupenkran umgerüstet werden. Der Wechsel von der PowerBoom-Konfiguration auf einen 104 Meter langen Gitterausleger dauerte nach Angaben von Liebherr sechs Tage. Zusammen mit der 84 Meter langen Wippspitze erreichte der Kran eine Rollenkopfhöhe von 200 Metern.
Die Montage der Rotorblätter erforderte ein ausreichend großes Zeitfenster mit geringen Windgeschwindigkeiten. Nach mehreren Tagen Wartezeit konnten die beteiligten Teams die Arbeiten bei geeigneten Wetterbedingungen aufnehmen. Innerhalb von zwölf Stunden wurden die drei Rotorblätter in rund 170 Metern Höhe montiert, teilweise auch bei Nacht.
»Während der rund 18-monatigen Einsatzzeit arbeitete mein LR 11350 absolut zuverlässig und störungsfrei«, bestätigte Kranfahrer Fabian Ueck nach Abschluss der Arbeiten.
Neben dem LR 11350 kamen weitere Mobilkrane von Liebherr zum Einsatz. Sie unterstützten das Rüsten und Ballastieren des Raupenkrans, Arbeiten an der Grundkonstruktion sowie die Vormontage der einzelnen Segmente des Gittermastturms.
Nach der Montage der Rotorblätter wurde der innere Turmabschnitt mithilfe eines integrierten Systems nach oben teleskopiert. Dadurch erreichte die Anlage ihre endgültige Gesamthöhe von 365 Metern. Entwickelt und realisiert wurde der Höhenwindturm von der GICON-Großmann Ingenieur Consult GmbH aus Dresden. Das 1994 gegründete, inhabergeführte Unternehmen gehört zur international tätigen GICON-Gruppe und verfügt über einen eigenen Bereich für Forschungs- und Technologieentwicklung. Die Pilotanlage in der Lausitz ist Teil dieser Entwicklungsarbeit.
