Fred Cordes hat zum 1. Februar 2026 die Geschäftsführung der deutschen Wacker Neuson Vertriebsgesellschaft sowie die Leitung der neun Direktvertriebsmärkte in Europa übernommen. Im Interview verrät er, wie Wacker Neuson in den kommenden Monaten und Jahren im Markt auftreten will.
ABZ: Herr Cordes, Sie gehörten zuvor 30 Jahre der Zeppelin Unternehmensgruppe an, waren zuletzt Geschäftsführer (COO) der Zeppelin GmbH. Welche Erfahrungen werden Sie in Ihre neue Position mitnehmen?
Cordes: Ganz klar: Dass wir als Vertriebs-, Miet- und Serviceorganisation stets die Kundenorientierung im Fokus behalten und unsere Produkte und Dienstleistungen kompromisslos an Anforderungen und Kundenmehrwert ausrichten. Mit 30 sehr erfolgreichen Jahren in unserer Baumaschinenbranche nehme ich natürlich vieles an Erfahrungen mit und freue mich darauf, dies in meiner neuen Verantwortung einbringen zu können.
ABZ: Wie würden Sie den aktuellen Marktplatz in Deutschland und Europa für Wacker Neuson skizzieren?
Cordes: Als Marke Wacker Neuson wollen wir uns in der Baubranche wesentlich breiter aufstellen und unseren Bekanntheitsgrad, insbesondere mit einzelnen Produktgruppen, weiter erhöhen. Zusätzlich spielt die Marktentwicklung natürlich immer eine besonders wichtige Rolle.
Hier sehen wir – genauso wie alle führenden Institute und Verbände – eine leichte Erholung am Horizont von etwa drei bis fünf Prozent – wenn derzeit auch noch eher „homöopathisch.“
Die zögerlichen Maßnahmen oder der notwendige Bürokratieabbau sind Faktoren, die die Marktentwicklung hemmen. Der Wille ist schon da, etwas zu bewegen. Aber jetzt wirklich in eine Investitionsphase zu kommen, sodass Investitionsvertrauen zurückzukehrt, davon sind wir noch entfernt. Ich hoffe, dass sich da bald mehr Optimismus einstellt, sodass wir uns viel mehr auf unseren Baumaschinenmarkt, auf unsere Baubranche konzentrieren können.
Wir verfügen über einen guten Auftragsbestand, das gibt eine Menge Sicherheit und macht auch Platz für unsere Vorhaben. Angespannt bleibt die Marktsituation allemal, weil natürlich die Rahmenbedingungen nach wie vor sehr volatil sind.
Aber ansonsten bleibe ich doch optimistisch, auch wenn das wirtschaftliche Umfeld dieses Jahr noch nicht explodieren wird. Es ist genügend Platz im Wettbewerb, auch wenn ein gewisser Verdrängungswettbewerb stattfindet. Da wollen wir natürlich mit Qualität, Innovation und mit exzellentem Service punkten.
ABZ: Was sind aktuell die wichtigsten Marktplätze für Wacker Neuson?
Cordes: Derzeit sind für uns in den Direktvertriebsgesellschaften neben Deutschland die Schweiz, Österreich und Polen die größten Märkte. Ich war kürzlich bereits in Warschau und Wien, um mir vor Ort ein Bild zu machen. Allerdings wollen wir auch in den anderen zentraleuropäischen Märkten Tschechien, Slowakei, Ungarn, Belgien und den Niederlanden deutlich wachsen. Für uns im Direktvertrieb – also mit einer eigenen Vertriebs- und Serviceorganisation in diesen Märkten – bedeutet das vor allem eines: Kundennähe. Wir konzentrieren uns darauf, unsere Kunden bestmöglich zu unterstützen – mit der richtigen Beratung, umfassenden Services, unter anderem Mietlösungen, Gebrauchtmaschinen oder Finanzierungsangeboten – und mit Lösungen, die konkret auf die Anforderungen der Kunden zugeschnitten sind.
Darüber hinaus sind andere zentraleuropäische Länder, wie beispielsweise England, Frankreich oder Spanien große Märkte für Kompaktmaschinen sowie Verdichtungs- und Betontechnik, die durch unsere Händlerpartner bedient werden und sich vielversprechend entwickeln.
ABZ: Welche strategischen Ziele haben Sie sich kurzfristig gesetzt, welche mittelfristig?
Cordes: Mittelfristig wollen mit der Marke Wacker Neuson in der Baubranche in allen Segmenten, in denen wir vertreten sind, Marktführer sein. In einigen Domänen wie der Beton- und Verdichtungstechnik, mit Dumpern und Mobilbaggern unter elf Tonnen sind wir das bereits. In den anderen Produktlinien wie kompakten Radladern, Teleskop-Radladern, Teleskopladern sowie Minibaggern wollen wir unsere Marktanteile deutlich auf- und ausbauen.
Zeitgleich – und das tun wir unmittelbar – wollen wir die drei großen Themen, die unsere Branche beschäftigen, Digitalisierung, alternative Antriebskonzepte – ganz konkret unsere „zero emission-Linie“ – und das Fuhrparkmanagement mit Hilfe der Telematik, weiter ausbauen.
ABZ: Wie würden Sie Ihre Position gegenüber Wettbewerbern im Markt der Kompaktmaschinen beschreiben?
Cordes: Wir haben unglaubliche Möglichkeiten und werden diese nutzen. Von den Marktanforderungen unserer Kunden über die Entwicklung unserer Produkte in den eigenen Werken, Fertigung nach höchsten Qualitätsstandards bis zur Markteinführung durch unsere Vertriebs- Miet- und Serviceorganisation – alles aus einer Hand und unter dem Markennamen Wacker Neuson – das ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.
