Tessenderlo/Belgien. – Zur bauma hatte Hyundai CE Raupenbagger vorgestellt, die eine neue Generation von Baumaschinen bei dem koreanischen Hersteller begründen sollen. Mitten im Oktober sind nun die ersten Seriengeräte HX360 und HX400 im belgischen Standort des Unternehmens eingetroffen – Anlass genug für Hyundai CE, die Baumaschinen ausgewählten Fachjournalisten und Kunden vorzustellen. Die ABZ war dabei.
Im belgischen Tessenderlo werden für Hyundai CE die Weichen für das künftige Geschäft in Europa gestellt – hier befindet sich die europäische Zentrale des Unternehmens. Auf einer Fläche von rund 81.000 Quadratmetern sind nicht nur Bereiche wie Verwaltung, Support und Vertrieb angesiedelt, auch ein Schulungs- und Ausbildungszentrum, ein Auslieferungslager, eine Werkstatt und ein Showroom wurden hier untergebracht.
Vor Kurzem sind dort nun die ersten Seriengeräte der neusten Generation an Raupenbaggern eingetroffen, Hyundai CE hatte die neuen Raupenbagger zur diesjährigen bauma vorgestellt. Ausgewählten Fachjournalisten und Kunden wurden die Maschinen nun vor Ort präsentiert – verbunden mit der Möglichkeit, diese auch live zu testen.
Die Modelle HX360L und HX400L markieren den Beginn einer kompletten Überarbeitung der Raupenbagger, teilt Hyundai CE zu den neuen Maschinen mit. Der Konzern will mit den von Grund auf neu konzipierten Baggern Maßstäbe setzen. Der 36 Tonnen schwere HX360L und der 40 Tonnen schwere HX400L werden vom Hyundai-eigenen DX08-Dieselmotor angetrieben und bieten etliche neue Features wie eine elektrohydraulische Steuerung (FEH), ein optionales Wiegesystem oder das intelligente Kamerasystem SAVM mit E-Stop. Auch die Wartungsintervalle für Motoröl und Filter konnten auf 1000 Stunden erweitert werden.
Die neue elektrohydraulische Steuerung FEH sendet beispielsweise ein elektrisches Signal an die Steuerventile der Hydraulik anstelle eines hydraulischen. Dieser Fortschritt begünstigt die schnellere und präzisere Bedienung der Hydraulikfunktionen von Bagger und Anbaugeräten. "Es gibt keinen Gegendruck oder Energieverlust, da der exakte Öldurchfluss und -druck bei Bedarf bereitgestellt wird, was zu einer Verbesserung der Kraftstoffeffizienz um bis zu 8 Prozent gegenüber hydraulischen Servohebeln führt", erläutert Maximilian Pauge, Regional Sales Manager bei Hyundai. Sowohl Bewegungsabläufe wie auch das Ansprechverhalten der Hydraulik lassen sich auf Fahrer, Material, Umgebung und Performance abstimmen. Zudem können Nutzer verschiedene Profile, wie etwa zu Geschwindigkeit oder Ansprechverhalten, abspeichern und auf Wunsch abrufen. "Dank FEH-Steuerung lassen sich die neuen Bagger mit einem Fußpedal fahren. Der linke oder rechte Joystick kann jeweils so programmiert werden, dass er die Maschine sowohl vorwärts als auch rückwärts lenkt. Ein optionaler digitaler Schlüssel erlaubt den schlüssellosen Zugang und das Starten des Baggers per Smartphone", führt Pauge aus.
Optional gibt es die Wiegefunktion für die beiden Bagger-Modelle. Diese Funktion berechnet das Material in der Schaufel und soll dem Fahrer die StVZO-gerechte Lkw-Beladung erleichtern. 2D-Maschinensteuerung und Maschinenführung werden per Joysticks gesteuert. Zu den Sicherheitsfeatures der Baggers zählt die "Virtual Wall". Mithilfe der Lösung können Decken-, Wand- und Bodenbegrenzungen dargestellt werden und so der zulässige Arbeitsberiech des Baggers simuliert und dargestellt werden. Dies soll speziell beim Abbruch und unter beengten Verhältnissen die Sicherheit verbessern.
Die Lift-Assist-Option zeigt dem Bediener beim Heben von Lasten die aktuelle Position des Schwerpunktes seines Baggers an. So kann er, optisch unterstützt, die Hubkräfte besser nutzen. Eine wichtige Funktion für den Leitungsbau, bei dem schwere Verbauelemente und Rohre geschwenkt und in Einbauposition gehoben werden müssen, informiert Hyundai. Advanced Lift Assist biete eine höhere Genauigkeit, da der Arbeitsbereich in acht statt in vier Bereiche unterteilt ist.
