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"Wir bauen nicht nur Häuser, wir bauen Zukunft."

Der Deutsche Baugewerbetag 2025 in Berlin diskutierte Chancen und Herausforderungen der Branche. Bundeskanzler Merz betonte die Notwendigkeit von Reformen und Digitalisierung, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Gemeinsam wolle man das Vertrauen in den Staat stärken.

Von ABZ
Deutscher Baugewerbetag 2025
Bundeskanzler Merz ließ sich gern mit Teilnehmern des Nationalteams Baugewerbe ablichten und versprach sein Kommen zur nächsten Euroskill-Meisterschaft in Düsseldorf 2027, "wenn Sie mich einladen." | Foto: Kai-Werner Fajga

Berlin (ABZ). – Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe hatte jüngst zum Deutschen Baugewerbetag nach Berlin eingeladen, ein halbes Jahr nach Amtsantritt der neuen Bundesregierung sei ein neues politisches Kapitel aufgeschlagen worden – es sei Zeit auch für den Verband, "gemeinsam zurück- und nach vorn zu blicken".

Bundeskanzler Merz, Bundesbauministerin Hubertz und einige Experten hatten ihr Kommen zugesagt, dementsprechend hoch waren die Erwartungen aller Anwesenden.

"Wie steht es konkret um den "Neustart Bau?", "Was läuft bereits gut?", "Wo braucht es mehr Tempo, mehr Mut – und ein starkes Miteinander?", diese und weitere Fragen wollte der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) mit seinen Mitgliedern diskutieren und hatte Anfang November zum Deutschen Baugewerbetag nach Berlin eingeladen. Mit dem Amtsantritt der neuen Bundesregierung im Mai 2025 sei ein neues politisches Kapitel aufgeschlagen worden und nach einem halben Jahr sei nun "der richtige Zeitpunkt, gemeinsam zurück- und nach vorn zu blicken."

Mit einer Mitgliederversammlung am Vortag sowie einem prallgefüllten Tagesprogramm am Baugewerbetag mit Talkrunden und Vorträgen von Experten sowie Bundeskanzler Merz und Bundesbauministerin Hubertz gab es für alle Teilnehmer reichlich Input und Gelegenheiten zum Austausch, was auch intensiv genutzt wurde.

Am Ende des Events zeigte sich Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des ZDB, sichtlich begeistert vom Verlauf des Events – insbesondere auch vom Vortrag des Bundeskanzlers: "Ich wäre ihm fast auf der Bühne um den Hals gefallen", sagte Schubert-Raab am Ende des Events bildlich, denn alles was der Kanzler in seinem 30-minütigen Vortrag gesagt habe, daran arbeite man im Verband seit Jahren, trage manche Dinge wie eine Monstranz vor sich her und habe versucht, die Politik von den Lösungen des Verbands zu überzeugen. "Und jetzt, schlagartig, werden diese Dinge ins Leben umgesetzt, das gibt uns einen Schub, das ist toll", fasste der Präsident zusammen.

Zu Beginn des Tages hatte Schubert-Raab die Stimmung im Baugewerbe vor einigen Wochen als "nicht wirklich gut" beschrieben. Bauunternehmen, die durch die anhaltende konjunkturelle Talsohle navigierten und Rechnungen bezahlen könnten, müsse hoher Respekt gezollt werden.

Es ergebe sich im Baugewerbe zwar schon eine kleine Perspektive mit steigenden Auftragszahlen und steigenden Genehmigungszahlen, aber das Niveau sei niedrig.

Branchenstimmung

Riesige Chancen böte aber das Sondervermögen der Bundesregierung für Investitionen, für einen Aufbruch und für die Zukunft Deutschlands. "Wir hoffen sehr, dass die angekündigte Modernisierungsagenda des Entlastungskabinetts auch hält, was es verspricht" sagte der Präsident hinsichtlich der kurz zuvor vom Bundeskabinett beschlossenen Vorhaben zur Entbürokratisierung und Digitalisierung.

