Herford (ABZ). – Auf vielen Baustellen herrschen chaotische Zustände: Absprachen finden nur oberflächlich statt, die Kommunikation lässt allgemein zu wünschen übrig und eine klare Struktur ist nicht zu erkennen.
Die Folgen reichen von wiederkehrenden Ärgernissen über Verzögerungen im Ablauf bis hin zu vermeidbaren Bauschäden. Die Bauherren wiederum sehen sich mit höheren Kosten und oft auch Qualitätsproblemen konfrontiert.
In vielen Fällen ist die mangelnde Strukturierung der einzelnen Arbeitsabläufe für das Chaos und den Ärger verantwortlich. Wer hingegen noch vor Baubeginn die Prozesse klar benennt und das Optimierungspotenzial von modernen digitalen Tools nutzt, spart langfristig nicht nur Nerven, sondern auch Kosten. Chaotische Zustände sind zumeist auf drei Ursachen zurückzuführen.
Grund 1: Bauplanung
Auf vielen Baustellen wird die sorgfältige Planung vor Baubeginn vernachlässigt. Dadurch kommen sich Gewerke wie Sanitär oder Trockenbau gegenseitig in die Quere und behindern die Arbeit des jeweils anderen. Auch laufende Veränderungen im Bauprojekt, unter anderem nachträglich geäußerte Kundenwünsche, werden nur zum Teil oder gar nicht in die Baupläne integriert. Das wirkt sich negativ auf die Baustelle aus, weil Wartezeiten entstehen und Arbeiten nicht wie gewünscht durchgeführt werden.
Mängel in der Bauplanung und -koordination erkennt man an verschiedenen Anzeichen. Dazu gehören unvollständige oder veraltete Bauunterlagen genauso wie das Fehlen von tagesaktuellen Zeitplänen. Auch unklare Zuständigkeiten sind ein Indiz für mangelnde Baukoordination. Am deutlichsten werden Defizite in der Organisation, wenn sich die einzelnen Gewerke gegenseitig behindern.
Grund 2: Kommunikation
Auch Nachlässigkeiten im kommunikativen Austausch behindern die Abläufe auf Baustellen. Wenn wichtige Informationen nicht zeitnah weitergegeben und keine klaren Absprachen getroffen werden, wird es schwierig, Entscheidungen nachzuvollziehen. Das erzeugt Unsicherheit unter den Betroffenen, was häufig in Fehlern resultiert. Besonders kritisch muss in diesem Zusammenhang die Nutzung von informellen Kommunikationsdienstleistern wie WhatsApp gesehen werden. Durch diese gehen relevante Details häufiger unter, gelegentlich sogar ganze Gesprächsverläufe. Dabei ist eine transparente und professionelle Kommunikation für Verlässlichkeit auf der Baustelle unabdingbar, besonders dann, wenn mehrere Subunternehmer beteiligt sind.
Anzeichen für eine mangelhafte Kommunikation sind Arbeiten, die auf veralteten Plänen beruhen. Auch Konflikte bezüglich Änderungsaufträgen zeigen, dass Absprachen auf dieser Baustelle Schwierigkeiten bereiten. Ein weiteres Indiz ist eine verzögerte Problembehebung, genauso wie verschiedene Informationsstände bei den Betroffenen.
Grund 3: Kalkulation
Das Erstellen von Angeboten ist eine weitere häufige Ursache für Chaos auf Baustellen. Betriebe kalkulieren ihre Kosten dabei oftmals sehr detailliert, ohne jedoch einen ausreichenden Puffer einzuplanen. Es gibt verschiedene Anzeichen für eine zu straffe Kalkulation der beteiligten Unternehmen. Dazu gehören Engpässe bei der Liquidität, die das Projekt behindern, aber auch mangelhaft durchgeführte Arbeiten, die in hitzigen Debatten über Nachträge resultieren. Wenn einem Unternehmen bereits vereinbarte Folgeaufträge entzogen werden, deutet dies ebenfalls auf Unzufriedenheiten des Bauherrn hin.
Was tun?
Unternehmen können verschiedene Maßnahmen ergreifen, um den Ablauf und die Organisation auf der Baustelle zu verbessern. Dazu gehört eine realistische Angebotserstellung mit einem ausreichend großen Puffer unter Einbezug möglicher Risiken, die die Kosten in die Höhe treiben könnten. Auch die Nutzung eines digitalen Bautagebuchs verbessert die Struktur, weil in einem solchen Tool die täglichen Fortschritte nachvollziehbar und rechtssicher festgehalten werden können.
Jour-Fixe-Termine, bei denen alle Betroffenen regelmäßig für kurze Besprechungen zusammenkommen, sorgen zudem dafür, dass überall derselbe Kenntnisstand herrscht. Um Ressourcen effizient nutzen zu können, sollte darüber hinaus ein System zur Organisation von Werkzeugen und Materialien eingeführt werden. Unnötige Standzeiten und Verzögerungen aufgrund verspäteter Materialbeschaffungen werden so vermieden.
Um für zukünftige Planungen belastbare Daten zu haben, sollten Unternehmen außerdem moderne Systeme zur Zeiterfassung, im Idealfall mit GPS, nutzen. Auch für die Kommunikation sollten ausschließlich professionelle Tools, nicht aber WhatsApp, verwendet werden. Besonders empfehlenswert sind hierfür spezielle Kommunikationsplattformen.
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Der Autor ist Geschäftsführer der Matthias Niehaus GmbH. Mit seiner eigenen Erfahrung als Handwerksunternehmer hilft er Betrieben, ihre Prozesse zu automatisieren.