Alpirsbach (ABZ) |Die in der Kleinstadt Alpirsbach im 11. Jahrhundert gegründete Klosterbrauerei der Benediktiner Mönche wird seit 1906 privatwirtschaftlich geführt. Turnusmäßig stand eine Erneuerung der Abfüllanlage an.
Beim Bau der Lagerhalle aus Stahlbeton im Jahr 1982 war diese statisch bereits so ausgelegt worden, um darauf später – wie jetzt geschehen - ein ganzes Stockwerk obenauf errichten zu können. Die platzsparende Aufstockung der neuen Halle auf der alten Halle in beengter Tallage und der Einbau der Abfüllanlage konnte in zwölf Monaten ausgeführt werden. Heute produziert die Alpirsbacher Brauerei dort am Tag bis zu 1.300 Hektoliter Bier.
Im Rüttelverfahren verlegter Industriefußboden
Die Umsetzung des Projektes in Holzbauweise verdankt sich zum einen der Schwarzwälder Tradition. Zum anderen weist ein Holzbautragwerk im Vergleich zu Stahlkonstruktionen ein geringeres Gewicht auf, was der baustatischen Vorbereitung der Lagerhalle entgegenkam. Im Zuge dessen musste die alte Hallendecke bzw. der zukünftige Boden unter Berücksichtigung hygienischer Anforderungen neu aufgebaut werden, um eine potenzielle mikrobiologische Verunreinigung des Bieres zu verhindern.
Auf der Stahlbetondecke dient eine zementgebundene Schüttung als Höhenausgleichsschicht, die von einer Horizontalsperre aus besandeten Bitumenbahnen sowie einer Dämmlage aus Hartschaumplatten abgeschlossen wird. Der finale Bodenbelag resultiert aus einem 10 cm dicken Industriefußboden, wobei dessen Feinsteinzeugfliesen im Rüttelverfahren verlegt wurden. Die in ein Mörtelbett mittels Rollenrüttler eingebrachten Fliesen generieren eine ebene Fläche, die antistatisch, säure- und rutschfest ist. Durch das mechanische Verlegen und Verfugen der mikroverdichteten Fliesen, die mit einer Wasseraufnahmefähigkeit von unter 0,1 % und einer geringen Fugenbreite von nur 2,5 mm aufwarten, kann das Reinigungswasser rasch ablaufen.
Dachluke für Einheben der Abfüllanlage
Der vom Architekturbüro Kummer entworfene Objektbau und das von der Schaffitzel Holzindustrie geplante und vorgefertigte Hallentragwerk der Aufstockungsebene aus Brettschichtholz (BSH) wurde von der Zimmerei Heinzelmann montiert. Es setzt sich aus Fischbauchbindern, Abfangträgern sowie aus Pendel- und Giebelstützen zusammen, deren Statik von den Isenmann Ingenieuren berechnet wurde.
Die Montage der BSH-Stützen erfolgte auf Stahlbeton-Sockeln. Die Fußpunkte der BSH-Stützen und-Verbände mussten vor dauerhaften Feuchtigkeitseinträgen und stehendem Wasser geschützt werden. Dazu hauste man diese mit wasserbeständigen Bauplatten ein. Das Hallentragwerk wird von einer massivhölzernen Schale aus Brettsperrholz-Elementen (BSP) abgeschlossen. Um die schweren Maschinenteile der Abfüllanlage einheben zu können wurde ein öffenbares Dach entwickelt.
Dazu integrierten die Zimmerer in die Massivholzdecke eine aus zwei BSP-Elementen bestehende rund 80 m² große öffenbare Luke. Nach Fertigstellung der Aufstockungsebene hat ein Schwerlastkran die bis zu 35 Tonnen schweren Maschinenkomponenten durch die Luke eingehoben. Ein Aufbau der Abfüllanlage parallel zur Errichtung des Holzbaus war aufgrund beengter Platzverhältnisse nicht zielführend. Zudem hätte man die empfindlichen Spezialmaschinen unkalkulierbaren Witterungsverhältnissen ausgesetzt, was zu Beschädigungen hätte führen können.
Autor: Marc Wilhelm Lennartz