Zum Inhalt springen

"Wir rechnen im zweiten Halbjahr 2026 mit einer deutlichen Belebung des Marktes"

Christian Hellermann, General Manager Sales und Marketing bei Lehnhoff, blickt auf die aktuelle Marktentwicklung und die Herausforderungen der Branche. Er erläutert die Transformationsstrategie des Unternehmens und die Notwendigkeit zur Standardisierung in einem heterogenen Marktumfeld. Wichtige Abs

Von ABZ
Anbaugerätehersteller Lehnhoff
Christian Hellermann ist seit September 2025 General Manager Sales und Marketing bei Lehnhoff und für den globalen Vertrieb des Anbaugeräteherstellers verantwortlich. | Foto: Lehnhoff

Christian Hellermann ist seit September 2025 General Manager Sales und Marketing bei Lehnhoff und für den globalen Vertrieb des Anbaugeräteherstellers verantwortlich. Er sprach mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga unter anderem darüber, wie das Unternehmen heute fit für die Zukunft gemacht werden soll..

ABZ: Herr Hellermann, Lehnhoff Hartstahl positioniert sich heute als markenunabhängiger Spezialist für Anbaugeräte. Wie würden Sie das aktuelle Marktgeschehen in dieser Nische skizzieren?

Hellermann: Die aktuellen Rückmeldungen aus dem Markt – sowohl von Kunden als auch von Lieferanten – sind sehr heterogen und reichen, bildlich gesprochen, von "ausreichend" bis "sehr gut". Nach der bauma 2025 war eine leichte Marktbelebung spürbar, die aber nicht als nachhaltig bezeichnet werden kann und bei den Marktteilnehmern unterschiedlich stark ankam. Für Lehnhoff verzeichnen wir in diesem Geschäftsjahr dennoch einen positiven Trend.

ABZ: Wie beurteilen Sie die Situation der Bauwirtschaft insgesamt?

Hellermann: Nach der bauma gab es große Hoffnungen, dass sich die Marktsituation im zweiten Halbjahr 2025 belebt. Später setzten viele auf die angekündigten Konjunkturprogramme der Regierung, die jedoch ebenfalls nicht die erwartete Wirkung entfaltet haben. Tatsächlich gab es nach der Messe eine leichte Verbesserung, die sich aber nur im unteren einstelligen Prozentbereich abgespielt hat – der große, erhoffte Effekt ist bis heute ausgeblieben.

Fährt man heute mit dem Auto durch Deutschland, hat man das Gefühl einer einzigen, nicht enden wollenden Baustelle. Es gibt also viele Projekte, die bereits umgesetzt werden. Wenn jetzt zusätzlich noch weitere Konjunkturprojekte starten sollen – physisch muss diese Arbeit ja irgendwie geleistet werden – stellt sich die Frage, wer das bewältigen soll. Das Problem liegt also aus meiner Sicht weniger in der Finanzierung oder Freigabe von Budgets, sondern vielmehr in der Verfügbarkeit von Kapazitäten.

ABZ: Für Unternehmen wie Lehnhoff könnten dann womöglich goldene Zeiten anbrechen. Wann rechnen Sie mit einer Erholung oder Normalisierung der Marktentwicklung?

Hellermann: Ich hatte gehofft, dass wir bereits 2025 erste positive Effekte sehen. Mittlerweile rechne ich jedoch erst im zweiten Halbjahr 2026 mit einer deutlicheren Belebung des Marktes – und darauf bereiten wir uns vor. Bis dahin wird die Marktentwicklung eher einem Seitwärtstrend folgen.

ABZ: Was sind für Lehnhoff die wichtigsten Absatzmärkte – auch international?

Hellermann: Traditionell ist Lehnhoff in der DACH-Region stark verankert und hat dort eine hervorragende Marktstellung. Deutschland beziehungsweise der deutschsprachige Raum ist unser stärkster Markt, gefolgt vom restlichen Europa, wo wir zunehmend an Bedeutung gewinnen, Marktanteile ausbauen und als Marke gut etabliert sind. Global gesehen gibt es natürlich noch viel Potenzial, aber wir haben klare Pläne entwickelt, um auch dort gezielt zu wachsen. Wenn ich Global sage, dann meine ich damit vor allem Nordamerika und Japan als besonders wichtige Märkte.