Einfachere, schnellere Bauanträge, einfachere und günstigere Baustandards sowie geringere Berichts- und Nachweispflichten seien ein gutes Zeichen, aber man müsse auch ehrlich eingestehen, dass "die deutsche Wirtschaft kämpft". Das Bruttoinlandsprodukt stagniere, man sei knapp an einer Rezession "vorbeigeschrammt" und die Höhe privater Investitionen liege auf dem Niveau von 2015. "Das sind ernste Zahlen, aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte", sagte Schubert-Raab, denn zu einer Realität, die oft übersehen werde, gehöre auch, dass der Mittelstand die Wirtschaft trage.

Problembereiche

Man müsse sich auch eingestehen, dass der deutsche Mittelstand, zu dem 99 Prozent der Unternehmen zählten, die Hälfte Netto-Wertschöpfung erzeuge und 80 Prozent der Ausbildungsplätze stelle. "Fortschritt entsteht in Betrieben und Werkstätten, nicht in Amtsstuben. Wir bauen nicht nur Häuser, wir bauen Zukunft", sagte Schubert-Raab. Die Branche stehe unter Druck, gleichzeitig kämpfe man gegen einen immer dichter werdenden Bürokratiedschungel. Seit 2022 seien über 300.000 Arbeitsplätze für den Aufbau von Bürokratie eingerichtet worden – dort finde keine Wertschöpfung statt, es werde kein Gewinn erwirtschaftet – "das können wir uns nicht leisten", sagte Schubert-Raab. Mittlerweile müsse jeder Unternehmer 2 bis 3 Tage pro Woche für Büroarbeit aufwenden, die meist per Papier erfolge.

Der Deutsche Baugewerbetag würde deshalb auch stattfinden, um Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Das Baugewerbe habe das Knowhow und die Kapazität, das Land aufzubauen, aber das Sondervermögen könne nur dann seine Wirkung entfalten, wenn es mit Reformen und schnelleren Planungsverfahren einhergehen werde.

"Geld baut keine Häuser", sagte er – und ergänzte an die Adresse von Bundesbauministerin Hubertz: "Der Mittelstand ist bereit, geben Sie uns eine Chance!" Er sei zuversichtlich, dass das Sondervermögen nicht nur ein Zahlenwerk bleibt, sondern echte Veränderungen bringe, und dass der Wohnungsbau wieder Fahrt aufnehme. Der Bau-Turbo habe ein wichtiges Signal gesetzt, aber entscheidende Stellen seien damit überfordert und bräuchten Unterstützung und Leitlinen.

Bau-Turbo

"Lassen Sie uns Tacheles reden", schlug Bundesbauministerin Verena Hubertz zu Beginn ihrer Rede vor und räumte nach einer Bestandsaufnahme aus Sicht der Politik – die positive Anzeichen zeige – ein, dass man nun aber nicht einfach auf einen Knopf drücken könne – und alles werde gut. Es bestehe die Notwendigkeit, mehr und schneller zu bauen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wozu mit dem "Bau-Turbo" ein erster Schritt erfolgt sei. Es brauche nun eine Agenda, bestehend aus Bürokratieabbau, einer Vereinfachung von Baustandards, digitaleren und innovativeren Verfahren und höheren Investitionen.

Der Bau-Turbo habe unter anderem dafür gesorgt, dass in Gemeinden nun nach drei Monaten gebaut werden könne – wofür sonst fünf Jahre Planungszeit benötigt würden. Zudem werde vom BMWSB nun ein eigenes "Umsetzungslabor" für einen Zeitraum von sechs Monaten eingerichtet, in dem die Umsetzung von Prozessen diskutiert und gemeinsam erprobt werden solle. Zum Thema Gebäudetyp E erwähnte die Ministerin, dass man auf dem Weg sei, eine rechtssichere Hülle zu liefern, die auch aufzeigen solle, wie von bestehenden Normen abgewichen werden dürfe.

