Michael Budde, Vorsitzender des Bereichsvorstands von Bosch Power Tools, erläutert im Austausch mit ABZ-Redakteurin Cornelia Rachow unter anderem, was sich für die Anwender künftig auf der Baustelle oder in der Werkstatt ändert.
ABZ: Herr Budde, Bosch Power Tools hat in den vergangenen Jahren massiv restrukturiert – was war aus Ihrer Sicht der prägendste Einschnitt, und wo sehen Sie heute den größten Hebel für Wachstum?
Budde: Es stimmt, dass die wirtschaftliche Lage in den vergangenen Jahren schwierig war. Eine schwache Nachfrage und steigender Kostendruck haben uns gezwungen tiefgreifende und leider auch schmerzhafte Entscheidungen zu treffen und unter anderem die Fertigung unserer Produkte an weniger und kosteneffizienteren Standorten zu konzentrieren. Das waren notwendige Maßnahmen, um Bosch Power Tools als Ganzes zu stärken und zukunftsfähig aufzustellen. Diese Neuausrichtung schafft den Spielraum, um gezielter in die entscheidenden Wachstumsfelder zu investieren.
Unser größter Hebel im Bereich für professionelle Anwendungen ist der konsequente Ausbau unserer Akkuplattform, dem „Professional 18V System“. Ein wichtiger strategischer Fokus hier ist unsere neue Top-Leistungsklasse „Expert“. Was als Erfolgsgeschichte im Zubehörbereich begann, übertragen wir seit diesem Jahr konsequent auf unsere leistungsstärksten Elektrowerkzeuge und Messgeräte. Mit der EXPERT EXSA18V-32 haben wir bereits im Januar die weltweit erste Akku-Säbelsäge mit KickBack Control auf den Markt gebracht und der EXPERT EXTH18V-50M ist der weltweit erste Akku-Klammerer, der die volle Power eines Druckluftgeräts liefert, ganz ohne Kompressoren, Schläuche oder Gaskartuschen. Seit Mai stehen bereits die nächsten Expert-Highlights in den Regalen der Händler, zum Beispiel der leistungsstarke Akku-Winkelschleifer EXPERT EXWS18V2-230P, der eine beeindruckende Leistung abliefert, die kabelgebundenen 2.700 Watt entsprechen. Neben dem Aufbau unser Top-Leistungsklasse „Expert“ und dem konsequenten Ausbau unserer 18V-Akku-Plattform investieren wir in weitere wichtige Wachstumsbereiche, wie etwa unsere Handwerkzeuge für Profis und Heimwerker.
ABZ: Sie kommen aus der Mobility Electronics – was nehmen Sie aus einem technologiegetriebenen Bereich mit in ein Geschäft, das stark produkt- und anwendernah ist?
Budde:Die Bereiche Mobility Electronics und Power Tools sind sich ähnlicher, als man auf den ersten Blick denkt. Bosch Power Tools selbst ist seit jeher ein Innovationstreiber – vom ersten Akkubohrhammer der Welt bis hin zu den ersten kabellosen Elektrowerkzeugen mit Lithium-Ionen-Technologie. Heute findet diese Innovationskraft ihre Fortsetzung in hochmoderner Sensorik. Wir integrieren zum Beispiel MEMS-Sensoren – eine Kerntechnologie aus meinem vorherigen Verantwortungsbereich – in unsere Geräte. In beiden Welten geht es also darum komplexe Technologien in zuverlässige und nutzerfreundliche Produkte zu übersetzen. Meine Kompetenz besteht darin, diese Komponenten zu einem intelligenten Gesamtsystem zu integrieren, das den Marktbegleitern überlegen ist. Daran möchte ich mit dem starken Team bei Bosch Power Tools anknüpfen. Die außergewöhnliche Nähe zu unseren Verwendern ist dabei ein wesentlicher Vorteil.
ABZ: Bei den Experience Days wurde deutlich, wie stark Bosch in Systemlösungen und vernetzte Anwendungen investiert. Wo sehen Sie hier aktuell die größte Dynamik?
Budde: Die größte Dynamik liegt in dem Systemgedanken, den wir konsequent verfolgen: Wir denken nicht nur in einzelnen Produkten, sondern in kompletten Lösungen.
Fundament und Basis ist unsere 18-Volt-Akkuplattform, die wir mit der „AmpShare Akku-Allianz“ auch für Marken anderer Hersteller geöffnet haben. Für den Profi bedeutet das: ein Akku für eine riesige Bandbreite an Elektrowerkzeugen, was Zeit, Geld und Platz spart. Gleichzeitig werden diese Systeme so leistungsstark, dass sie immer öfter auch kabelbetriebene Geräte ersetzen.
