Marco Maschke, Leiter Deutschlandbüro Komatsu Europe International N.V. im Gespräch mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga darüber, wie sich der Hersteller künftig im deutschen und weltweiten Wettbewerb positionieren will.
Herr Maschke, Komatsu ordnet sich selbst als zweitgrößten Baumaschinenhersteller der Welt ein. Welches sind die umsatzstärksten und wichtigsten Marktplätze für Komatsu weltweit?
Die größten und wichtigsten Märkte für Komatsu sind Nordamerika, Japan und Europa. Darüber hinaus spielen Australien, Südostasien, Lateinamerika sowie der Mittlere Osten eine bedeutende Rolle, insbesondere im Mining- und Infrastrukturbereich. Unsere globale Präsenz ermöglicht es uns, Kunden weltweit mit Produkten, Dienstleistungen und digitalen Lösungen zu unterstützen.
Welchen Stellenwert nimmt der Marktplatz Europa für Komatsu ein?
Europa ist für Komatsu einer der strategisch wichtigsten Märkte weltweit. Die Region zählt zu den größten Absatzmärkten für Bau- und Infrastrukturmaschinen und spielt gleichzeitig eine zentrale Rolle für die Entwicklung neuer Technologien, Produkte und Dienstleistungen. Komatsu ist hier nicht nur mit einem dichten Vertriebs- und Servicenetz vertreten, sondern auch mit eigenen Produktions- und Entwicklungsstandorten, darunter unser Werk in Hannover.
Rund 90 Prozent der in Europa produzierten Maschinen, werden auch hier abgesetzt. Darüber hinaus ist Europa für uns ein wichtiger Innovationstreiber. Themen wie Dekarbonisierung, Digitalisierung, Automatisierung und die Kreislaufwirtschaft gewinnen hier besonders stark an Bedeutung.
Welchen Stellenwert nimmt der Marktplatz Deutschland in Europa ein?
Deutschland nimmt für Komatsu innerhalb Europas eine Schlüsselrolle ein. Als größte Volkswirtschaft Europas und einer der wichtigsten Märkte für Bau-, Infrastruktur- und Industriemaschinen ist Deutschland für uns sowohl ein bedeutender Absatzmarkt als auch ein zentraler Produktions- und Entwicklungsstandort. Mit unserem traditionsreichen Werk in Hannover verfügt Komatsu über einen der wichtigsten Produktionsstandorte außerhalb Japans.
Von hier aus entwickeln und fertigen wir Maschinen für Kunden in Europa und darüber hinaus. Gleichzeitig profitieren wir von der engen Zusammenarbeit mit unseren Kunden, die uns wichtige Impulse für Innovationen in den Bereichen Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit liefern.
Ende März hatte Komatsu anlässlich der Vorstellung neuer Produkte und Lösungen im Werk Hannover mitgeteilt, dass die Gesamt-Nachfrage nach Baumaschinen in Europa im Jahr 2025 gegenüber 2023 deutlich nachgelassen hat. Was sind die Gründe dafür?
Die Nachfrage nach Baumaschinen in Europa hat sich seit dem Rekordniveau der Jahre 2022 und 2023 abgeschwächt.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen haben die hohen Zinsen in vielen europäischen Ländern dazu geführt, dass Bau- und Infrastrukturprojekte verschoben oder langsamer umgesetzt wurden. Zum anderen haben die wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Baukosten die Nachfrage belastet.
Gleichzeitig beobachten wir, dass Kunden ihre Investitionen sorgfältiger planen und die Auslastung bestehender Maschinenflotten stärker optimieren, bevor neue Maschinen angeschafft werden. Die langfristigen Perspektiven in Europa bleiben aufgrund des hohen Infrastrukturbedarfs und der laufenden Transformation der Bauwirtschaft jedoch positiv.
Sie sprachen im März von herausfordernden Marktbedingungen in Europa, der Nachfragerückgang habe die Talsohle in 2025 durchschritten. Wie würden Sie die Situation aktuell in Europa und in Deutschland beschreiben?
Der Markt liegt zwar noch unter dem Niveau früherer Rekordjahre, zeigt aber zunehmend Stabilisierungstendenzen. Langfristig sorgen der hohe Infrastrukturbedarf, Investitionen in die Energiewende und die Modernisierung der Bauwirtschaft für positive Perspektiven.
Komatsu bietet als Vollsortimenter sämtliche Produkte von der Kompaktmaschine bis hin zum großen Mining-Bagger mit 800 Tonnen Einsatzgewicht an. Welche Baumaschinen werden von Kunden am stärksten nachgefragt?
