Rüdersdorf (ABZ). – Cemex und Linde haben eine Fördervereinbarung mit dem EU-Innovationsfonds über 157 Millionen Euro für ihr CO₂-Abscheidungsprojekt CO2LLECT unterzeichnet. Die Anlage im brandenburgischen Zementwerk Rüdersdorf soll bis 2030 jährlich 1,3 Millionen Tonnen CO₂ abscheiden.
Das Projekt CO2LLECT ist laut Cemex das bisher größte geplante CCS-Vorhaben (Carbon Capture and Storage) des Unternehmens. Linde wird eine eigene Anlage zur Kohlenstoffdioxidabscheidung und -verflüssigung bauen und betreiben. Die EU-Förderung ergänzt die Eigeninvestitionen der beiden Unternehmen.
"Der erfolgreiche Abschluss des Grant Agreements zeigt die Bedeutung von CO2LLECT für die Dekarbonisierung unserer Industrie und das Vertrauen, das uns von europäischer Seite entgegengebracht wird", sagte Juan Fernando Enriquez Martell, Vice President Operations and Cement Technology Cemex EMEA. Das Projekt bringe alle Voraussetzungen mit, um einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung der Zementindustrie zu leisten.
In Rüdersdorf kommt die CO₂-Abscheidungstechnologie HISORP® CC von Linde zum Einsatz. Das adsorptiv-kryogene Verfahren scheidet CO₂ aus dem Abgas direkt an der Emissionsquelle ab. Das aufbereitete, gereinigte und verflüssigte CO₂ erfüllt nach Herstellerangaben die Reinheitsanforderungen für die anschließende Sequestrierung.
Das flüssige CO₂-Produkt wird per Schiene zu einem CO₂-Zwischenhub transportiert und zur dauerhaften Lagerung zu einem Offshore-Speicher in der Nordsee verschifft. Die Umweltbilanz des CCS-Projekts soll durch regionale Ökostrom-Erzeugung und das Recycling von Wasser aus dem Abgaskondensat verbessert werden.
Daniel Keller, Minister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz des Landes Brandenburg, bezeichnete das Grant Agreement als "klares Signal, dass die Zementherstellung am Standort Rüdersdorf eine dauerhafte Zukunft hat". Die Investitionen seien sowohl für die Wirtschaft als auch für den Klimaschutz in Brandenburg von Bedeutung.
Neben CO2LLECT werden in Rüdersdorf weitere Projekte im Rahmen der Carbon Neutral Alliance zur Dekarbonisierung der Zementherstellung umgesetzt. Cemex entwickelt nach eigenen Angaben zusammen mit Projektpartnern aus Forschung und Industrie Technologien zur Vermeidung und Abscheidung von CO₂.
Die Unternehmensvision "Reduce before Capture" sieht CO₂-Abscheidungsprojekte wie CCS- und CCU-Projekte (Carbon Capture and Utilization) als letzten Schritt auf dem Weg zu Netto-Null-CO₂-Emissionen. Diese werden kombiniert mit der Nutzung von dekarbonisierten Rohstoffen, alternativen Brennstoffen, Energieeffizienzmaßnahmen und der Reduzierung des Klinkeranteils im Zement.
Mit der Carbon Neutral Alliance unterstützt Cemex in Deutschland die Ziele der globalen Nachhaltigkeitsstrategie "Future in Action". Das Unternehmen will bis 2050 Netto-Null-CO₂-Emissionen erreichen.
Der EU-Innovationsfonds ist eines der weltweit größten Förderprogramme für die Demonstration kohlenstoffarmer Technologien. Von 2020 bis 2030 fördert der Fonds die Einführung und den Ausbau von CO₂-armen und "Netto-Null"-Technologien mit dem Ziel, industrielle Lösungen zur Dekarbonisierung Europas auf den Markt zu bringen.