Im Themenbereich Digitalisierung erwartet Ministerin Hubertz in den kommenden Jahren erhebliche Produktivitätsfortschritte, beispielsweise durch den umfassenden Einsatz von BIM (Building Information Modeling) und künstlicher Intelligenz. Sie nannte die Automobilindustrie als Vorbild, von der man sich einiges abschauen könne, etwa in der seriellen Vorfertigung. In puncto höhere Investitionen verwies Hubertz unter anderem auf die Umsetzung des Sondervermögens sowie zusätzlicher Volumina durch die Bundesländer und fügte hinzu, dass auch privates Kapital mobilisiert werden solle, ohne dabei jedoch konkret zu werden.

Bundeskanzler Friedrich Merz griff in seinem Vortrag aktuelle Herausforderungen der Welt- und Europapolitik auf, um dann einige Themen anzusprechen, die dem Verband wie auch der Bauwirtschaft generell unter den Fingernägeln brennen, wie etwa die Verwendung der Mittel des Sondervermögens oder der geplanten Modernisierungen auf Bundesebene. "Es ist gut, dass wir uns heute treffen, denn wir haben heute Morgen im Bundeskabinett die umfassendste Digitalisierungs- und Modernisierungsagenda beschlossen, die in den letzten Jahrzehnten in Deutschland beschlossen worden ist", sagte er.

Merz gab sich entschlossen, Dinge umzusetzen: "Wir schaffen ganze Gesetze ab. Wir modernisieren unseren Staat. Wir digitalisieren Prozesse und Verfahren, die bis in Ihren Bereich in das Baugewerbe gehen." Man gebe jetzt wirklich Gas bei der Modernisierung und Digitalisierung des Staates, beispielsweise auch in Form einer neuen digitalen Plattform für die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis für ausländische Arbeitskräfte, die strikt von Asylverfahren getrennt werden solle.

Wer in Deutschland arbeiten wolle, dem solle das auch ermöglicht werden, führte Merz aus. Zur konjunkturellen Situation des Baugewerbes sagte der Bundeskanzler, es gebe "erste zaghafte Silberstreifen am Horizont", mehr sei es aber aktuell nicht. Die Anzahl der Auftragseingänge würde im Bauhauptgewerbe wieder zunehmen. Im Bereich Baugenehmigungen solle dazu der Prozess bis hin zu den Genehmigungen grundlegend vereinfacht werden. Der Kanzler bekräftigte, dass mit dem Geld aus dem Sondervermögen nun vor allem in die Verkehrsinfrastruktur investiert werden solle: "Da, wo es Genehmigungen gibt, wo Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sind, wo Baureife erteilt ist, kann gebaut werden", sagte der Kanzler bezogen auf die kommenden zwei Jahre und ergänzte, dass das "eine erheblichen Auftragsboom auslösen werde.

Parallel arbeite die Regierung daran, das europäische und das deutsche Vergaberecht zu modernisieren. Merz: "Wir werden darauf achten, dass dies mittelstandsfreundlich ausgestaltet wird, sodass auch der Mittelstand in Zukunft nicht leer ausgeht, wenn größere Aufträge zu vergeben sind. Wir haben den Mittelstand dabei im Blick." Ziel bleibe es aber auch hier, mit mehr Digitalisierung und weniger Bürokratie zu arbeiten. "Auch diese Verfahren werden digitalisiert", ergänzte Merz. Bis zum Jahr 2040 rechne das Verteidigungsministerium mit Investitionen in die militärische Infrastruktur von über 67 Milliarden Euro, das seien rund 8000 Bauvorhaben allein für die Bundeswehr, die in den nächsten Jahren zu bewältigen seien – und auch das werde "nur in einem gemeinsamen Kraftakt von Bund, Ländern und Bauwirtschaft gelingen", fügte der Kanzler an. Dafür sollen gesetzgeberisch die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden, zum Beispiel mit einem speziellen Beschleunigungsgesetz für die Beschaffung sowie Ausnahmeregeln für die Bundeswehr. "Sie sehen, wir sind bis hin in die Details hinein sehr gut unterwegs".

