Trollenhagen (ABZ). – Die Amiblu Germany GmbH arbeitet laut eigener Aussage an neuartigen Recyclingverfahren für glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK). Das Unternehmen beteiligt sich an internationalen Forschungsprojekten und entwickelt eigene Methoden zur Wiederverwertung von Produktionsabfällen..
Glasfaserverstärkte Kunststoffe finden seit den 1930er-Jahren in unterschiedlichen Industriezweigen Anwendung. Die Amiblu Gruppe nutzt GFK seit mehr als 60 Jahren für Infrastrukturlösungen und betreibt eigene Forschung zur Material- und Produktverbesserung. Die Vorteile des Composite-Werkstoffs liegen laut Hersteller in seinem geringen Eigengewicht, der Robustheit, Witterungsbeständigkeit und Korrosionsresistenz.
Die chemische und physikalische Verbindung zwischen Glasfasern und Kunststoff-Matrix stellt beim Recycling eine besondere Herausforderung dar. Bislang kommen verschiedene Ansätze zum Einsatz: mechanisches Recycling, bei dem das GFK zerkleinert und als Füllstoff verwendet wird, sowie thermische Verwertung in Zementwerken als Brennstoffersatz. Die thermische Verwertung ist dem Unternehmen zufolge kein optimaler Umgang mit dem hochwertigen Material. Die Rohstoffe aus der Kunststoffmatrix gehen dabei der Kreislaufwirtschaft verloren. Zudem ist das Verfahren mit hohem organisatorischem und technischem Aufwand verbunden.
Amiblu beteiligt sich an mehreren internationalen Studien zur Entwicklung neuer Recyclinglösungen. Das norwegische Projekt "ReCoMFi: Recycling of Composite Materials as Fillers" (2021-2026) untersucht die Wiederverwendbarkeit von mechanisch zerkleinertem GFK als Füllstoffkomponente für neue GFK-Produkte. Amiblu ist eines von fünf teilnehmenden Unternehmen.
Rotorblätter recyceln
Das deutsche Projekt "BladeReUse" unter Leitung des Karlsruher Instituts für Technologie (2023-2026) fokussiert auf die Weiterverwertung von Rotorblattsegmenten aus Windkraftanlagen. Es wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert. Ziel ist die systematische Entwicklung des gesamten ReUse-Prozesses für den Infrastrukturbereich.
Ein weiteres Projekt betreibt die Joulmine GmbH & Co KG aus Bremen. Das auf Rotorblatt-Recycling spezialisierte Unternehmen testet ein Verfahren, bei dem organische Bestandteile in Synthesegas umgewandelt werden, aus dem neue primäre Rohstoffe wie Wasserstoff oder Olefine hergestellt werden können.
Im eigenen Werk
Amiblu setzt bereits seit einigen Jahren eigene Recycling-Methoden um. In einem deutschen Werk werden Produktionsreststoffe mit speziell konzipierten Anlagen gesammelt, trocken gelagert und als Füllstoffsubstitut in der Rohrproduktion eingesetzt. Bei diesem Closed-Loop Recycling werden die Reststoffe aus Glasfasern, Harz und Füllstoffen vollständig wiederverwendet, informiert das Unternehmen.
Die GFK-Rohre mit Füllstoff-Substitut verfügen laut Amiblu über die gleichen Material- und Qualitätseigenschaften wie herkömmlich hergestellte Rohre. Nach der erfolgreichen Implementierung vor rund zwei Jahren soll das Verfahren auf weitere Produktionsstätten ausgeweitet werden. Schätzungsweise können so rund 400 t Produktionsabfälle pro Jahr wiederverwendet werden.
Ein weiteres internes Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit dem Einsatz von Rezyklaten in der Produktion. Dabei wird untersucht, wie geschreddertes GFK-Material durch Harzbenetzung wieder in den Produktionsablauf eingebracht werden kann. Erste Vorversuche wurden nach eigenen Angaben erfolgreich abgeschlossen.
Das Projekt soll in den nächsten Jahren mit einem Investitionsvolumen von rund einer halben Million Euro intensiv vorangetrieben werden. Zunächst werden Rezyklate aus Produktionsabfällen und nicht mehr benötigten Testrohren verwendet.
Entwickelt und erprobt wurde das Verfahren in einer dem Werk angeschlossenen Laborschleuderanlage. Fachleute aus Deutschland und Experten von Amiblu Technology AS in Norwegen begleiteten das Projekt.
Das nach ISO 17025 akkreditierte GFK-Prüflabor in Norwegen wird jährlich von der nationalen Akkreditierungsstelle neu bewertet. Langfristig sollen neben den produktionstechnischen Fragestellungen auch standardisierte Prozesse entwickelt werden, wie GFK-Abfälle von Baustellen und alte Rohre in den Kreislauf zurückgeführt werden können, heißt es seitens des Unternehmens.
Ziel ist laut Amiblu die Etablierung eines nachhaltigeren Entsorgungsweges im Sinne einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.