Dörfles-Esbach (ABZ). – Die wegweisende Entwicklungsarbeit von Reichenbacher Hamuel und der Lehvoss Group wird laut Unternehmen im Schalungsbau ein neues Kapitel aufschlagen, indem die konventionelle Herstellung von Bauschalungen in Zukunft durch innovative 3D-Drucktechnologie ergänzt wird.
Die Häuser der Zukunft werden anders aussehen als heute, glauben die Unternehmen. Das beziehe sich sowohl auf die Bauform, also das gestalterische Konzept eines Bauwerks, als auch auf die Nachhaltigkeit der eingesetzten Materialien. Weltweit hat der Einsatz von Beton im Bauwesen aktuell immer noch einen hohen Stellenwert, und dafür braucht die Bauindustrie Schalungen. Beton erzeugt bei der Aushärtung Wärme. Darauf muss im Gesamtprozess geachtet werden, sonst kann es zu ungleichmäßiger Aushärtung oder zu Rissen kommen, was die Festigkeit und Qualität der Betonteile beeinträchtigt.
Die herkömmliche Herstellung von Schalungen aus Holz stößt bei der Gestaltungsfreiheit bezüglich der Komplexität der Bauelemente und der Flexibilität im Fertigungsprozess an ihre Grenzen, heißt es seitens Reichenbacher Hamuel und der Lehvoss Group. Den beiden Unternehmen ist es laut eigenem Bekunden gelungen, Betonschalungen auf einem CNC-Bearbeitungszentrum mit zukunftsweisender 3D-Drucktechnologie herzustellen. Auf der Anlage HybridDX-LT von Reichenbacher werden laut eigener Aussage Bauteile bis zu einer Größe von 1700 x 900 x 600 mm schnell und effizient gedruckt. Die CNC-Bearbeitung mit einem 5-Achs-Fräsaggregat direkt nach dem Druck gewährleiste die notwendige Funktionalität in Bezug auf Genauigkeit und hochwertige Oberflächenbeschaffenheit.
Komplexe Bauelemente
Mit diesem hybriden Fertigungsverfahren werden komplexe Bauelemente für Treppen, Balkone oder Wände leicht zu produzieren sein, wodurch Häuser der Zukunft ohne Kanten und Ecken keine Vision mehr sind, berichten die Unternehmen. Mit dem 3D-Druck sollen sich nämlich nicht nur gerundete oder mehrfach gekrümmte Konturen abbilden lassen, es sollen auch Hohlräume oder Stützstrukturen einfach und effizient verwirklicht werden können. Auch die Oberflächenbeschaffenheit profitiere von den neuen kreativen Möglichkeiten, denn mit dem Fräsprozess sollen sowohl glatte als auch angeraute oder individuelle Strukturen in den Oberflächen realisiert werden können.
Gerade bei Sichtbeton ist das ein entscheidender Faktor, um Gebäuden ein individuelles Erscheinungsbild zu verleihen. Das in diesem Prozess verwendete, technische Kunststoffgranulat LUVOTECH eco PC/ABS von LEHVOSS basiert auf Recyclingmaterial aus postindustriellen Quellen und weist daher einen geringen CO2-Fußabdruck auf, versichern die Unternehmen. Es lasse sich einfach verarbeiten, ermögliche hohe Bauteilfestigkeiten, hat eine Dauergebrauchstemperatur von rund 120 °C und wird mit einem Ausstoßvolumen von 8 kg/h über die Extruderdüse des Druckers (8 mm Durchmesser) aufgetragen.
Formen sind widerstandsfähig
Die gedruckten Schalungen sollen sowohl der Betonarbeitstemperatur von 70 bis 90 °C als auch dem ausgeübten Betondruck von 50 kN/m² standhalten. Die Formen sind zudem äußerst widerstandsfähig, auch bei Betonstahl, und trotzen dem normalen Abrieb bei Betonage. Das gelte auch für großvolumige Kunststoffschalungen, die in Bezug auf Stabilität und Festigkeit keine Defizite aufweisen und dem Druck des frischen Betons gewachsen sind, ohne zu verformen oder zu brechen.
Ein weiterer Pluspunkt soll die neu gewonnene Flexibilität im Gesamtprozess sein, denn nun sollen Schalungen direkt aus einer CAD-Zeichnung heraus hergestellt werden können – überall auf der Welt. Für eine Bauform, die 200 kg Beton aufnehmen kann, liegen die Druckzeiten für ein konkav geformtes Teil mit Maßen von 1366 x 260 x 500 mm und 52 kg Materialverbrauch bei durchschnittlich 6,5 Stunden, für das konvexe Bauteil von 1366 x 215 x 500 mm mit 68 kg Granulateinsatz bei 8,5 Stunden, heißt es. Der nachgelagerte Fräsvorgang dauere 2,5 Stunden je Bauteil. Das neue Verfahren garantierw schnellere Produktions- beziehungsweise kürzere Durchlaufzeiten und niedrigere Kosten. Das Maschinenkonzept der HybridDX-LT mit Einsatz des recycelten Kunststoff-granulats LUVOTECH eco PC/ABS biete Unternehmen aus der Bauindustrie völlig neue Perspektiven, so der Hersteller.