Auch im Bereich Wohnungsbau werde viel getan, bis zum Jahr 2029 stünden 23,5 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung, das sei ein Rekord – und da dies von den Ländern kofinanziert werde, seien weitere Investitionen zu erwarten.

Die Bundesmittel für die Städtebauförderung sollen schrittweise bis zum Jahr 2029 verdoppelt werden. Darüber hinaus arbeite das Bundesbauministerium an einer langfristigen Neuaufstellung der KfW-Förderprogramme. Die Einführung der immer wieder geforderten Sonderabschreibung nach EH55-Standard werde kommen, auch der "Typ E".

Merz stellte heraus, dass man künftig dafür Sorge tragen müsse, dass die marktwirtschaftliche Ordnung in Deutschland wieder Bauen ermögliche, ohne dass zusätzliche Schulden gemacht werden müssten. "Deswegen werden wir weiter ganz konsequent daran arbeiten, die politischen und gesetzgeberischen Rahmenbedingungen zu verbessern" fügte Merz hinzu. Auch eine große Novelle des Baugesetzbuches und weitere Dinge sollen angegangen werden. Alles das zusammen habe das Potenzial, "dass das Wohnungsproblem in Deutschland deutlich entschärft werden kann", fasste der Bundeskanzler zusammen und machte gleichzeitig darauf aufmerksam, dass die Lösung des Wohnungsbauproblems nicht nur für die Baubranche, das Bauhaupt- oder Baunebengewerbe wichtig sei, sondern eine Frage von größerer gesellschaftlicher Bedeutung sei. "An dieser Frage wird sich entscheiden, ob die Menschen in Deutschland das Vertrauen in unseren Staat, das Vertrauen in unsere Demokratie und nicht zuletzt das Vertrauen in die marktwirtschaftliche Ordnung behalten oder ob es erodiert", schloss der Kanzler. Gemeinsam müsse man dafür sorgen, zu zeigen, dass "in unserem Land gut regiert werden kann", dass die Dinge in Ordnung gebracht werden könnten und dass "unser Staat gut funktioniert".

Generationsfragen

Neben allen Vorträgen und Expertenstatements bot der Baugewerbetag besonders der jüngeren Generation eine große Bühne. In der Talkrunde "Wo Handwerk Helden macht" wurde anschaulich aufgezeigt, wie die junge Generation für Bauberufe interessiert werden kann: Gerrit Terfehr (Vorsitzender der Vereinigung junger Bauunternehmen) zeigte etwa Beispiele von Nachwuchsarbeit vor Ort auf. Daniel Michailidis (Geschäftsführer der Macher Festival GmbH) von den "Real Life Guys" erklärte anschaulich, wie junge Menschen per Youtube und sozialen Medien für Bauberufe begeistert und mobilisiert werden können.

Für Begeisterung im Saal sorgte auch die Vorstellung von Teilnehmern des Nationalteam Deutsches Baugewerbe. Das Team besteht aus den besten deutschen Nachwuchshandwerkern im Baugewerbe und wird vom ZDB getragen.

Neben den Fliesenlegern gehören Beton- und Stahlbetonbauer, Maurer, Stuckateure und Zimmerer dazu. Mit der Teilnahme an internationalen Berufswettbewerben sollen Nachwuchskräfte gefördert werden, und natürlich auch für handwerkliche Berufe geworben werden. Das Nationalteam war zuletzt im September bei den EuroSkills in fünf Gewerken am Start und konnte sich nach drei Wettbewerbstagen über vier Medaillen freuen.

Wolfgang Schubert-Raab merkte an, dass man die positive Stimmung bei solchen Wettbewerben einfach mal live erleben müsse, und dass als nächstes die deutschen Meisterschaften im Bauhandwerk in Feuchtwangen für das Nationalteam anstehen, wo in neun Gewerken die besten Bauhandwerksgesellinnen und -gesellen Deutschlands im Wettbewerb ausgezeichnet werden sollen. "Ihr seid unsere Botschaft", lobte der Präsident das Engagement der jungen Leute abschließend.

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