Gelsenkirchen (ABZ). – Die Stadt Gelsenkirchen hat 2024 zwei Grundschul-Erweiterungsbauten mit dem neuen ProCOMFORT-System von Fagsi realisiert. Die modularen Gebäude entstanden in nur zehn Monaten und bieten zusammen Platz für rund 200 Grundschulkinder..
Der Investitionsstau bei Bildungsbauten in Deutschland liegt laut KfW-Kommunalpanel 2024 bei rund 55 Milliarden Euro, davon entfallen 42,8 Milliarden Euro auf Schulen. Veraltete Gebäude, mehr Schüler, Ganztagsanspruch, Digitalisierung und neue Auflagen treffen auf Personalmangel, hohe Baukosten und langwierige Verfahren.
Gelsenkirchen reagiert mit einer Schulbauoffensive auf steigende Schülerzahlen und sanierungsbedürftige Gebäude. "Bildung ist die Grundlage für die Zukunft unserer Stadt", betont Oberbürgermeisterin Karin Welge. Bei der Realisierung von Bildungsbauten rücken vermehrt modulare Bauweisen in den Fokus: Sie sind schnell realisierbar, hochwertig, bei Bedarf rückbaubar und an anderer Stelle wieder nutzbar.
Die ggw GmbH, eine Tochter der Stadt Gelsenkirchen, beauftragte im Auftrag der Gelsenkirchener Entwicklungsgesellschaft mbH zwei Erweiterungsbauten mit dem ProCOMFORT-System von Fagsi. An der Turmschule entstand ein zweigeschossiger Bau mit rund 800 m² BGF aus 18 vorgefertigten ProCOMFORT-Modulen, an der Mechtenbergschule eine eingeschossige Lösung mit rund 600 m² aus 14 Modulen.
Die Projektsteuerung übernahm das Ingenieurbüro Baubetreuung Schäf GmbH (BBS). Es verantwortete auch die Entwurfsplanung auf Grundlage eines "Raumbuchs" der Stadt Gelsenkirchen. Gefordert waren klassische Flurschulen – besondere pädagogische Konzepte wie Cluster- oder Lernlandschaften waren nicht Bestandteil der Ausschreibung.
Den Zuschlag in einem beschränkten Verfahren mit Teilnahmewettbewerb erhielt Fagsi. Das Unternehmen übernahm auch die Ausführungsplanung und unterstützte die Genehmigungsverfahren. Erdarbeiten, Fundamente und Teile der Außenanlagen wurden ebenfalls von Fagsi koordiniert.
"Der Bau der Gebäude erfolgte während des laufenden Schulbetriebs, was insbesondere an der Schonnebecker Straße, wo das Baufeld im Schulhof der Bestandsschule lag, hohe Anforderungen an Sicherheit und Logistik stellte", berichtet Philip Hombach, Projektverantwortlicher bei Fagsi. Zwei Spezial-Kräne und mehrere Transportfahrzeuge waren erforderlich, um die Module auf engstem Raum zu montieren.
Das ProCOMFORT-System erfüllt laut Hersteller die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes für dauerhafte Bauten und bietet F30-Brandschutz. Da zum Zeitpunkt der Planung noch keine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung vorlag, musste für beide Vorhaben eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung beantragt werden. Diese ermöglicht es Bauherren, Gebäude auch mit ungeregelten Bauprodukten zu realisieren. Die Module verfügen über hochgedämmte Putzfassaden und biodiversitätsfördernde Gründächer mit PV-Anlagen. In jedem Klassenraum wurden dezentrale Lüftungsgeräte verbaut – eine spezifische Anforderung der Stadt, die aufgrund der Modulhöhe nur mit sichtbaren Geräten realisiert werden konnte.
Die steckerfertige Elektroinstallation mit vorkonfektionierten Leuchten wurde in sichtbaren Kabelkanälen verlegt, die Versorgungsleitungen der Fußbodenheizungen auf Wärmepumpen-Basis in demontierbaren Sockelleisten. Alle Montagepunkte für die technischen Anschlüsse wurden bereits in der Planungsphase integriert.
Das Gebäude an der Schonnebecker Straße muss nach fünf Jahren wieder weichen, da es auf dem Schulhof der Bestandsschule errichtet wurde. An der Danziger Straße bleibt die neue Schule dauerhaft stehen. Beide Gebäude wurden von Beginn an auf spätere Demontage und Wiederverwendung ausgelegt.
"Die Zusammenarbeit mit der ggw GmbH und Fagsi war durchgehend kooperativ und konstruktiv, sodass wir mit beiden Gebäuden im Zeitplan bleiben und termingerecht übergeben konnten", berichtet Guido Molitor, Geschäftsführer von BBS. Das war besonders wichtig für die Schule an der Schonnebecker Straße – sie musste pünktlich zu Beginn des Schuljahrs 2024/2025 nutzbar sein.
Mit dem ProCOMFORT-System überträgt Fagsi laut eigenen Angaben den Ansatz des nachhaltigen, kreislaufgerechten Container-Baus auf die hochwertige Modulbauweise. Die hohen Anforderungen an dauerhafte Gebäude werden mit der Flexibilität eines Bausystems für temporären Einsatz kombiniert.
Lösbare Verbindungen wie das Verschrauben der Module, Stecksysteme bei der Elektrik und ein hoher Vorfertigungsgrad unterstützen den Ansatz der Kreislaufwirtschaft. Die Plug-and-Play-Systeme wurden mit Partnern wie Wago für Elektroinstallationen, Hager für Brüstungskanäle, Maincor für Fußbodenheizung und Rehau für modulare Sanitärinstallationen entwickelt.
Zusammen mit einem dritten Projekt in Alho-Modulbauweise entstanden in kürzester Zeit 18 neue Klassenräume in Gelsenkirchen. "Das entspricht in Summe der Errichtung einer vierzügigen Grundschule und ist darum für die Stadt ein sehr wichtiges Projekt", erklärt Harald Förster, Geschäftsführer der ggw GmbH. "Die schnelle Fertigstellung dieser modernen Schulgebäude ist ein weiteres positives Ergebnis unseres straffen Plans", zeigt sich Oberbürgermeisterin Karin Welge zufrieden. "Neue Bildungsplätze sind elementar: Wir wollen in Gelsenkirchen eine moderne Lehr- und Lernumgebung schaffen und dabei keine Zeit verlieren."