Berlin (ABZ). – Die Baustoffproduktion in Deutschland befindet sich weiterhin in der Krise: Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes verzeichnete die Branche im Jahr 2024 erneut ein Minus von 6,5 Prozent. Damit hat sich der negative Trend bereits im dritten Jahr in Folge fortgesetzt – insgesamt beträgt der Produktionsrückgang seit 2021 rund 25 Prozent.
Angesichts dieser Entwicklung fordert der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (bbs), der rund 25 Branchenverbände mit 4000 Unternehmen vertritt, ein Sofortprogramm von der neuen Bundesregierung, um den anhaltenden Kapazitätsabbau zu stoppen.
"Seit drei Jahren warnen wir vor Werksschließungen. Die schleichende Deindustrialisierung ist längst keine bloße Befürchtung mehr – sie wird Tag für Tag Realität", sagt Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des bbs. Besonders hart treffe es, so der Verband, weiterhin jene Baustoffhersteller, die stark vom Wohnungsbau abhängig sind. Dies wird vom Verband aus mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes weiter belegt. So sank die Dach- und Mauerziegelproduktion allein im Jahr 2024 um 12 Prozent und liegt im Vergleich zu 2021 um mehr als 45 Prozent niedriger. Auch andere Mauerwerkserzeugnisse wie Kalksandstein und Porenbeton mussten Produktionsrückgänge von bis zu 50 Prozent hinnehmen, so die Zahlen.
Der Negativtrend setzte sich laut Verband auch in anderen Bereichen der Bauwirtschaft fort: Die Produktion von Transportbeton fiel 2024 um 12 Prozent (–29 Prozent seit 2021), bei keramischen Fliesen betrug der Rückgang 7 Prozent (–44 Prozent seit 2021). Von den 12 statistisch erfassten Teilbranchen des bbs verzeichneten nur drei einen Produktionsrückgang von weniger als 20 Prozent seit 2021. "Für die Unternehmen ist diese Situation frustrierend", betont Frederichs.
"Der Bedarf an mineralischen Baustoffen für bezahlbaren Wohnraum, energieeffiziente Gebäude und eine moderne Infrastruktur ist groß – doch die politischen Rahmenbedingungen verhindern, dass diese Nachfrage aktiviert wird." Im Hochbau sorge neben der weiterhin hohen Kostenbelastung vor allem die Unsicherheit durch ein unzureichendes Förderregime und zu starke Bauauflagen für Zurückhaltung bei Bauherren. Im Tiefbau verursache die vorläufige Haushaltsführung des Bundes eine Nachfragezurückhaltung und führe zu zusätzlichen Verzögerungen bei wichtigen Infrastrukturprojekten.
Von der künftigen Bundesregierung fordert Frederichs verlässlichere Rahmenbedingungen. Förderprogramme müssten kontinuierlich zu denselben Fördersätzen laufen, ebenso darf es auf absehbare Zeit zu keinen weiteren Kostensteigerungen durch verschärftes Baurecht kommen. Darüber hinaus müsse die Baukonjunktur so schnell wie möglich, idealerweise durch ein Sofortprogramm, wieder anlaufen. Der Wohnungsbau könne in dessen Rahmen durch einen zeitlich befristeten Abschreibungs-Sonderbonus von 3 Prozent "wiederbelebt" werden.
Und für die sanierungsbedürftige Infrastruktur brauche es unmittelbar eine langfristige Investitionsoffensive mit gesicherter mehrjähriger Finanzierung. Damit der Gebäudesektor seinen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten könne, sollten zudem die Fördersätze für Maßnahmen an der Gebäudehülle angehoben werden. Abgesehen davon sei die Baustoffindustrie von immer weiter steigenden bürokratischen Auflagen und zu hohen Energiekosten betroffen.
Hier brauche es dringend spürbare Entlastungen, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Immerhin: Im vierten Quartal 2024 verzeichnete die Baustoffproduktion erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder einen leichten Zuwachs von vier Prozent, so der bbs. Von Entwarnung zu sprechen, sei aber angesichts der zu volatilen Rahmenbedingungen deutlich zu früh. Während die Auftragseingänge im Hochbau nach langer Talfahrt eine Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau andeuten, bleibe die Entwicklung im Tiefbau unsicher – insbesondere, wenn sich die neue Bundesregierung nicht rasch auf einen Bundeshaushalt mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Investitionen einigen könne. " Unter den aktuellen Bedingungen rechnen wir für 2025 mit einer Produktion auf Vorjahresniveau – bestenfalls", so Frederichs abschließend.