Rocester/England . – Einen Lichtblick präsentierte JCB im Oktober im Grau-in-Grau des Steinbruchs des Unternehmens in England. Der Baumaschinenhersteller hatte die internationale Fachpresse an seinen Stammsitz in Rocester eingeladen, um Neuheiten der Livetestung zu unterziehen.
Allen voran stand der neue Kurzheckbagger 145XR im Fokus. Es ist ein Modell mit reduziertem Hecküberstand, das mit kompakten Abmessungen und einer vollwertigen Fahrerkabine laut Hersteller Leistung und Produktivität verbindet.
"Der JCB 145XR bietet die gesamte Leistung, die Kunden benötigen, in einem kompakten Design mit einem extrem kompakten Schwenkradius. Er eignet sich perfekt für Arbeiten in engeren Bereichen und bietet erstklassige Leistung und ultimative Kontrolle durch den Fahrer", sagte Paul Swallow, JCB Business Head for Excavators, während der ersten Vorführung der neuen Baumaschine.
Das Licht im hauseigenen Theater war abgedunkelt, bis Scheinwerfer den Fokus auf den Kettenbagger richteten, der die X-Series erweitert. An unzähligen Stellen blitzten die Kameras und Handys der anwesenden Journalisten auf – aus ganz Europa waren sie dem Ruf des englischen Herstellers gefolgt. Die Mitarbeiter hatten es geschafft, das neueste Familienmitglied auf die Bühne des Theaters zu verfrachten – quasi Millimeterarbeit.
Sowohl beim ersten Anblick als auch am Folgetag im Steinbruch konnte der schnittige Bagger seinen vom Hersteller angepriesenen Leistungsdaten gerecht werden. Vorschusslorbeeren hat er schon: Der 145XR baut auf dem Erfolg des größeren 245XR von JCB auf. Besonders zufrieden, so die eigene Aussage, sei das Unternehmen auf den Heckschwenkradius.
Dieser ist beim 145XR um 27 Prozent kürzer als beim Modell 140X, was die Maschine zu einer guten Lösung für Arbeiten im Straßenbau oder auf beengten Baustellen in Städten machen soll. Und die Infrastruktur war es auch, der Swallow großen mit seinen einleitenden Worten einen hohen Stellenwert einräumte: "Die Weltordnung hat sich geändert", sagte er und verwies auf eine Studie des bekannten Beratungsunternehmens McKinsey & Company, aus der hervorgeht, dass die Weltgemeinschaft bis 2030 jährlich 3,3 Billionen Dollar in die wirtschaftliche Infrastruktur investieren müsse, um mit dem prognostizierten Wachstum Schritt zu halten.
Und JCB will augenscheinlich für die entsprechenden Mega-Bauprojekte auch in engen Raumverhältnissen gerüstet sein. Das jüngste Familienmitglied wiegt dementsprechend je nach Spezifikation zwischen 15 bis 18 Tonnen und wird mit einem Monoausleger oder einem Verstellausleger (TAB) geliefert werden.
Die Monoausleger-Konfiguration biete eine maximale Grabtiefe von 6027 Millimeter mit einem Drei-Meter-Löffelstiel, während der Verstellausleger eine maximale Grabtiefe von 6167 Millimeter hat. Die Reichweite soll bis zu 8801 bei der Monoausleger- und 9230 Millimeter bei der Verstellausleger-Ausführung betragen.
Der 145XR wird von einem JCB-Dieselmax-Motor der Stufe V mit einer Leistung von 81 kW (108 PS) angetrieben. Dieser Motor verfügt über Auto-Stop- und Auto-Idle-Motorfunktionen und soll so den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen im Leerlauf reduzieren. Die Motordrehzahl wurde laut Hersteller auf 1700 U/min verringert, wodurch der Kraftstoffverbrauch um 10 Prozent im Vergleich zum vergleichbaren Vorgänger gesenkt und der Geräuschpegel insgesamt reduziert wurde.
