Güglingen-Eibensbach (ABZ). – In Ballungsgebieten sorgen Gebäudeaufstockungen nicht nur für mehr Wohnraum, sondern auch für mehr Arbeitsplätze – im physischen Sinn. Aktuelles Beispiel ist die Sanierung und Erweiterung des Firmenstandorts eines Energiedienstleisters..
Um die Arbeitsplätze fast verdoppeln zu können, wurde das bestehende Bürogebäude um zwei Geschosse aufgestockt. Auffällig ist dort die beeindruckende Auskragung, mit der den umliegenden Hochhäusern architektonisch ein horizontales Element entgegengesetzt werden soll.
Eine laut eigener Aussage spannende Herausforderung für das Bauunternehmen Marti – vor allem im Hinblick auf das Traggerüst für die Betonage der Auskragung. Dabei mussten die Verantwortlichen mehrere Anforderungen berücksichtigen: zum Beispiel die Integration der schrägen Stützen, die fehlende Gerüstaufstellfläche auf dem Dach eines anliegenden Gebäudes und nicht zuletzt die Bereitstellung von Arbeitsplattformen sowie Schutzwänden für die Einhausung der Baustelle im Innenstadtbereich. Aufgaben, die sich den Beteiligten zufolge mit dem Allround Traggerüst TG 60 von Layher und einer digitalen Vorplanung in 3D im System und damit wirtschaftlich lösen ließen.
Erfolgreiche Gerüstprojekte absolvieren
Die verantwortlichen Bauführer der Marti Bauunternehmung – Luca-Andrea Cabiallavetta und Muris Kalic – wandten sich dazu im Vorfeld an die Fachleute des Gerüstspezialisten Layher: an Tobias Kächler – Geschäftsführer für den Bereich Layher Bautechnik – und das Team von Roland Hassert, der bei Layher die Anwendungstechnik Bau verantwortet. Gemeinsam wurde eine passgenaue Lösung erarbeitetet, die optimale Voraussetzungen für die anschließenden Schalungsarbeiten schuf, alle Sicherheitsanforderungen berücksichtigte und gleichzeitig wirtschaftlich bei Auf- und Abbau war, erläutern die Beteiligten.
Eine sorgfältige digitale Vorplanung in 3D schuf die Grundlage. Die 3D-Planung ist ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses Layher SIM.
Dieser wurde von Layher erarbeitet, um eigenen Angaben zufolge als Unterstützung für Kunden über den gesamten Lebenszyklus eines Gerüstprojekts einfache Möglichkeiten zur Digitalisierung von Arbeitsschritten aufzuzeigen – von der Planung über die Logistik bis hin zur Ausführung. Und mit der LayPLAN SUITE steht bei Bedarf zudem eine praxisorientierte Softwarelösung für die Umsetzung zur Verfügung.
Arbeitsschritte einfach digitalisieren
Die Module der LayPLAN SUITE kamen auch bei diesem Projekt zum Einsatz. Mittels des von Marti bereitgestellten 3D-Gebäudemodells konnte der zuständige Layher-Anwendungsingenieur direkt mit der digitalen Gerüstplanung beginnen. "Gerade für konstruktiv anspruchsvolle Gerüstprojekte eignet sich das Modul LayPLAN CAD", erläutert Roland Hassert. "Damit konnten wir die Geometrieanpassungen inklusive Kollisionsprüfung exakt umsetzen und die Planung anhand des 3D-Gerüstmodells mit den Profis von Marti abstimmen und weiterentwickeln." Ein Thema war das anliegende Gebäudedach, das nicht als Gerüstaufstellfläche genutzt werden konnte. Um die Lasten während der Schalungsarbeiten in die Gebäudewände einzuleiten, wurde deshalb ein Trägerrost errichtet. "Dieser ließ sich im Rahmen der 3D-Gerüstplanung optimal auf das Traggerüst zuschneiden", ergänzt Kächler.
