Unter dem Motto »Innovation trifft Kommunikation« hatte Komatsu Mitte März zu einer exklusiven Presseveranstaltung in das Werk Hannover eingeladen. Auf dem Programm stand nicht nur die Vorstellung der neuesten Produkte, Technologien und Maschinen des Herstellers, sondern auch Vorträge, ein Werksrundgang und ein »Live«-Test der neuesten Baumaschinen.
Hannover | Marco Maschke, Leiter des Deutschlandbüros Komatsu Europe, gab in seiner Keynote einen Überblick zur aktuellen Strategie des Unternehmens sowie zum aktuellen Marktgeschehen der Baumaschinenbranche in Deutschland, Europa und weltweit. Nicht ganz ohne Stolz stellte Maschke die aktuellen Umsatzzahlen des Unternehmens vor, die trotz der aktuellen Herausforderungen besonders im deutschen Markt insgesamt positiv ausfallen.
Im Geschäftsjahr 2025 sei beispielsweise im für Komatsu wichtigen Marktsegment in Europa ein Zuwachs von 4 Prozent bei den Baumaschinenverkäufen erzielt worden. Komatsu verfüge hier aktuell über einen Marktanteil von über 20 Prozent.
Maschke stellte insbesondere die Rolle von Komatsu als europäischer Hersteller in den Vordergrund: »Wir sehen die EU-Märkte als Innovationstreiber«, sagte der Manager und ergänzte: »Wir werden die Standorte beibehalten«.
Bezüglich der künftigen Umsatzentwicklung erklärte Maschke, dass man sich aktuell in einem herausfordern- den wirtschaftlichen Umfeld befinde, das unter anderem durch die globalen Krisen und Einflüsse von USA und China auf die Märkte gekennzeichnet sei. Die Nachfrage für Zentraleuropa im Bereich Construction Equipment habe aber im Jahr 2025 ihre Talsohle erreicht. Für 2026 erwartet das Unternehmen einen Zuwachs im Absatz für Europa und auch in Deutschland. Als wesentliche Einflussfaktoren für den Geschäftsbetrieb in Deutschland wurden unter anderem die in Umsetzung befindlichen Regierungsprogramme genannt, etwa bezüglich der Investitionen im Infrastrukturausbau. Als Zukunftsfelder, die den Ausbau des Geschäftsfeldes erlauben, nannte Maschke unter anderem Effizienzsteigerungen durch die Anwendung von künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und Elektrifizierung.
Bei den Neuvorstellungen von Produkten und Lösungen stachen natürlich die größeren Baumaschinen besonders hervor – namentlich der Dumper HM460, der Kettenbagger PC220LC LCi- 12 und die Mobilbagger PW148-11E1 und PW190-11E1.
Mit dem HM460-6 präsentierte Komatsu seinen Muldenkipper der nächsten Generation: »Der HM460-6 basiert auf dem bewährten HM400-5 und setzt neue Maßstäbe in der nächsten Generation knickgelenkter Muldenkipper. Er bietet eine leichte Bauweise, optimiertes Fahrverhalten, herausragende Kraftstoffeffizienz, fortschrittliche Sicherheitsfunktionen und hohe Produktivität. Gleichzeitig besteht ein geringerer Wartungsaufwand mit reduzierten Gesamtbetriebskosten«, berichtet Juuso Ahola, Produktmanager bei Komatsu Europe.
Herzstück des HM460-6 ist die Motor- und Getriebekombination der nächsten Generation von Komatsu. Bei der Entwicklung lag das Hauptaugenmerk auf herausragender Leistung bei maximaler Kraftstoffeffizienz. Letztere konnte im Vergleich zu früheren Modellen laut Komatsu um 22 Prozent gesteigert werden, was zu erheblichen Einsparungen bei den Betriebskosten und einer geringeren Umweltbelastung während der gesamten Lebensdauer der Maschine beitragen soll.
Mit einem vergrößerten Muldenvolumen von 25,7 Kubikmetern bietet der HM460-6 die für typische Materialdichten im Bergbau erforderliche Nutzlast. Zudem sorgen intelligente Funktionen für mehr Produktivität und Fahrerkomfort. Der Dumper ist etwa mit einer Geschwindigkeitsregelanlage, einer Berganfahrhilfe, einer Wartebremse und dem halbautomatischen Abkippen ausgestattet. Diese Funktionen sollen unter anderem eine intuitive und sichere Bedienung der Maschine ermöglichen und Ermüdungserscheinungen beim Fahrer reduzieren.
