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Stadt Berlin stellt Signale für Holz auf Grün

Von ABZ
Fachdialog Nachhaltiger Holzbau
Prof. Tom Kaden, TU Graz/Kaden und Lager GmbH (l.), im Gespräch mit Architekt Stefan Schautes, Prokurist der Howoge Wohnungsbaugesellschaft mbH Berlin. | Foto: Kollaxo

Berlin (ABZ). – Impulse für die Verwendung des nachwachsenden Baustoffs Holz in der Hauptstadt gaben die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und der Gesamtverband Deutscher Holzhandel e. V. (GD Holz) kürzlich auf dem dritten gemeinsamen Fachdialog zum Nachhaltigen Holzbau. Der urbane Holzbau sei inzwischen akzeptiert und entfalte landesweit eine hohe Dynamik, teilt der GD Holz als Branchenverband des deutschen Holzfachhandels mit ca. 900 Mitgliedsunternehmen mit. Bis vor drei Jahren sei Holz bei öffentlichen Baumaßnahmen in Berlin nicht eingesetzt worden. Nun wolle Berlin ein Vorreiter des nachhaltigen Bauens in Deutschland werden. Die Landesregierung von Berlin wolle den nachwachsenden Baustoff Holz verstärkt bei der Errichtung von öffentlichen und privaten Gebäuden einsetzen. Die Stadt habe baurechtliche Hemmnisse entfernt und ehrgeizige Umweltziele für den Gebäudebereich ausgegeben, freut sich der GD Holz: "Die Signale für Holz stehen auf Grün", heißt es in einer Pressemitteilung. Wie zuvor nur Baden-Württemberg und Hamburg habe Berlin seit 2018 eine holzbaufreundliche Bauordnung. Auf dieser Basis habe sich das Berliner Landesparlament in diesem Jahr für die Förderung des urbanen Holzbaus unter Nachhaltigkeitskriterien entschieden. Der Berliner Senat wolle zudem die Stadt bis zum Jahr 2050 zu einer klimaneutralen Stadt entwickeln und die Kohlendioxidemissionen um mindestens 85 % bezogen auf das Basisjahr 1990 reduzieren.

Architekt Stefan Schautes, Prokurist der Howoge Wohnungsbaugesellschaft mbH Berlin, informierte die knapp 140 Teilnehmer des 3. Fachdialogs "Nachhaltiger Holzbau" über das Ziel Berlins, jährlich 6000 Wohneinheiten fertigzustellen. Das Bauen mit Holz sei zwar nicht preisgünstiger, jedenfalls was die anfänglichen Investitionskosten betrifft, bewähre sich aber durch die schnelle Ausführung dank hoher Vorfertigung, durch effiziente Wohngrundrisse mit schlanken (Außen-)Wänden, durch ein hochwertiges Wohnklima und durch die leichte Um- und Rückbaubarkeit in späteren Jahren. Die konstruktiven Stärken und wirtschaftlichen Grenzen des urbanen Holzbaus zeigte Prof. Tom Kaden, Kaden und Lager GmbH, der an der TU Graz lehrt, auf. Obgleich sein zehngeschossiges Wohnhaus Skaio in Heilbronn mit 34 m Höhe seit April das höchste Haus Deutschlands in Holzbauweise darstellt, postulierte Kaden: "Die Zeit der Leuchtturmprojekte muss endlich vorbei sein." Mit systemischer Wiederholung werde der Holzbau preiswerter und erobere die Breite des Marktes. Prof. Eike Roswag-Klinge, ZRS Architekten GvA mbH, stellte die Ergebnisse einer Marktstudie vor, welche die Senatsumweltverwaltung und der Landesbeirat Holz Berlin/Brandenburg zum nachhaltigen Bauen mit Holz im Ballungsraum Berlin in Auftrag gegeben hatte. 59 Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum hatten daran teilgenommen. Als größtes Hemmnis, für die öffentliche Hand zu arbeiten, nannten die Firmen den hohen Aufwand zur Teilnahme am Vergabeverfahren. Bei Wohnungsbauunternehmen bemängelten sie vor allem die fehlende Bereitschaft und Nachfrage zur Aufstockung in Holzbauweise.

Prof. Roswag-Klinge appellierte, möglichst wenig Anbieter von vornherein auszugrenzen. Die Volumina der Ausschreibungen sollten möglichst an die Leistungsfähigkeit der regionalen Betriebe angepasst werden, die meist mit höchstens 50 Mitarbeitern max. 10 Mio. Euro Jahresumsatz realisierten. Daraus könne sich ein starkes Wirtschaftscluster aus Handel, Handwerk und Industrie entwickeln. Außerdem solle bei Großprojekten ein Architekturwettbewerb vorgeschaltet werden.

Steht überhaupt genug Holz dem Baumarkt zur Verfügung? Diese Frage bejahte Ulrich Bick vom Thünen Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie (Hamburg). "Das Nachhaltigkeitsprinzip im Wald ist hierzulande nach wie vor gewahrt, und aus den vorhandenen Potenzialen ergeben sich insgesamt keine Einschränkungen für den Holzbau", so der Wissenschaftler. Er verwies darauf, dass der Holzhandel mit einer Handelsmenge von 1,94 Mrd. m² Rohholzäquivalenten heute global organisiert sei und regionale Knappheiten – etwa beim Nadelholz – durch Einfuhren abgemildert werden. Durch die Europäische Holzhandelsverordnung und die Nachprüfbarkeit der Herkunft durch Zertifizierungssysteme und Einzelnachweise könnten deutsche Auftraggeber die Legalität und Nachhaltigkeit des eingesetzten Holzes sicher kontrollieren.

"Förderinstrumente für den Holzbau – Best practice-Beispiele" stellte Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer des Deutschen Holzwirtschaftsrates (DHWR) und Vorsitzender des Landesbeirats Holz Berlin-Brandenburg vor. Er benannte die Kategorien von Fördermaßnahmen und stellte nationale und internationale Programme vor. In Schweden etwa bewirkten staatliche Fördermaßnahmen einen rasanten Anstieg der Marktanteile zwischen 2000 und 2017: bspw. von 1 auf 21 % bei mehrgeschossigen Wohnbauten und von 5 auf 40 % bei Hallen. Das politische Statement wirkte "marktaktivierend" und nachhaltig. "Der Holzbau benötigt die Unterstützung der Politik auch in Berlin und Brandenburg", so Ohnesorge. Die noch "unterdurchschnittliche Holzbaustruktur" könne durch ein Clustermanagement, durch eine ländergreifende Strategie für Berlin und Brandenburg und Förderkonzepte gezielt entwickelt werden.

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