Die Nachfrage unterscheidet sich je nach Region und Anwendungsbereich. Weltweit zählen Hydraulikbagger zur volumenstärksten Produktgruppe. In Europa dominieren vor allem Maschinen für den allgemeinen Bau-, Infrastruktur- und Recyclingbereich. Hier werden insbesondere Kurzheck- und Kettenbagger, Mobilbagger, Radlader sowie Maschinen der Kompaktklasse stark nachgefragt. Gleichzeitig gewinnen emissionsarme und digital unterstützte Maschinenlösungen zunehmend an Bedeutung, da Kunden verstärkt auf Effizienz, Nachhaltigkeit und Produktivität achten.In Deutschland beobachten wir eine besonders hohe Nachfrage nach mittelgroßen Hydraulikbaggern, Radladern und Kompaktmaschinen.
Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Baumaschinen mit alternativen Antriebsmöglichkeiten weltweit, in Europa und in Deutschland?
Die Nachfrage nach Baumaschinen mit alternativen Antrieben steigt. Während batterieelektrische Maschinen vor allem im Kompaktsegment zunehmend nachgefragt werden, denken wir, dass be chiedene Technologien – von effizienten Dieselmotoren über Hybridlösungen bis hin zu Wasserstoffantrieben – parallel zum Einsatz kommen. Verbände und Experten bemängeln die schleppende Freigabe von Mitteln des Sondervermögens im Bau in Deutschland.
Können Sie als Hersteller einen Effekt des Sondervermögens auf Baumaschinenverkäufe wahrnehmen?
Wir erwarten, dass sich die Investitionen zunehmend positiv auf die Bauaktivität und damit auf den Bedarf an Baumaschinen auswirken werden. Entscheidend ist, wie schnell die Mittel in konkrete Bauprojekte fließen. Zwischen politischen Entscheidungen, der Mittelbereitstellung, der Genehmigung von Projekten und dem tatsächlichen Baubeginn liegt in der Regel ein gewisser zeitlicher Vorlauf.
Sie benannten die Effizienzsteigerungen durch die Anwendung von künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und Elektrifizierung als Zukunftsfelder für Komatsu. Was ist damit genau gemeint?
Im Bereich der Digitalisierung arbeiten wir an der Vernetzung von Maschinen, Baustellen und Prozessen. Im Bereich der Automatisierung und künstlichen Intelligenz entwickeln wir Lösungen, die den Fahrer unterstützen und Arbeitsabläufe effizienter gestalten. Dazu zählen intelligente Maschinensteuerungen, Assistenzsysteme, teilautomatisierte Arbeitsprozesse sowie autonome und ferngesteuerte Maschinen für bestimmte Anwendungen.
Ein weiteres wichtiges Zukunftsfeld ist die Elektrifizierung und Dekarbonisierung von Baumaschinen. Hier arbeiten wir an batterieelektrischen Maschinen, alternativen Antriebskonzepten sowie an Technologien zur Verringerung von Emissionen und Energieverbrauch.
Was sind für Sie die größten Herausforderungen, den Einsatz digitaler Technologien auf der Baustelle voranzutreiben?
Viele Baustellen arbeiten mit unterschiedlichen Maschinen, Softwarelösungen und Datenquellen verschiedener Hersteller und Anbieter. Eine wichtige Aufgabe besteht deshalb darin, digitale Systeme möglichst einfach, kompatibel und anwenderfreundlich zu gestalten, damit Daten reibungslos ausgetauscht und genutzt werden können.
Komatsu hatte sich zur bauma 2025 große Ziele gesetzt – bis 2050 will das Unternehmen als Hersteller komplett klimaneutral sein. Halten Sie an dem Ziel angesichts der geopolitischen Entwicklungen der letzten zwei Jahre weiter fest?
Ja, an diesem Ziel halten wir weiterhin fest. Nachhaltigkeit und die Reduzierung von CO₂-Emissionen sind für Komatsu langfristige strategische Ziele.
Was sind die Ziele von Komatsu für die kommenden zwei Jahre?
Unsere Ziele für die kommenden zwei Jahre lassen sich in drei zentrale Bereiche zusammenfassen: die Stärkung unserer Marktposition, die Weiterentwicklung nachhaltiger und digitaler Technologien sowie die konsequente Ausrichtung auf die Bedürfnisse unserer Kunden. In Europa und Deutschland liegt der Fokus zusätzlich auf der Unterstützung unserer Kunden bei der Modernisierung von Infrastruktur, der Energiewende und der Einführung effizienterer Baustellenprozesse.