Backnang (ABZ) |Die Sanierungstechnik Dommel hat im Auftrag der Stadtentwässerung Backnang einen komplexen Abschnitt des Mischwasserkanals in der Stuttgarter Straße saniert. Dabei kam das Tight-In-Pipe-Verfahren (TIP) zum Einsatz.
Mit der grabenlosen Methode sanierten die Fachleute drei stark beschädigte Kanalhaltungen aus Steinzeug auf einer Länge von rund 104 m. Zwei der Haltungen hatten einen Durchmesser von DN 300, eine von DN 350. Nach Aussage der Verantwortlichen bleibt bei der Sanierung die hydraulische Leistungsfähigkeit nahezu vollständig erhalten.
Die Kanalhaltungen zwischen den Schächten wiesen laut Unternehmen gravierende Schäden auf: punktuelle Undichtigkeiten, Risse, Rohrbrüche, Versätze, Wurzeleinwüchse und verfestigte Ablagerungen. Aufgrund dieser Schadensbilder und der Lage im stark frequentierten Stadtzentrum setzte die Stadtentwässerung der Großen Kreisstadt Backnang auf das Tight-In-Pipe-Verfahren. Das TIP-Verfahren ist eine grabenlose Sanierungstechnik, bei der die ursprüngliche Substanz des bestehenden Abwasserkanals in die neue Konstruktion einbezogen wird. Die neuen Rohre aus Polypropylen (DN/OD 285 x 13,0 beziehungsweise DN/OD 340 x 15,0) wurden direkt in das Altrohr eingebracht und liegen eng an der Rohrwandung an. Dadurch wird der Querschnitt nur minimal reduziert. Eine vorgeschaltete Kalibrierhülse formte Versätze und Deformationen zurück, sodass der kreisrunde Rohrzustand wiederhergestellt wurde. Die statisch selbsttragenden Rohre bieten laut Hersteller eine technische Nutzungsdauer von 80 Jahren oder mehr und sind besonders beständig gegenüber chemischen und mechanischen Belastungen. Im Zuge der Arbeiten wurden vier bestehende Anschlüsse an die Linerrohre angebunden. Drei Anschlüsse
DN 150 wurden mittels Harzinjektion hergestellt, der Anschluss DN 250 über einen Einschweißsattel. Als besondere Herausforderung erwies sich, dass die Altrohre teilweise nicht nur verformt waren, sondern zusätzlich auch in »Schlangenlinien« verliefen.
Die Gerinne der Schächte mussten zurückgebaut werden, um ausreichend Platz für den Rohreinbau zu schaffen. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wurden die Gerinne in Klinkerbauweise wiederhergestellt. Vor der Sanierung führte die Sanierungstechnik Dommel eine umfassende Kanalreinigung durch, bei der Ablagerungen und Hindernisse wie Muffenversätze und Wurzeleinwüchse entfernt wurden. Mithilfe eines Fräsroboters wurden die Problemstellen beseitigt und die Arbeiten durchgehend mittels TV-Aufzeichnung dokumentiert. Eine Kamerabefahrung vor und nach der Sanierung belegte den freien Leitungsverlauf sowie die fachgerechte Ausführung der Arbeiten.
Während der Bauphase stellte das Unternehmen die Abwasserentsorgung durch eine geplante Abflusslenkung sicher. Leistungsstarke Abwasserpumpen und verschiebesichere Schlauchbrücken ermöglichten die Überleitung des Abwassers, ohne den Betrieb der Kanalisation zu unterbrechen.
Die Arbeiten wurden unter Berücksichtigung der hohen Verkehrs- und Fußgängerfrequenz im Stadtzentrum durchgeführt. Um die Beeinträchtigungen für Anwohner und Verkehrsteilnehmer zu minimieren, wurden die Abbiegespur von der Blumenstraße in die Stuttgarter Straße sowie Parkflächen und Fahrspuren punktuell gesperrt.
Foto: Sanierungstechnik Dommel