Wie alle Maschinen der JCB-X-Serie wurde auch der 145XR laut eigenen Angaben strengen Tests unterzogen, um maximale Haltbarkeit und Robustheit zu gewährleisten. Die Maschine ist mit belastbaren Kettenkomponenten, Bodenplatten und Lagern ausgestattet und verfügt über Graphitbuchsen an den wichtigsten Drehpunkten, die ein Abschmierintervall von bis zu 250 Stunden ermöglichen.
Der Wechsel des Hydraulikfilters wurde auf 2000 Stunden verlängert, was bedeuten soll, dass bei der neuen Maschine über einen Zeitraum von 10.000 Betriebsstunden 24 Prozent weniger Filterwechsel erforderlich sind – das soll die Betriebs- und Wartungskosten senken. Gleich mehrere der neuen Maschinen standen den Journalisten dann am Folgetag zur Verfügung. Der ein oder andere unterzog den Kettenbagger dann auch tatsächlich einem eigenen Robustheitstest. Da ging es rauf auf die Hügel und im englischen Nass musste der Familienneuling ordentlich arbeiten – auch dabei gab es keine Ausfälle.
Wie alle Modelle der X-Serie ist auch der 145XR mit der vollwertigen JCB-Command-Plus-ROPS-Kabine ausgestattet. Die Kabine soll mit einem Volumen von 2,86 Kubikmetern nicht nur eine der größten auf dem Markt sein, sondern verfügt auch über einen beheizten, luftgefederten Sitz und eine Geräuschdämmung. Diese Spezifikationen machten den verregneten Tag für die Fachpresse deutlich angenehmer.
Die Kabine ist mit einem 10-Zoll-Touchscreen-Monitor mit der JCB-UX-Benutzeroberfläche ausgestattet. Die Bedieneinheit verfügt über anpassbare Bedienschalter, die dem Fahrer eine persönliche Konfiguration ermöglichen soll. Klimaautomatik, keyless-Start und Doppelkameras für bessere Sicht gehören zur Standardausstattung.
Die JCB UX-Benutzeroberfläche verfügt über bis zu 25 Benutzerprofile, mit denen der jeweilige Fahrer die bevorzugte Joystick-Konfiguration entsprechend seiner individuellen Anforderungen einstellen kann. Die Schnittstelle zu aktuellen Mobiltelefonen ist laut JCB verbessert. Die Maschine soll einfach zu bedienen sein – ja, Gegenteiliges war auch auf dem Testgelände nicht zu erleben – und auf dem Monitor sind Anleitungen sowie Bedienervideos zu allen Funktionen des JCB UX-Systems verfügbar.
Damit soll der Anwender sofort unterstützt werden, wenn eine Frage zu der Baumaschine auftritt. Der 145XR ist laut Hersteller mit einer Reihe von Optionen erhältlich. Neben anderem gehören Zusatzhydraulikkreise mit bis zu 15 Anbaugeräteeinstellungen und ein hochwertiger beheizter und belüfteter Fahrersitz. Die standardmäßig verbauten LED-Leuchten können auf bis zu 14 LED-Arbeitsscheinwerfer erweitert werden. Eine in das 10-Zoll-Display integrierte 360-Grad-Kameraansicht aus der Vogelperspektive kann bei Bedarf eingebaut werden.
Was kommt von JCB nach Deutschland?
Den Teilnehmern der Pressereise wurde in Rocester wurde lediglich der 145XR als neue Baumaschine vorgestellt, darüber hinaus gab es aber viele Modifikationen und Systemneuerungen für andere Modelle. Allen voran führt JCB KI-Technologie für zusätzliche Sicherheit ein. Das JCB-INTELLISENSE-System wird zunächst für zwei Baumaschinenmodelle, die JCB-Teleskoplader 540-140 und 535-125, genutzt.