Die Produktpalette, die wir zur Verfügung haben, ist für mich tief beeindruckend. Allein 14 Modelle im Bereich der kompakten Radlader bis 1,2 Kubikmeter und 18 Modelle im Segment der Mini- und Kompaktbagger. Zusätzlich stellen wir noch in diesem Jahr Neuheiten im Bereich Mobil- und Kettenbagger bis 15 Tonnen Einsatzgewicht vor.
ABZ: Wie wollen Sie mehr Präsenz im Markt erreichen?
Cordes: Wir möchten in der Baubranche einfach noch bekannter werden und ich wünsche mir, dass unsere Kunden, wenn Sie einen Bedarf an Baggern, Radladern, Dumpern oder Teleskopladern haben, zuerst an Wacker Neuson denken. Genauso wie sie bei Stampfern und Rüttelplatten oder Grabenwalzen auch zuallererst Wacker Neuson auf dem Schirm haben. Dann haben wir viel geschafft und ich bin optimistisch, dass uns das gelingen wird. Wenn nicht morgen dann übermorgen.
ABZ: Was verstehen Sie unter digitalem Vertrieb?
Cordes: Ziel ist es, unseren Kunden alle Produkte und Dienstleistungen sowohl analog wie auch digital zur Verfügung zu stellen. Je nachdem wie es der Kunde bevorzugt. Dieser Kanal soll in Ergänzung und nicht als Substitution des klassischen Vertriebs- und Mietnetzes zur Verfügung stehen. Denn wir wollen es unseren Kunden überlassen, worüber sie sich zu welchem Zeitpunkt informieren möchten. Und wann immer sie Zeit und Lust dazu haben, sollen sie konfigurieren und bestellen können.
Selbstverständlich befinden wir uns im Investitionsgüterbereich und somit werden finale Kaufentscheidungen auch zukünftig mit der Fachberatung unserer Vertriebs- und Produktexperten stattfinden. Allerdings: Wenn sich der Kunde sicher ist, bereits gute Erfahrungen hat und das Produkt schon kennt, dann soll er es online unkompliziert, schnell und sicher abrufen können.
Hierfür gibt es übrigens eine perfekte Infrastruktur in unserem hochmodernen Logistikzentrum in Mülheim-Kärlich, das erst vor zwei Jahren eröffnet wurde und weltweit unser Service- und Händlernetz mit Ersatzeilen, Anbauteilen und Komponenten versorgt. Und das 24/7!
ABZ: Fachkräftemangel bleibt ein Problem, über das deutsche Unternehmen weiterhin klagen. Wie stellt sich die Situation für Wacker Neuson dar?
Cordes: Das Thema beschäftigt uns natürlich in Deutschland und Europa und in der Bau- und Baumaschinenbranche insbesondere seit Jahren intensiv. Allerdings würde ich hier gerne etwas differenzieren. Denn es geht ja letztendlich um die richtigen Mitarbeitenden. Das heißt, wir stellen hohe Anforderungen an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und wollen für unser Kunden auch einen hohen Qualitätsstandard gewährleisten. Und um diesen Standard zu erfüllen bzw. diesem stets gerecht zu werden, müssen wir heute und auch in Zukunft viel investieren.
Ich bin schon sehr stolz darauf, dass wir uns bei Wacker Neuson auf die Fahne geschrieben haben, unseren Nachwuchs größtenteils selbst auszubilden. Das tun wir mit aktuell 55 neuen Auszubildenden im Konzern und zirka 250 insgesamt in Deutschland und Österreich.
Gleichzeitig sehen wir den Fachkräftemangel auch aus einer technologischen Perspektive - viele unserer Kunden stehen vor der Herausforderung, mit weniger Personal produktiv arbeiten zu müssen.
ABZ: Wacker Neuson zählt zu den Vorreitern in der Entwicklung von Baumaschinen mit elektrischen Antrieben. Wie beurteilen Sie dieses Marktsegment aktuell?
Cordes: Wacker Neuson gehört ohne jeden Zweifel zu den Pionieren und Innovationsführern der Elektrifizierung in unsere Branche. Ich habe schon immer den Mut und die Konsequenz bewundert, mit der man in alternative Antriebstechnologien eingestiegen ist. Wacker Neuson verfügt über eine komplette elektrifizierte „zero emission“ Produktlinie, so umfassend wie sie kein anderer in der Branche anbietet.
Und selbstredend ist, dass man derzeit auf die gleichen Herausforderungen wie die Kfz-Industrie stößt. Nun möchte ich die Baumaschinenbranche nicht mit der Automobilindustrie vergleichen, aber die Herausforderungen der Energiewende im mobilen Sektor sind natürlich die gleichen.
Die Akzeptanz steigt langsam aber stetig und das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg auch im Sinne der stetigen Nachfrage unsere Kunden – besonders im urbanen Bereich – unterwegs sind. Und Dienstleistungen, wie die Logistik, Service und das Batteriemanagement öffnen neue Geschäftsfelder.
ABZ: Wacker Neuson stellt in diesen Tagen eine ganze Reihe neuer Produkte vor. Was wird es Neues geben?
Cordes: Wir haben in diesen Tagen eine große Markteinführung mit unsere neuen Minibaggern in der Zwei-Tonnen-Klasse, ET18, ET20 und ET25. Hier wurde darauf geachtet, bewährte Merkmale beizubehalten und natürlich trotzdem die Bagger auf ein ganz neues Level zu heben – das sind komplett neue Maschinen.
Wir haben auch zwei neue Produkte mit Akkuantrieb. Wichtig ist mir, dass es auch um Technologieführerschaft einzelner Produkte geht, aber besonders um den Mehrwert, den wir für unsere Kunden schaffen. Am Ende zählt, was beim Kunden ankommt – und genau daran messen wir uns jeden Tag.