Hamburg (ABZ) | Exoskelette können die körperliche Belastung bei Hebevorgängen reduzieren. Das zeigt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), die von Jungheinrich Profishop und dem Exoskelett-Hersteller Hunic in Auftrag gegeben wurde. Unter praxisnahen Arbeitsbedingungen untersuchten die Forschenden die Muskelaktivität und Körperhaltung beim Heben von Baustoffsäcken. Nach den Ergebnissen sank die Aktivität einzelner Rückenmuskeln beim Einsatz des Exoskeletts HUNIC SoftExo Lift um bis zu 41,5 Prozent.
Für die Untersuchung führten erfahrene Logistik-Fachkräfte typische Hebevorgänge mit und ohne Exoskelett durch. Die Forschenden erfassten die Muskelaktivität mittels Elektromyographie (EMG) und analysierten die Körperbewegungen mithilfe einer dreidimensionalen Bewegungserfassung.
Die stärkste Entlastung der Rückenmuskulatur wurde mit 41,5 Prozent bei der tiefen Entnahme und tiefen Ablage der Last gemessen. Darüber hinaus fiel die Wirbelsäulenkrümmung im Mittel um bis zu 35 Prozent geringer aus. Belastende Drehbewegungen des Oberkörpers unter Last reduzierten sich laut Studie um bis zu zehn Grad.
Die Untersuchung bezieht neben der Muskelaktivität auch detaillierte Messungen der Körperhaltung ein. Damit liefert sie nach Angaben der Auftraggeber Erkenntnisse zur Wirkung von Exoskeletten unter praxisnahen Bedingungen in industriellen Arbeitsumgebungen.
Exoskelette sollen Beschäftigte bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten mechanisch unterstützen. Die Studienergebnisse weisen laut den Beteiligten auf mögliche Einsatzfelder in Logistik, Handwerk und Industrie hin. Eine geringere körperliche Beanspruchung könnte dazu beitragen, berufsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen vorzubeugen.
Die Auftraggeber verweisen zudem auf die wirtschaftliche Bedeutung des Themas. Rückenschmerzen und Muskel-Skelett-Erkrankungen hätten 2025 in Deutschland einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von 58,4 Milliarden Euro verursacht. Angesichts körperlich belastender Tätigkeiten und einer alternden Belegschaft gewinnt die Prävention damit weiter an Bedeutung.
Urban Daub, Leiter des Geschäftssegments Ergonomie und Medizintechnik am Fraunhofer-Institut, hebt die Bedingungen der Untersuchung hervor: »Das Besondere an der Studie ist, dass wir eine wissenschaftliche Untersuchung im Industriesetting durchführen konnten. Wir hatten also die Möglichkeit, Arbeitsabläufe bei der Firma Knauf so zu untersuchen und Belastungen so zu messen, wie sie täglich stattfinden.«
Die Ergebnisse zeigen Veränderungen der Muskelaktivität und Körperhaltung bei den untersuchten Hebevorgängen. Ob sich daraus langfristige gesundheitliche Effekte oder Auswirkungen auf die Arbeitsqualität ableiten lassen, wird durch die genannten Messwerte allein nicht belegt.
