Colmar/Frankreich (ABZ) | Die Liebherr France SAS hat an ihrem Entwicklungs- und Produktionsstandort im französischen Colmar einen neuen Prüfstand für Raupenbagger in Betrieb genommen. Nach Herstellerangaben beläuft sich die Investition auf knapp 2,5 Millionen Euro. Mit der Anlage sollen Konstruktionen von Raupenbaggern entwickelt und validiert sowie Belastungen aus dem Baustelleneinsatz unter kontrollierten Bedingungen simuliert werden. Zudem dient der Prüfstand laut Hersteller der Weiterentwicklung autonomer Maschinen.
Die Anlage wurde Anfang 2026 in Betrieb genommen und ist nach Herstellerangaben Bestandteil eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses zur Weiterentwicklung von Leistung und Robustheit der Raupenbagger. Durch die unmittelbare Nähe zu den Entwicklungsabteilungen sollen mögliche strukturelle Schwachstellen früh erkannt und die Zeit zwischen der Identifizierung eines Problems und der Umsetzung von Verbesserungen verkürzt werden.
Der Prüfstand ermöglicht nach Herstellerangaben eine beschleunigte Alterung der Maschinenkonstruktionen. Mit einem Beschleunigungsfaktor von 17 entspricht eine Teststunde 17 Stunden eines tatsächlichen Baustelleneinsatzes. Während der Versuche werden die Maschinen Vibrationen, Torsionen, Stößen und Biegungen ausgesetzt, um typische Belastungen auf Baustellen nachzubilden.
Die Prüfverfahren basieren laut Hersteller auf Daten, die bei Kunden im realen Einsatz und in unterschiedlichen Anwendungen erfasst wurden. Dadurch sollen sich strukturelle Entwicklungen reproduzierbar überprüfen lassen. Im Anschluss werden die Ergebnisse durch Feldtests ergänzt und validiert.
Der Prüfstand umfasst eine Fahrstrecke und einen Graben innerhalb einer geschlossenen Halle. Eine Betonwand mit sechs Meter hohen Schallschutzelementen dient nach Herstellerangaben dazu, die geltenden Lärmschutzvorgaben am Industriestandort einzuhalten.
Da sich die Prüfabläufe beliebig oft wiederholen lassen, sind die eingesetzten Raupenbagger für einen autonomen Betrieb ausgelegt. Nach Herstellerangaben unterstützt die Anlage damit die Entwicklung autonomer Maschinen. Der Prüfstand arbeitet ohne direkte Anwesenheit von Personal. Die Steuerung und Überwachung erfolgen aus einem externen Kontrollraum, während ein Kamerasystem eine kontinuierliche Sichtkontrolle ermöglicht.
Für die Sicherheit der Anlage kommen laut Hersteller verschiedene Systeme zum Einsatz. Dazu zählen physische Schutzeinrichtungen wie ein gesicherter Bereich und Torsysteme sowie elektrische und elektronische Komponenten, darunter Sensoren, Öffnungsmelder und Lasersensoren. Ergänzt werden diese durch IT-Systeme, unter anderem eine GPS-Ortung der Maschinen, die ein unbefugtes Verlassen des Geländes verhindern soll.
Das Projekt wurde nach Herstellerangaben von der technischen Leitung initiiert und von der Testabteilung betreut. Auf rund neun Monate Planungszeit folgten sieben Monate Bauzeit. Ein Großteil der mechanischen Stahlbaugruppen wurde dabei von den Produktionsteams am Standort Colmar selbst gefertigt.