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Modulares Bauen bietet große Chancen für die Bauwirtschaft

Modulares Bauen und Kreislaufwirtschaft revolutionieren die Bauindustrie: vorgefertigte Module, Recycling und Rücknahmesysteme fördern Nachhaltigkeit und Effizienz.

Von ABZ
Kampf gegen den Klimawandel
Einzelne Bausteine können flexibel zu unterschiedlichen Gebäudetypen kombiniert werden – heute ein Wohnhaus, morgen eine Kita oder ein Krankenhaus, so der Autor. |

Die weltweite Bauindustrie steht vor einer enormen Herausforderung: Nach Angaben der Vereinten Nationen ist die Bauindustrie für etwa 37 % der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Damit trägt sie eine große Verantwortung im gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel.

Berlin (ABZ). – Unternehmen der Branche stehen zunehmend unter Druck, ihre Umweltauswirkungen zu minimieren. Hierbei gewinnt vor allem das Konzept der Kreislaufwirtschaft an Bedeutung.

Diese will Ressourcenverschwendung vermeiden und setzt stattdessen auf geschlossene Materialkreisläufe.

Ein zentraler Aspekt der Kreislaufwirtschaft ist die Wiederverwendung von Baumaterialien, die nicht nur natürliche Ressourcen schont, sondern auch die Kosten erheblich senkt. Diese Herangehensweise reicht weit über traditionelles Recycling hinaus und wird durch innovative Baukonzepte wie die modulare Bauweise ergänzt. Modulares Bauen verbindet Effizienz mit Flexibilität und ermöglicht eine schnelle, kostengünstige und vor allem auch umweltfreundliche Gebäudeerrichtung.

Grundlagen modularen Bauens

Die modulare Bauweise basiert auf vorgefertigten Bauteilen, die in einem Werk produziert und vor Ort zu einem Gebäude zusammengesetzt werden. Ganze Räume oder Raumteile werden fertig ausgestattet — inklusiv Wand-, Bodenbelägen und Haustechnik — angeliefert.

Mit einem simplen Stecksystem lassen sich diese Module schnell und effizient montieren.

Im Vergleich zu traditionellen Verfahren verkürzt diese innovative Art des Bauens die Bauzeit um bis zu 50 %. Gleichzeitig ermöglicht sie eine standardisierte und qualitätsgesicherte Produktion. Ein Vergleich mit dem Bau von Lego-Modellen veranschaulicht die Systematik: Einzelne Bausteine können flexibel zu unterschiedlichen Gebäudetypen kombiniert werden -- heute ein Wohnhaus, morgen eine Kita oder ein Krankenhaus. Diese Standardisierung schafft klare Vorteile für die Wiederverwendbarkeit und Nachhaltigkeit.

Materialkreisläufe schließen

Ein wesentlicher Bestandteil der Kreislaufwirtschaft ist die Rückführung von Materialien in den Produktionszyklus. So können Bauteile am Ende ihres Lebenszyklus demontiert und in neuen Projekten erneut verwendet werden.

Dies reduziert den Ressourcenverbrauch und minimiert den Abfall, der bei Abrissarbeiten entsteht.

Immer populärer werden aktuell Rücknahmesysteme, bei denen Gebäudemodule nach Jahrzehnten an die Hersteller zurückgegeben werden können. Eigentümer erhalten eine gestaffelte Vergütung, deren Höhe von der Nutzungsdauer abhängt.

Ein Modul, das nach zehn Jahren zurückgegeben wird, erzielt eine höhere Vergütung als eines, das erst nach 80 Jahren das Ende des Lebenszyklus erreicht. So schaffen Hersteller finanzielle Anreize für nachhaltiges Bauen und reduzieren die Kosten für Rückbauarbeiten erheblich.

Nicht nur Recycling

Ein weiterer zentraler Aspekt nachhaltigen Bauens ist das Cradle-to-Cradle-Prinzip (C2C).

Es führt die Idee der Materialkreisläufe konsequent weiter und geht über Recycling hinaus. Das Ziel ist es, Gebäude von Anfang an so zu planen, dass alle verwendeten Materialien vollständig in den Materialkreislauf zurückgeführt werden können.

Dies umfasst nicht nur Baustoffe, sondern auch Wasser- und Energiekreisläufe. Im Zentrum steht hier eine durchdachte Materialwahl: Hybridmodule mit Stahltragwerken und Betondecken schaffen eine langlebige und wiederverwendbare Grundstruktur. Ergänzt wird dies durch innovative Dämmstoffe und vorgehängte Fassadensysteme, die nicht nur ästhetisch überzeugen, sondern auch eine einfache Demontage ermöglichen. Diese ganz besonderen Systeme verhindern die Entstehung von behandlungsintensivem Sondermüll und erhöhen die Lebensdauer der verwendeten Materialien.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Digitalisierung. Building Information Modeling (BIM) ermöglicht die millimetergenaue Dokumentation aller Baumaterialien. Dadurch wird eine präzise Planung für Demontage und Wiederverwendung gewährleistet. Zudem können Module mit QR-Codes versehen werden, die Informationen zu Materialien und deren Wiederverwendungsmöglichkeiten enthalten. Diese Technologien sorgen für eine nahtlose Integration von Planung, Bau und langfristiger Nachhaltigkeit.

Inspiration aus Europa

Die Niederlande und Skandinavien sind Vorreiter in der Kombination von modularer Bauweise und Kreislaufwirtschaft. Projekte wie zum Beispiel das World Trade Center in Brüssel, das rückgebaut wurde und bei dem die Materialien wiederverwendet wurden, zeigen das Potenzial dieser Ansätze. Auch Rücknahmesysteme, die Bauteile an Hersteller zurückführen, um sie zu sanieren oder zu recyceln, sind dort etabliert.

Auch Deutschland kann sich dies zunutze machen - denn wie die bereits erwähnten Beispiele zeigen, bietet die Kombination von modularer Bauweise und Kreislaufwirtschaft eine echte Chance, den CO2-Fußabdruck der Bauindustrie zu reduzieren.

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