Frankfurt am Main (ABZ). – Linesight, ein auf die Bauwirtschaft ausgerichtetes Beratungsunternehmen, hat unlängst seinen Construction Market Insights Report veröffentlicht. Der Bericht, in dem die wichtigsten Trends in der europäischen Baubranche beleuchtet und die Entwicklungen in elf europäischen Ländern verglichen werden, zeichnet ein differenziertes Bild. Die Autoren stellen einem für die meisten europäischen Länder erwarteten Aufschwung im Jahr 2025 die Probleme des Fachkräftemangels und Insolvenzen unter den Bauunternehmen entgegen.
Zur Datenerhebung wurden Hersteller und Produzenten sowie Lieferanten und Vertreiber von Roh- und Baustoffen befragt. Ferner basiert die Marktanalyse Linesight zufolge auf der Auswertung sekundärer Datenquellen von IMF, Eurostat und nationalen Statistikämtern
Positiv wird im Bericht die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank im Juni 2024 bewertet. Die Bank of England sei im August gefolgt. "Auch in Deutschland erwarten wir nach einem herausfordernden Jahr 2024 eine leichte Erholung", sagt Michael Riordan, Senior Director Europe bei Linesight.
Mit einem prognostizierten Anstieg der Bauleistung um 0,9 Prozent reiht sich Deutschland nach Angaben des Unternehmens im europäischen Vergleich im Mittelfeld ein. Linesight sagt einen Anstieg der Bauproduktion in den meisten analysierten Ländern voraus. Für Großbritannien und Dänemark wird ein moderater Rückgang, in Italien sogar ein Minus von fast neun Prozent erwartet.
"Wir beobachten eine zunehmende Polarisierung des Marktes", erklärt Riordan. Der Technologiesektor wächst nach Darstellung des Beratungsunternehmens enorm; mit der steigenden Nachfrage nach KI nimmt der Bau von systemkritischen Industrieanlagen wie Rechenzentren deutlich zu. Auch der wachsende Anteil erneuerbarer Energien treibt Investitionen in neue Infrastrukturprojekte an, informieren die Autoren. "Allerdings beobachten wir auch gegenläufige Trends", sagt Riordan. Die veränderte globale Nachfrage führe zu Verzögerungen bei Bauprojekten in einigen Hightech-Fertigungssektoren. Besonders betroffen seien Batteriehersteller, die neue Vorhaben auch verkleinerten oder ganz aussetzten. Auch die Rohstoffmärkte bleiben volatil: Kupfer- und Aluminiumpreise liegen zwar über dem Niveau von 2023, allerdings sinken die Stahlpreise wegen schwacher Nachfrage und hoher Lagerbestände, erklärt das Beratungsunternehmen.
Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der sich nach Angaben von Linesight mit durch den KI-Trend getriebenen Projekten noch verschärfen wird. Gleichzeitig kämpfen viele traditionelle Bauunternehmen ums Überleben. In Deutschland liege die Insolvenzrate im Baugewerbe mit 8,5 je 10.000 Unternehmen deutlich über dem nationalen Durchschnitt von 5,6.
Aufgrund von EU-Förderprogrammen ergeben sich nach Darstellung von Linesight vielversprechende Perspektiven. Die EU stelle bis zu 807 Milliarden Euro für Reformen und Projekte in Europa bereit, mit einem Schwerpunkt auf nachhaltigen Bauvorhaben und öffentlicher Infrastruktur. "Die Transformation der Branche wird sich 2025 weiter beschleunigen," erwartet Riordan. "Besonders Unternehmen, die sich auf nachhaltige und technologisch anspruchsvolle Projekte spezialisieren, werden profitieren."