Wolfgerd Jansch, Prokurist und Leiter Messe NordBau und Natalja Solohor, Prokuristin und Leiterin der Messe NordBau, sprachen mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga über Neuheiten und Highlights der NordBau 2025.
ABZ: Herr Jansch, Frau Solohor, die Stimmung in der Bauwirtschaft lag im vergangenen Jahr wegen des Rückgangs im Wohnungsbau am Boden. Konnten das Sondervermögen der Bundesregierung sowie das Bekenntnis der Politik, sehr viel bauen zu wollen, im Vorfeld der NordBau einen Stimmungsumschwung herbeiführen?
Solohor: Das im Vorfeld einer Messe auszuloten, ist auch für uns als Veranstalter schwierig, aber wir werden die Stimmungslage auf der NordBau ganz sicher mitbekommen. Das ist ja einer der Vorteile, die so eine Plattform für viele Aussteller bietet. Genau das wird von der NordBau erwartet – und das erwarten wir natürlich auch.
Jansch: Die NordBau wird einen positiven Akzent setzen, eben weil sie eine Plattform zum Austausch für Aussteller, deren Kunden und Experten bietet. Das hat man in der jüngeren Vergangenheit im Frühjahr auch schon auf anderen Plätzen gesehen. Wir brauchen solche Begegnungsstätten, und die werden auch rege genutzt.
ABZ: Was sind die diesjährigen Hauptthemen der NordBau?
Solohor: Neben dem Kongress CONBAU Nord und dem Freigelände werden wir einige Sonderthemen ganz plastisch darstellen. Also beispielsweise die Themen temperaturabgesenkter Asphalt und vertikale Begrünung. Für den temperaturabgesenkten Asphalt ist eine gesamte Halle vorgesehen – die Halle 6 – wo es in der Mitte einen Anlaufpunkt geben wird und drumherum platzieren sich die Aussteller zu diesem Thema. Ab Ende 2026 darf bekanntlich nur noch temperaturabgesenkter Asphalt eingebaut werden, insofern geht das jeden im Straßenbau etwas an.
Die Baumaschinenhersteller sind gut darauf vorbereitet, Ausschreibungen werden jetzt angepasst. Es ist uns aus der Branche zurückgespiegelt worden, dass nicht allen bewusst ist, was da auf sie zukommt, so kam es zur Auswahl des Themas. Die NordBau verfügt über ein breites Netzwerk, in dem wir solche Dinge austauschen, und hier ist der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein direkt auf uns zugekommen.
Uns ist an dieser Stelle wichtig, eine Informationsplattform auf der NordBau zu schaffen und möglichst viele mit ins Boot zu holen – Unternehmen, Zulieferer und Hersteller von Baumaschinen. Das haben wir dann so auch umgesetzt. In der Mitte der Halle wird es einen Anlaufpunkt geben, wo zunächst Impulsvorträge stattfinden. Von dort können sich Interessierte auf einen Rundgang begeben oder man kann ausgewählte Aussteller direkt aufsuchen.
Das zweite Sonderthema ist die vertikale Begrünung, also Fassadenbegrünung, die in Zukunft einen wichtigen Faktor in der CO2-Reduzierung spielen kann. Dieses Thema werden wir plastisch darstellen und dazu wird eine Fassade fast in Originalgröße aufgebaut. Es wird in Halle 8 dazu ein Fassadenteil auf ungefähr 400 Quadratmetern Fläche geben, das tatsächlich mit verschiedenen Pflanzen begrünt wird, also etwa hängenden oder kletternden Pflanzen. Und das wird eben live zu sehen sein.
ABZ: Ist das Freigelände in diesem Jahr wieder ausgebucht?
Jansch: Es ist tatsächlich wieder komplett ausgebucht – und das schon seit dem Jahreswechsel. Natürlich gibt es hin und wieder Verschiebungen aus unterschiedlichen Gründen, aber wir dürfen in diesem Jahr auch wieder eine Warteliste für das Freigelände pflegen.