Verbesserte Bedienung
Die neue Kabine hat Hyundai nochmals deutlich komfortabler als zuvor gestaltet, heißt es – und die Bedienung aller Funktionen geht jetzt noch einfacher vonstatten – so das Versprechen des Unternehmens. Nun sind Ledersitze mit Heiz- und Kühlfunktionen erhältlich. Es stehen zwei 12,8-Zoll-große hochauflösende Monitore zur Verfügung. Elektrohydraulische Hebel- und Pedalsteuerungen gestatten, das Ansprechverhalten und die Geschwindigkeit jeder Hydraulikfunktion individuell einzustellen.
Zum Thema Sicherheit noch eine Ergänzung: Das AAVM (Advanced Around View Monitoring) wurde zu SAVM (Smart Around View Monitoring) weiterentwickelt. "Nun überwachen sechs anstelle von vier Kameras den Arbeitsraum. Mithilfe von KI erkennt das System automatisch Personen im Arbeitsbereich, wobei die Bilder auf den großen Monitoren in der Kabine angezeigt werden", erläutert Peter Sebold, verantwortlich für das Product Management bei Hyundai CE in Europa.
Außerdem gibt es ein Radar-Objektwarnsystem mit drei Weitwinkelradaren, die Personen und Objekte erkennen. Sobald ein Objekt erkannt wird, löst das System optische und akustische Warnungen aus. Die radargestützte Not-Aus-Funktion stoppt den Bagger wenn der Fahrer nicht auf die Warnungen reagiert. Eine Vier-Ecken-Kennleuchten-Anordnung soll zudem für maximale Sichtbarkeit der Maschine sorgen. Sechs LED-Arbeitsscheinwerfer, weißes Rauschen als Alarm, Kabinendachschutz, Kabinenbegrüßungsleuchten und ein externes Mikrofon, mit dem der Fahrer andere Arbeiter auf der Baustelle warnen kann, runden die Sicherheitsfeatures ab.
Fern-Management
Mit von der Partie ist auch das Maschinenpark-Fernmanagementsystem der Bezeichnung Hi-MATE. Dieses System erlaubt Nutzern, unabhängig vom jeweiligen Standort, einen Zugang zu relevanten Wartungs- und Diagnoseinformationen für alle Hyundai-Bagger und -Radlader. Die Lösung stellt Hyundai für die ersten fünf Jahren kostenfrei zur Verfügung. Hi-MATE liefert ausführliche Tagesberichte, die im Voraus darauf hinweisen können, wann Maschinen betankt werden müssen oder die nächste Wartung ansteht. Die Berichte enthalten Stundenzähler, die Motorbetriebsstunden, den verbleibenden Kraftstoff, die An- und Aus-Zeiten sowie den Standort der Maschine. Dieser kann auf einer digitalen Karte dargestellt werden. Prinzipiell werden per GPS-Satellitentechnik aktuelle Informationen zum Maschinenstandort, einschließlich Breitengrad, Längengrad, Land und Region dargelegt. Wenn eine Maschine an einen anderen Ort gebracht wird, können Nutzer den Standort im Menü "Maschinenbewegung" verfolgen.
Maschinenführer können darüber hinaus einen virtuellen geografischen Bereich programmieren, den die Maschine nicht verlassen darf. Bei eingerichtetem Geofencing wird das Maschinensymbol auf der Karte mit einem roten Kreis versehen. Wird die Maschine über die Grenzen des Geo-Zaunes herausbewegt, löst dies einen Alarm aus und ein Signal wird an Hi-MATE weitergeleitet.
Im Juli dieses Jahres hatten HD Hyundai Construction Equipment und HD Hyundai Infracore bekannt gegeben, dass die Unternehmen fusionieren und gemeinsam das Unternehmen HD Construction Equipment bilden. Das neue Unternehmen wird künftig die beiden separaten Marken Hyundai und Develon (vormals Doosan) vermarkten und strebt bis 2030 einen Umsatz von 11 Milliarden US-Dollar an. Durch den Zusammenschluss wollen beide Gesellschaften agiler auf die Marktanforderungen reagieren, die ein dynamisches und wettbewerbsintensives globales Umfeld mit sich bringt. Perspektivisch sei die Fusion darauf ausgelegt, die Technologiekompetenz zu stärken und die Kostenwettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Die Marken Hyundai und Develon sollen weiterhin ihre separaten Händlernetze ausbauen und in einer gesunden Wettbewerbsstruktur agieren, heißt es. HD Construction Equipment will seine Produktlinien und Werke regional optimieren, das Geschäft im Kompaktsegment ausbauen und von leichten bis hin zu den ganz großen Baumaschinen das gesamte Größenspektrum abdecken. Nach der Vorstellung der neuen Modelle HX360 und HX400 soll als nächstes der HX500 als Serienmodell ausgeliefert werden.