Darüber hinaus umfasst der Systemgedanke den gesamten Workflow. Ein Werkzeug entfaltet sein volles Potenzial erst im Zusammenspiel mit dem passenden Zubehör. Deshalb entwickeln wir Werkzeuge und Zubehör konsequent aufeinander abgestimmt. Unsere Philosophie ist: Wir entwickeln nicht nur eine herausragende Stichsäge, sondern das dazu passende, herausragende Sägeblatt gleich mit. Auch unsere Transport- und Aufbewahrungslösungen wie die L-BOXX oder die neue L-BOXX Contractor tragen dazu bei, Abläufe effizienter und strukturierter zu gestalten. Abgerundet wird unser Systemanspruch durch einen starken Kundendienst: Weltweit hält Bosch Power Tools Ersatzteile in der Regel bis zu zehn Jahre vor. Mit über 40.000 verfügbaren Ersatzteilen, einem globalen Netzwerk aus mehr als 30 eigenen Servicezentren und über 2.000 Servicepartnern stellen wir eine schnelle und kompetente Reparatur sicher.
Ein weiteres Zukunftsfeld mit hoher Dynamik sind Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Sie werden das Handwerk in den kommenden Jahren spürbar prägen und Profis gezielt im Arbeitsalltag unterstützen. Vor allem administrative und organisatorische Aufgaben lassen sich dadurch deutlich vereinfachen – etwa in der Dokumentation, der Inventarverwaltung, der Personalplanung oder im Gerätemanagement. Das entlastet und schafft mehr Zeit für die eigentliche handwerkliche Tätigkeit. Gleichzeitig eröffnen sich neue Möglichkeiten, Werkzeuge, Zubehör und Daten intelligent miteinander zu vernetzen und Prozesse ganzheitlich zu optimieren.
ABZ: Bosch spricht von globalem Wachstum bei gleichzeitigem Kostendruck – wie lässt sich diese Balance konkret im Produkt- und Portfolio-Management umsetzen?
Budde: Diese Balance ist in der Tat eine der zentralen Herausforderungen. Konkret bedeutet das, dass wir uns einerseits noch konsequenter auf die Themen mit dem größten Nutzen für den Anwender fokussieren – etwa durch den gezielten Ausbau unserer Akku-Plattformen. Darüber hinaus nutzen wir unsere globale Aufstellung deutlich stärker als früher und denken Produkte von Beginn an global, um Skaleneffekte, Qualität und größtmögliche Effizienz sicherzustellen. Gleichzeitig beziehen wir die lokalen Anforderungen der einzelnen Märkte frühzeitig und systematisch in den Entwicklungsprozess ein. Das Zusammenspiel aus einem ganzheitlichen Marktverständnis und globaler Entwicklungslogik ermöglicht es uns, Lösungen zu schaffen, die weltweit funktionieren und gleichzeitig relevante Unterschiede in der Anwendung berücksichtigen. So bleiben wir wettbewerbsfähig, effizient und gleichzeitig nah an den Verwendern – unabhängig davon, in welchem Markt sie arbeiten.
ABZ: Was wird sich für den Anwender ganz konkret ändern – nicht strategisch gedacht, sondern auf der Baustelle oder in der Werkstatt?
Budde: Die Arbeit auf der Baustelle und in der Werkstatt wird künftig stärker vernetzt sein. Für den Verwender heißt das vor allem: weniger Unterbrechungen, noch mehr Effizienz. Grundlage dafür ist die fortschreitende Akku-Revolution, bei der wir eine Vorreiterrolle einnehmen. So waren wir der erste Anbieter weltweit, der die Vorteile des sogenannten Tabless-Designs von Akku-Zellen in 18-Volt-Akkus für kabellose Elektrowerkzeuge nutzbar gemacht hat – konkret im ProCORE18V+ mit 8,0 Ah. Auch mit unseren neuen Expert 18V Hochleistungs-Akkus setzen wir erneut Maßstäbe: beim EXBA18V-40 erreichen wir bis zu 2.000 Watt und konnten die temporäre Maximalleistung im Vergleich zu vorherigen Modellen verdoppeln. Die Akkus EXBA18V-80 und EXBA18V-150 liefern sogar bis zu 2.400 Watt. Für Profis auf der Baustelle ist das keine abstrakte Technik, sondern ein konkreter Vorteil – besonders bei anspruchsvollen Anwendungen. Solche Entwicklungen ermöglichen es uns, leistungsstärkere kabellose Geräte zu entwickeln, die kabelgebundene Werkzeuge ersetzen. Darüber hinaus arbeiten wir kontinuierlich an innovativem Zubehör für schnelleres und effizienteres Arbeiten und an Staublösungen, die den Anwenderschutz auf der Baustelle weiter verbessern. Ein Beispiel ist der SDS Clean max-8X Hammerbohrer, der direkt beim Bohren den schädlichen Staub abführt. Für den Verwender bedeutet das weniger Komplexität und mehr Komfort durch integrierte Akku-, Werkzeug- und Zubehörsysteme und in vielen Fällen auch niedrigere Gesamtkosten.