Solohor: Es ist schon eine außergewöhnlich große Vielzahl an Maschinen und Geräten, die dort präsentiert werden. In unseren Gesprächen im Vorfeld haben wir mitgenommen, dass die Vorbereitungen für Infrastruktur- und Straßenbaumaßnahmen bei den Ausstellern im Vordergrund stehen und dass viele Baumaschinenhersteller – eigentlich fast alle – sich sehr auf die E-Mobilität – beziehungsweise elektrisch betriebene Baumaschinen vorbereiten und auch auf die damit verbundene Logistik.
Also ein Gerät auf einer Baustelle mit einem E-Motor hinzustellen, reicht ja bei Weitem nicht aus – es muss auch geladen und die Komponenten dafür vor Ort geschafft werden. Auch diese Logistik übernehmen Aussteller zum Teil mit den ausführenden Betrieben.
ABZ: Welche Themen sind für Aussteller in diesem Jahr wichtig?
Solohor: Bei Ausstellern steht tatsächlich der persönliche Austausch im Vordergrund. Das wurde uns schon erneut genannt, dass man sich wie in den letzten Jahren auch wünscht, dass man sich mit dem Kunden, den Lieferanten und Interessenten wieder stärker austauschen kann. Das wird tatsächlich sehr, sehr geschätzt und ich glaube, das ist auch das, was für die Aussteller überhaupt im Vordergrund steht – nämlich dass man sich hier oben im Norden wieder begegnen und zusammenkommen kann.
ABZ: Was können Besucher zu den Bereichen innovative Baustoffe, Materialien für Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sowie modernes Bauen erwarten?
Jansch: Wir haben auf der NordBau mehrere Partnerschaften, die unterschiedliche Dinge beisteuern. Die Technische Hochschule Lübeck beispielsweise verfügt über sehr viel Wissen, zur NordBau wird schon seit mehreren Jahren ein Forum Kreislaufwirtschaft Bau angeboten, das von der TH wissenschaftlich begleitet wird. Kreislaufwirtschaft verbunden mit Nachhaltigkeit ist schon ein großes Thema und da ist die Technische Hochschule ganz vorn mit dabei, gemeinsam mit weiteren Verbänden und der Materialprüfanstalt. Es wird auch wieder ein Forschungspavillon von der Technischen Hochschule präsentiert, wo Studierende und Professoren ihre Ergebnisse zu modernen Bauweisen live vorführen.
Solohor: Die Tagungen erfreuen sich großer Nachfrage – und es wird auch wieder den Baukongress CONBAU Nord geben, also den norddeutschen Kongress zur Transformation im Wohnungsbau und der Energiewende. Der Kongress ist in diesem Jahr sehr gut gebucht – ein schönes Ergebnis nach der Premiere im letzten Jahr.
Darüber hinaus bieten verschiedene Verbände und Institutionen etwas über 40 Seminare und Fortbildungsveranstaltungen parallel an. Das ist schon herausragend für uns, bestimmte Tagungen waren schon zwei, drei Wochen nach der Einladung ausgebucht gewesen. Beispielsweise die Brandschutz-Fachtagung, bei der es um modulare Feuerwehrhäuser geht.
ABZ: Was sind weitere Highlights der Messe?
Jansch: Auch der Baugewerbeverband Schleswig-Holstein ist wieder mit von der Partie, dort wird das Thema Nachwuchswerbung fokussiert. Es wird eine Live-Werkstatt geben, in der eine Firma zeigt, wie moderne, mit digitalen Instrumenten ausgestattete Werkstätten heute funktionieren.
Solohor: Das ist ein absolutes Highlight, das muss man sich angucken. Das ist auch vor allem für junge Menschen interessant, die wissen wollen, wie eine Werkstatt in Zukunft aussehen kann. Wo werde ich dann arbeiten? Was sind die Produkte, mit denen ich arbeite? Dass es eben nicht mehr nur Werkzeuge und Akkuschrauber sind, sondern dass viel mehr dahintersteckt.
Es ist uns als Veranstaltern wichtig, dass man auf der NordBau Bauberufe erleben kann – und das kann man an ganz vielen Stellen auf der Messe. Jeder Aussteller ist auch bemüht, etwas zum Anfassen zu präsentieren. Wir haben schon vor 13 Jahren damit begonnen zu versuchen, die Faszination für Bauberufe zu übertragen – das wird auch dieses Jahr wieder so sein.
