Berlin (ABZ) | »Die Halbjahresbilanz fällt zwiespältig aus«, kommentiert Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), die jüngst vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen. Von Januar bis Juni 2026 wurden demnach 126.300 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden (Neu- und Umbau) genehmigt. Dies sei zwar ein Plus von 15,1 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025. Die Zahl der Baugenehmigungen bewege sich damit aber noch immer auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2011. »Auch die Auftragseingänge bleiben fragil, was zeigt, dass immer noch wenig gebaut wird.
Mehr als ein Drittel der befragten Wohnungsbauunternehmen erwarten laut ifo-Konjunkturumfrage im zweiten Halbjahr sogar eine ungünstigere Entwicklung«, sagte Müller. Hohe Zinsen und Baukosten hieten den Wohnungsbau »weiter im Würgegriff«, es brauche daher mehr Initiativen der Bundesregierung gegen eine Wohnkrise, die bereits mehr als 5 Jahre anhält. »Der Wohnungsbau zeigt erste Anzeichen einer leichten Erholung. Von einer Trendwende sind wir aber noch weit entfernt«, sagt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deut-
sches Baugewerbe (ZDB) zu den Zahlen. Die Zunahme der Zahlen im Wohnungsbau sei ein Hoffnungsschimmer, aber noch kein Durchbruch. »Denn während die Genehmigungszahlen steigen, werden gleichzeitig wieder mehr Projekte storniert. Laut aktueller ifo-Umfrage berichten inzwischen 13,1 Prozent der Unternehmen von stornierten Vorhaben – nach 11,4 Prozent im Vormonat«, erklärt Pakleppa. Eine Baugenehmigung sei noch keine gebaute Wohnung. Sie sei erst der Startschuss. Wenn die Finanzierung danach nicht mehr aufgehe, werde der Auftrag storniert.
»Dass es auf dem Papier aufwärts geht, ist durchaus positiv, aber es werden in Summe immer noch zu wenig Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel bleibt trotz kleiner Hoffnungsschimmer eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Der Handlungsdruck bleibt hoch«, schließt der ZDB-Hauptgeschäftsführer.
Die Baugenehmigungen für Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern haben laut HDB mit rund 31.700 (+ 15,9 Prozent) im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen positiven Trend (auf niedrigem Niveau) verzeichnet. Das wichtigste Segment für die Wohnungsversorgung der Bevölkerung sei aber der Bau von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, auf den zwei Drittel des Neubaus entfalle. Hier sei das Genehmigungsvolumen im ersten Halbjahr 2026 auf rund
67.000 Wohnungen (+ 16,9 Prozent) gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen Mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen sagte Müller, dass schärfere Mietenregulierung oder Vergesellschaftungsfantasien nur neue Unsicherheiten schaffen würden.
Bauindustrie: Zwiespältige Halbjahresbilanz trotz Hoffnungsschimmer
Die Bauindustrie beobachtet eine zwiespältige Bilanz: Während Genehmigungen steigen, werden immer noch viele Projekte storniert. Der Wohnungsmangel bleibt ein drängendes Problem – eine Trendwende ist nicht in Sicht.
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