Nachdem britische Bauunternehmen Fußgängererkennungssysteme auf der Baustelle gefordert hatten, ist JCB laut eigener Aussage der erste große Hersteller, der eine werkseitig installierte Lösung anbietet. Schon im Juni dieses Jahres ist das System dem britischen Kundenkreis vorgestellt worden. Vier Kameras, davon drei AI-Kameras (zwei seitlich und eine nach hinten gerichtet) sowie eine nach vorne gerichtete Standardkamera, um die Sicht des Fahrers gemäß der Norm ISO 16001:2017 für Objekterkennung und Sichthilfen zu verbessern.
Das System ist so konzipiert, dass es Fußgänger in einem voreingestellten Abstand zur Maschine erkennt. Wenn das System einen Fußgänger in diesem Bereich erkennt, werden akustische und visuelle Signale in der Kabine - für den Bediener - und außerhalb ausgegeben, um den Fußgänger und andere Arbeiter auf der Baustelle zu warnen. Das System bietet außerdem standardmäßig eine Alarmtaste, mit der der Fahrer ein 10 Sekunden langes Datensegment aufzeichnen kann, das automatisch an die Cloud gesendet und dort gespeichert wird. Auch dieses System testet die Fachpresse im Steinbruch. Klar zu erkennen waren Passanten, die sich der Maschine näherten, und auch das Warnsignal war unter anderem auf dem Bildschirm deutlich zu erkennen.
Des Weiteren hat JCB für seine Radlader mit großer Plattform eine Joystick-Lenkung entwickelt, die dem Fahrer mehr Komfort und Kontrolle bieten soll. Die Joystick-Lenkung, die als Teil des JCB-Controls-Optionspakets erhältlich ist, ist dann in eine Bedienarmlehne integriert. Lever Steer heißt diese Option, die es dem Fahrer ermöglicht, auf das Lenkrad zu verzichten. So könne der Kraftaufwand des Fahrers bei sich wiederholenden Lade- und Lagerarbeiten reduziert werden. Neben dem Lenkhebel, der mit dem Daumen bedient werden kann, verfügt der Sidepod über Fingerschalter für die Vorwärts- und Rückwärtssteuerung des Getriebes, eine Kickdown-Taste, eine Hupe und eine Steuerung für die Frontscheibenwischer.
So kann der Fahrer eine Reihe von Grab- und Ladeaufgaben ausführen, ohne die linke Hand von der Lenkung nehmen zu müssen, während die rechte Hand den Hubarm, die Schaufel oder die Anbaugerätesteuerung bedient. Die Joystick-Lenkung ist für das Modell 457 in den Varianten 457 und 457 Agri sowie für den 457S erhältlich und kann darüber hinaus auch für die Radlader 427/437 und 435S geliefert werden.
Das System Intelliweigh für Radlader soll in der Lage sein, Lasten auf einer Vielzahl von Anbaugeräten zu wiegen, selbst wenn auf unebenen Böden gearbeitet wird, was zu kürzeren Zykluszeiten und einer maximalen Produktivität führt. Natürlich hatten die Journalisten im Steinbruch nicht vollständig ebenen Boden, so dass auch diese Aussage überprüft werden konnte. Das Intelliweigh-System soll eine Genauigkeit von ± 2 Prozent bieten.
Das 7-Zoll-Touchscreen-Display ist mit bis zu zehn unterschiedlichen Anbaugeräten, einschließlich Gabeln und Schaufeln, kompatibel. Ein integriertes GPS-System soll für eine präzise Nachvollziehbarkeit der Maschinenproduktivität und des Materialstandorts sorgen und bietet dem Bauleiter ein Echtzeit-Feedback über Materialbestände und -standorte.
"Durch die Integration in das JCB-LiveLink-System können die Kunden nun von einer einzigen, zentralen Quelle für das gesamte Asset Management profitieren", sagt Mario Moser, JCB-Aftermarket Managing Director. Der LiveLink Asset Tag ist eine echte Neuerung: Ein kleines, batteriebetriebenes Gerät mit Bluetooth-Übertragung, das an jedem Gerät, jeder Maschine und jedem anderem Artikel angebracht werden kann – von handgeführten Werkzeugen über Maschinenanbaugeräte wie Hämmer, Schaufeln und Kehrmaschinen bis hin zu Mulden, Powerpacks und Baustellenunterkünften.