ABZ: Welche Ziele haben Sie sich kurz- und mittelfristig für Lehnhoff gesetzt?

Hellermann: Lehnhoff hat als Anbaugerätehersteller eine lange Tradition und über die Jahre ein beeindruckendes Produktportfolio aufgebaut. Dieses hinterfragen wir derzeit unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, strukturieren es sinnvoll und konzentrieren uns stärker auf unsere Kernkompetenzen. Trotz der geplanten Bereinigung sehen wir insbesondere im Bereich der vollhydraulischen Schnellwechsler noch Nachholbedarf.

Organisatorisch gesehen, stecken wir mitten in einem Transformationsprozess, in dem alle Bereiche – Einkauf, Vertrieb, Logistik, Finanzen, Produktion und so weiter – analysiert und auf Wachstum ausgerichtet werden. Das Schlagwort lautet: Fokussierung.

ABZ: Den Transformationsprozess hatte Lehnhoff jüngst angekündigt. Was bedeutet das im Detail?

Hellermann: Wie bereits erwähnt prüfen wir jeden einzelnen Unternehmensbereich, analysieren die bestehenden Strukturen und richten sie neu aus. Im Vertrieb haben wir beispielsweise genau definiert, wo und wie wir künftig wachsen wollen, und unsere Aktivitäten kundenorientiert darauf abgestimmt.

Lehnhoff war traditionell im Mittelstand verankert, gehört aber seit 2015 zu 100 Prozent zum Komatsu-Konzern. Da ich selbst aus der Automobilindustrie komme und dort gewachsene Konzernstrukturen kenne, weiß ich, dass es Zeit braucht, solche Strukturen zu etablieren. Diese Entwicklung treiben wir voran, denn es ergeben sich immer mehr Synergien – und diese wollen und müssen wir nutzen.

ABZ: Was bedeutet das bezogen auf die Produktpalette von Lehnhoff?

Hellermann: Wir straffen das Sortiment, um Überschneidungen zu reduzieren und unseren Fokus zu schärfen. Es geht ausdrücklich nicht darum, komplette Produktgruppen entfallen zu lassen, sondern diese zu verschlanken. Der Trend geht klar zu vollhydraulischen Schnellwechslern – und diesem Trend werden wir konsequent folgen.

ABZ: Lehnhoff produziert in Deutschland. Wie beurteilen Sie die Rahmenbedingungen des Standorts für Ihr Unternehmen?

Hellermann: Das Umfeld ist herausfordernd. Wir produzieren in einer der teuersten Regionen Europas und müssen uns mit Themen wie demografischem Wandel und Fachkräftemangel auseinandersetzen. Nichtsdestotrotz bekennen wir uns klar zum Standort und legen aktuell unseren Fokus auf interne Abläufe und nicht auf Standortverlagerungen.

ABZ: Das Thema Fachkräftemangel bleibt in der Bauwirtschaft und im Maschinenbau sehr präsent. Wie entwickelt sich das bei Lehnhoff?

Hellermann: Der Fachkräftemangel in Verwaltung, Vertrieb, Einkauf und Entwicklung war für uns bis vor einem halben Jahr sehr akut. Mittlerweile gibt es – leider für die Region, aber erfreulich für uns – durch die negativen Schlagzeilen rund um Unternehmen wie Bosch, Schaeffler oder Daimler, die in der Region Stellen abbauen, wieder viele qualifizierte Fachkräfte am Markt. Dadurch ist der Mangel in diesen Bereichen deutlich weniger spürbar.

Beispielweise haben sich noch bis vor kurzem auf eine ausgeschriebene Entwicklerstelle drei bis fünf Bewerber gemeldet – heute sind es eher 60 bis 70.

ABZ: Wie sieht es in der Fertigung aus?

Hellermann: Im Bereich der Produktion ist der Fachkräftemangel nach wie vor viel deutlicher spürbar. Es geht nicht darum, besonders viele offene Stellen zu besetzen, aber die Anforderungen sind hoch und die passenden Fachkräfte zu finden, bleibt sehr anspruchsvoll.

