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Mit klimapositivem Bauteil auf dem neuen Weg zur Dekarbonisierung

Die Holz-Lehm-Massivdecke von Leipfinger-Bader kombiniert Holz und Lehm zu einem nachhaltigen Bausystem mit minimalem CO2-Ausstoß und hohem Schallschutz.

Von ABZ
Holz-Lehm-Massivdecke
Julian Trummer entwickelte das Konzept der Holz-Lehm-Massivdecke als Student an der TU München und ist jetzt bei Leipfinger-Bader als Forschungs- und Entwicklungsingenieur tätig. | Foto: Thomas Straub

Vatersdorf (ABZ). – Die Holz-Lehm-Massivdecke vereint die Vorteile von Holz und Lehm zu einem nachhaltigen und effizienten Bausystem.

Entwickelt bei Leipfinger-Bader kombiniert das Bauteil nach Herstellerangaben die Biegezugfestigkeit von Holz mit den schallschützenden, brandschützenden und temperaturregulierenden Eigenschaften von Lehm zu einem rezyklierbaren Bauteil mit minimalem CO2-Ausstoß in der Herstellung.

Die Bauindustrie steht vor der Herausforderung, Lösungen zu entwickeln, welche den ökologischen Fußabdruck von Gebäuden reduzieren. Die von Leipfinger-Bader entwickelte Holz-Lehm-Massivdecke besteht aus einer tragenden Balkenstruktur, die mit Lehm mit einer Rohdichte von 2,2 kg/dm³ ausgegossen wird.

Laut Hersteller übernimmt das Holz zu 100 % die Tragfunktion, wodurch die statische Dimensionierung innerhalb der Regeln des klassischen Holzbaus erfolgen kann.

Mit einem Flächengewicht von mehr als 250 kg/m² bietet das System einen hohen Schallschutz. Gleichzeitig schützt der Lehm die Tragstruktur vor Feuer. Als Entwicklungsziel wird REI90 angestrebt, was in diesem Jahr durch Brandversuche nachgewiesen werden soll.

Der Hersteller plant, das Bauteil mittelfristig in einem vollautomatisierten Prozess herzustellen, um Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten und es der breiten Baupraxis zugänglich zu machen.

Im Vergleich zu Stahlbetondecken wird durch die Verwendung von Holz und Lehm der CO2-Ausstoß bei der Herstellung erheblich reduziert. Während Holz als Kohlenstoffspeicher fungiert, trägt Lehm aufgrund seiner geringen Verarbeitungsenergie und Wiederverwendbarkeit zur Minimierung der Umweltbelastung bei. Diese Kombination führt nach Herstellerangaben zu einer positiven Klimabilanz.

Die thermische Masse des Lehms sorgt dafür, dass die CO2-Einsparungen aus der Bauphase nicht durch erhöhten Energiebedarf in der Nutzungsphase kompensiert werden. Nach der Nutzungsphase können alle Komponenten getrennt und wiederverwendet beziehungsweise weiterverwertet werden.

Leipfinger-Bader setzt bereits heute auf Filterschlämme aus Kieswerken als Basis des Lehmgemisches und plant, die Sand- und Kiesanteile künftig durch Beton- und Ziegelbruch zu ersetzen, um den Rezyklatanteil zu erhöhen.

Der Gießprozess wird durch Fließmittel aus der Lebensmittelindustrie ermöglicht und ersetzt das zeit- und kostenintensive Stampfen. Dadurch können ähnliche Materialeigenschaften wie bei Stampflehm zu geringeren Kosten erreicht werden – ohne Beeinträchtigung des CO2-Fußabdrucks, der Möglichkeit zum erneuten Verflüssigen oder der toxikologischen Unbedenklichkeit des Materials.

Das erste Anwendungsbeispiel der Holz-Lehm Massivdecke ist der Neubau des Bürogebäudes für den Verband für Ländliche Entwicklung in Tirschenreuth. Hier wurden 650 m² Holz-Lehm-Decken- und Dachelemente eingesetzt, die bei Leipfinger-Bader in Pfeffenhausen vorgefertigt und just-in-time geliefert wurden. Die Oberflächen blieben unbehandelt und zeigen ihre natürliche Materialität im Innenraum.

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