Das Asset Tag lässt sich in JCB LiveLink, ein Flottenmanagementsystem (Telemetriesystem) integrieren und soll so für vollständige Transparenz und eine höhere Produktivität sorgen. Mit den Maßen 68 x 32 x 16 Millimeter und einem Gewicht von 50 Gramm ist der LiveLink Asset Tag ein echtes Leichtgewicht, das sich anschrauben oder kleben lässt. Die Tags funktionieren, indem sie eine Bluetooth-Verbindung von jedem aktivierten LiveLink-Gerät oder von Partnergeräten übertragen, um den Standort eines jeden im LiveLink-Konto des Kunden registrierten Geräts zu verfolgen.
Mehr Leistung und verbesserte Bedienung
Der Teleskoplader 558-210R PRO mit 21 Metern Hubhöhe und der 588-260R PRO mit 26 Metern Hubhöhe haben eine maximale Nenntragfähigkeit von nunmehr 5800 Kilogramm. Das entspricht einem Zugewinn von 300 Kilogramm im Vergleich zu den Vorgängern.
Die beiden Teleskoplader weisen als PRO-Version nun das Farbschema auf, das Kunden bereits von den anderen PRO-Modellen der JCB-Produktpalette kennen und sind serienmäßig mit einer Reihe von Optionspaketen ausgestattet. Dazu gehört ein Sicherheitspaket, das aus Seiten- und Rückfahrkameras sowie einem White-Noise-Rückfahralarm besteht.
Außerdem gibt es ein Sichtpaket, bestehend aus einer gelben LED-Kennleuchte und LED-Arbeitsscheinwerfern an Kabine und Ausleger, sowie ein Stauraumpaket mit einer vorderen Staubox für beispielsweise Ketten und einem seitlichen Werkzeugkasten. Für den Komfort der Fahrer sollen das serienmäßige Paket mit Klimaanlage und beheiztem, luftgefedertem Sitz sowie die Wegfahrsperre des Sicherheitspakets sorgen.
Das Wartungspaket umfasst gruppierte Schmierpunkte an der Vorder- und Rückseite des Fahrgestells, die für eine besonders einfache Wartung sorgen. Der 558-210R PRO und der 588-260R PRO werden von JCB-Dieselmax-Motoren der Stufe V mit einer Leistung von 112 kW (150 PS) angetrieben.
JCB bringt den neuen 30-22E HL Teletruk auf den Markt und erweitert damit sein innovatives Angebot an Elektro-Teleskopstaplern um ein Modell mit einer Hubhöhe von 4,4 m. Dieser kompakte High Lift-Teleskopstapler bietet eine maximale Nenntragfähigkeit von 3000 Kilogramm bis zur vollen Hubhöhe von 4400 Millimeter und eröffnet damit vielen Kundengruppen die Möglichkeit, einen batteriebetriebenen Teleskopstapler einzusetzen.
Neu auf den Markt bringt JCB jetzt den Teletruk 30-22E HL. Die Elektro-Teleskopstapler-Baureihe verwendet einen 80-Volt-Batterieantrieb, der einen Betrieb von bis zu acht Stunden mit einer einzigen Ladung ermöglichen soll.
Durch den Teleskopausleger der Maschine und der damit erzielten verlängerten vorderen Reichweite soll beispielsweise das Be- und Entladen eines Lkw von einer Seite aus erfolgen können. Bei nach vorne voll ausgefahrenem Ausleger soll die Maschine 2200 Kilogramm heben können, was den Teletruk in dieser Größe laut JCB einzigartig macht und besonders von einem herkömmlichen Stapler abhebt.