ABZ: Lehnhoff ist als Anbaugerätehersteller in einer Marktnische aktiv, die noch recht inhomogen bezogen auf eine Standardisierung oder Digitalisierung der Anschlüsse beziehungsweise Anbauvarianten ausfällt. Glauben Sie, dass mittel- und langfristig eine gewisse Standardisierung in diesen Bereichen notwendig ist?

Hellermann: Mittel- und langfristig wird eine Standardisierung in der Branche unvermeidlich sein – ich gehe sogar davon aus, dass dieser Prozess relativ zeitnah beginnt. In anderen Branchen wie der Automobil- oder Agrarindustrie hat der Kostendruck und die Konkurrenz aus Fernost bereits vor Jahren zu umfassenden Standardisierungen geführt. Bezüglich Digitalisierung gibt es in anderen Branchen sehr gute Ansätze, die sich übertragen lassen – etwa die digitale Patientenakte, deren Prinzip sich auch für Vertrieb oder Qualitätssicherung in unserer Industrie nutzen ließe.

ABZ: Im Bereich Baumaschinenhersteller wird unter dem Dach des VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen an der Umsetzung der MiC 4.0-Schnittstelle intensiv gearbeitet, also einer herstellerübergreifenden Kommunikation von Baumaschinen im Bauprozess. Welche Rolle spielt das für Sie als Anbaugerätehersteller?

Hellermann: MiC 4.0 ist eine wesentliche Schnittstelle, die definitiv kommen wird. Für uns als Anbaugerätehersteller ist es von zentraler Bedeutung, kompatibel zu sein. Wir beobachten genau, was am Markt nachgefragt wird. Einige Wettbewerber bieten bereits umfassende, teilweise sehr individuelle Lösungen inklusive Dienstleistungen an, aber ein Großteil der Branche ist noch nicht so weit.

Die Implementierung der MiC 4.0-Schnittstelle ist entscheidend, um im Wettbewerb den Anschluss nicht zu verlieren. Wir beschäftigen uns bereits intensiv damit, weil diese Schnittstelle die Zusammenarbeit zwischen Maschinen und Anbaugeräten grundlegend verändern wird. Wer hier rechtzeitig versteht, wohin die Reise geht, kann Standards aktiv mitgestalten. Für uns ist das der Schlüssel, um auch in einem stärker digitalisierten Markt gut aufgestellt zu sein und unseren Kunden langfristig zuverlässige, kompatible Lösungen zu bieten.

ABZ: Wie gehen Sie mit solchen Themen in Ihrem Unternehmen um?

Hellermann: Wir prüfen sehr genau, wann und in welchem Bereich, welcher Grad an Digitalisierung sinnvoll ist – und die Möglichkeiten sind beeindruckend. Die Kombination Lehnhoff–Komatsu beziehungsweise die Zugehörigkeit zu Komatsu, bietet aus meiner Sicht große Vorteile, die zu echten USPs werden können. Die optimale Kombinierbarkeit unserer Anbaugeräte mit Komatsu-Maschinen erleichtert den Bestellprozess, unterstützt die Finanzierung und stärkt unsere Marktposition.

Gleichzeitig arbeiten wir daran, diese Synergien strategisch weiterzuentwickeln, um dem Konzern zusätzliche Argumente für die gemeinsame Vermarktung zu liefern.

Ich schätze an der Baubranche, dass trotz aller Digitalisierung, persönliche Gespräche und Netzwerke weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Viele Entscheidungen entstehen im direkten Austausch – dieser persönliche Kontakt bleibt für uns ein zentraler und wichtiger Erfolgsfaktor.

ABZ

ABZ

Gebaut wird überall, und das zu jeder Zeit! Die Allgemeine Bauzeitung begleitet das gesamte Baugewerbe. Schnell, sachlich und neutral - so sind wir Deutschlands meistgelesene Baufachzeitung geworden.

Alle Artikel

Weitere in Fachkräfte und Fachkräftemangel

Alle anzeigen

Weitere von ABZ

Alle anzeigen