Jansch: Über die Kooperation mit dem Institut für Talententwicklung aus Flensburg etwa werden in diesem Jahr wieder 1300 Schüler auf die Messe kommen. Mit Bussen aus ganz Norddeutschland, bis hin aus dem Bremer Gebiet. Und die werden sich am Donnerstag über Bauberufe informieren können. Wo geht das besser als auf einer Messe? Da sieht man die Maschinen. Das ist nicht eine kleine Veranstaltung in einer Halle, sondern dort kann man wirklich sehen, wie heute mit der Technik in den Bauberufen umgegangen wird. Oder wie man mit Bausimulatoren einen Bagger steuern kann. Und das ist schon etwas ganz Besonderes. Vor allen Dingen sind die Schüler vorbereitet und haben Termine bei den Ausstellern.
Solohor: Der Verband VDBUM wird auch wieder mit der Austragung des Azubi Cup dabei sein. Wenn wir darüber sprechen, wie wir junge Leute überhaupt in die Baubranche bekommen, dann sind natürlich solche Dinge zum Live-Ausprobieren sehr gut geeignet.
ABZ: Was sind die thematischen Schwerpunkte der Kooperationspartner mit der NordBau in diesem Jahr?
Solohor: Der Baugewerbeverband Schleswig-Holstein, der ja in diesem Jahr wieder auf der NordBau ist, legt ganz hohen Wert auf Nachwuchs, wie eben schon gesagt. Der Bauindustrieverband Nord nutzt die Messe als Netzwerkplattform und auch, weil deren Mitglieder zum Teil mittlerweile selbst Aussteller auf der NordBau sind.
Also wenn wir früher solche Firmen wie Züblin, Strabag, Leonhard Weiss oder Otto Wulff und weiteren als Besucher begrüßen durften, so sind diese als Aussteller nun mit vor Ort. Erstmal wollen sie sich selbst als erfolgreiche Bauunternehmen, die die Bauwirtschaft auch aufrechterhalten, präsentieren – aber gleichzeitig sind sie natürlich extrem interessant für Aussteller im Baumaschinenbereich. Also die Fachkompetenz ist hier auf der NordBau sehr stark vertreten, sowohl von der Anbieterseite der Baumaschinen und der Geräte, aber auch von denjenigen, die im Prinzip nachher diese Geräte einsetzen.
ABZ: Es gibt noch zwei Jubiläen zu feiern während der NordBau?
Jansch: Ja, einerseits feiert die NordBau ihr 70-jähriges Jubiläum. Das ist eine schöne, runde Zahl, aber viel wichtiger ist uns die inzwischen 50-jährige Partnerschaft zwischen dem Königreich Dänemark mit der dänischen Bauwirtschaft und der NordBau.
Die dänische Bauwirtschaft war schon immer der Meinung, dass die NordBau ein Sprungbrett nicht nur in den deutschen, sondern auch in den europäischen Raum ist.
Deshalb wurde die Partnerschaft auch immer ganz stark von der Industrie, der dänischen Botschaft und dem dänischen Generalkonsulat in Hamburg begleitet. Wir pflegen eine enge Kooperation und das wollen wir auch gewürdigt wissen. Bei der Eröffnung wird Herr Möller-Oestrup, der Botschafter in Berlin, die Eröffnung zusammen mit Klaus-Ruhe Matden, er ist gebürtiger Däne und Wirtschaftsminister Schleswig-Holsteins, die NordBau und die CONBAU eröffnen – und dann gibt es natürlich noch das eine oder andere kleine Highlight am Treffpunkt Dänemark in der Halle 8.
Diese Partnerschaft ist etwas ganz Besonderes. Letztendlich darf man auch sagen, dass diese dänisch-deutsche Partnerschaft auf der NordBau vor 20 Jahren dazu geführt hat, dass der Bau des Fehmarnbelt-Tunnels größere Akzeptanz erfuhr. Die Partnerschaft war dann eigentlich so ein bisschen der Kick, der dazu führte, dass es losging und alle überzeugt waren, dass diese europäische Verbindung gebraucht wird.
Solohor: Umso mehr freuen wir uns, wie jedes Jahr, alle unsere Aussteller, aber auch Besucher hier auf dem Gelände begrüßen zu dürfen. Hier redet man miteinander, das pflegen wir weiter, leben und lieben wir ja auch.