"Einmal geplant, war auch die weitere Arbeitsvorbereitung wie der statische Einzelnachweis mit Unterstützung von LayPLAN TO RSTAB oder der Auszug verlässlicher Materiallisten per Knopfdruck für jeden Bauabschnitt schnell erledigt. Marti konnte das benötigte Material so just-in-time auf der Baustelle anliefern oder im Layher Mietpark abrufen – ein Service für unsere Kunden bei Bedarfsspitzen."
Schnell. Flexibel. Sicher - so soll Traggerüst sein
So stand einem termingerechten Baubeginn nichts im Wege. Für die Umsetzung der komplexen Traggerüstkonstruktion fiel die Wahl, so die Beteiligten, bewusst auf das modular aufgebaute Allround Traggerüst TG 60 von Layher, dessen Traggerüsttürme sich aus hochtragfähigen Traggerüstrahmen und – je nach Last – verschieden langen Allround-Serienriegeln und Allround-Diagonalen zusammensetzen. "Das TG 60 hat in Bezug auf die Baustelleneffizienz entscheidende Vorteile", weiß Hassert.
Zu einer schnellen und damit wirtschaftlichen Montage tragen sowohl die wenigen und leichten Bauteile sowie die schraubenlose Keilschlossverbindung als auch die Kombinationsmöglichkeit mit dem Allround-Baukasten bei.
"Dieser Systemansatz überzeugt in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist die Feldlänge der TG 60 Traggerüsttürme durch Streckung an die vorgegebene Belastung anpassbar. Die Anzahl der Traggerüsttürme ließ sich damit reduzieren. Weniger Material heißt weniger Transport. Und weniger Montagezeit. Zum anderen sind die Traggerüsttürme mit allen Aus- und Ergänzungsbauteilen des AllroundGerüsts wie beispielsweise dem Aluminium-Träger TwixBeam kombinierbar. Dadurch war es für die Monteure von Marti möglich, alle Baustellenanforderungen im System zu realisieren", berichtet Hassert.
Baustellenanforderungen realisieren
Und Baustellenanforderungen gab es laut dem Bauingenieur viele: angefangen von der Anpassung an die Höhensprünge bei der Gerüstaufstellfläche über den Anbau eines Treppenturms als Gerüstzugang bis hin zur geforderten Durchfahrt im Traggerüst für Baustellenfahrzeuge. "Dazu wurden einfach Stahlträger auf zwei vorgesetzten Allround-Stielen abgesetzt", erklärt Hassert. Auch die Integration der schräg verlaufenden Stützen erfolgte im System. Da die maximale Feldlänge der Traggerüsttürme in diesem Bereich nicht ausreichend war, griff das Projektteam zu einem Trick. Für die Abfangung der darüberliegenden Traggerüsttürme kamen in diesem Bereich ebenfalls Stahlträger zum Einsatz – aufgelagert auf Allround-Schwerlaststützen.
Anstelle schwerer Spezialkonstruktionen werden dafür laut ausführendem Unternehmen einfach vier leichte und zugleich tragfähige Allround-Serienstiele in der Lightweight-Technologie gebündelt. Die Lastkonzentration unterhalb der Unterzüge ließ sich wiederum mit dem TwixBeam lösen. An diesen Stellen wurden H-20-Jochträger einfach durch den hochtragfähigen Aluminium-Träger ersetzt.
Das Thema Sicherheit stand ebenso im Fokus. Abgesehen vom sicheren Auf- und Abbau der Traggerüsttürme durch Vormontage am Boden und Einheben per Kran, schufen die Monteure von Marti auch die Voraussetzung für sichere Schalungsarbeiten: etwa durch eine integrierte Arbeitsplattform unterhalb der Schalebene durch Einhängen von Serienböden – oder auch durch eine Einhausung am Rand der Schalung zum Schutz vor herabfallenden Gegenständen. Als Unterkonstruktion diente eine Schutzwand aus Allround-Grundbauteilen.