Mit der Geschwindigkeitsregelanlage kann der Fahrer eine Fahrgeschwindigkeit festlegen, die das System durch automatische Anpassung von Gas und Retarder beibehält. Die Geschwindigkeitsregelanlage sorgt sowohl auf ebener Strecke als auch bergauf und bergab für optimales Fahrverhalten, was der Dumper bei dem abschließenden Live-Test anschaulich unter Beweis stellen konnte. Reduziert der Fahrer etwa die Geschwindigkeit mithilfe des Retarderbedienhebels, fährt der HM460 mit dieser reduzierten Geschwindigkeit weiter. Wenn die Maschine mit dem Bedienhebel angehalten wird, wird automatisch die Wartebremse aktiviert. Bei Betätigung des Anfahrschalters oder des Gaspedals kehrt die Maschine zu der eingestellten Fahrgeschwindigkeit zurück. Die Wartebremsenfunktion ak-tiviert automatisch die Retarderbremse, wenn die Maschine etwa angehalten wurde und sich der Gangwahlhebel in Neutralstellung befindet.
Auch die Fahrerkabine hat Komatsu neu konzipiert. Sie bietet nun mehr Raum, eine optimierte Sicht mit redu-zierten toten Winkeln, einen neuen luftgefederten Deluxe-Fahrersitz mit Lederbezug, Heizung und Belüftung, einen klappbaren Beifahrersitz für Schulungszwecke, ergonomisch angeordnete Bedienelemente und ein neues digitales Armaturenbrett sowie ein 10-Zoll-Rückfahrkamera-Display.
Der HM460-6 kann darüber hinaus mit der optionalen Lösung Smart Quarry Site vollständig mit der Baustelle vernetzt werden. Die Baustellenleitung kann mithilfe der Anwendung in Echtzeit detaillierte Daten zu Kraftstoffverbrauch, Fahrer-Performance, Flottennutzung und Produktivität abrufen, jederzeit und überall. Überprüfungen vor Maschinenstart, die Fahrererkennung und das Echtzeit-Feedback für den Fahrer sollen so die Arbeitsplanung erleichtern, Stillstandzeiten reduzieren und die Sicherheit steigern.
Der Dumper ist zudem serienmäßig mit einer ganzen Reihe an Sicherheitsfunktionen ausgestattet, darunter die Standsicherheitsanzeige, der Steigungs- und Neigungsmesser, Abkippwinkelbegrenzung und Sicherheits- gurt-Kontrollanzeige mit externer grüner Leuchte als Standardausrüstung.
Mit den Mobilbaggern PW148-11 und PW190-11 erweitert Komatsu seine Produktpalette gleich um zwei neue, zusätzliche Mobilbaggermodelle. Die Maschinen sind kompakt, leicht zu transportieren und trotz ihrer Größe sehr wendig. Auf Wunsch sind die Modelle sogar mit Allradlenkung erhältlich, was den Wendekreis deutlich ver-kleinert und in diesem Segment neu ist, versichert der Hersteller.
Beide Modelle bieten starke Hubleistungen durch leistungsfähige EU- Stufe-V-Motoren, die serienmäßig mit HVO-Diesel betrieben werden können. Der niedrige Schwerpunkt soll dabei für stabiles Fahrverhalten sorgen. Der Fahrer wird dabei unterstützt durch einen neuen Premiumsitz und Rundumsicht dank eines serienmäßigen Ka- merasystems.
Für maximale Einsatzflexibilität sind die Mobilbagger für Tiltrotatoren, 3D-Anzeigesysteme sowie zusätzliche Features wie Joysticklenkung oder Werkzeugmanagement vorbereitet. Die Bagger werden durch Komatsu-Motoren mit 110 kW (PW148) beziehungsweise 129 kW (PW190) angetrieben. Der Hersteller stellt auch deren War-tungsfreundlichkeit in den Vordergrund, denn etwa die Komatsu-Dieselpartikelfilter der Motoren müssen erst nach 8000 Stunden Betrieb ausgetauscht werden. Zudem seien viele nützliche Sonderausrüstungen ab Werk verfügbar.
Zu den neuen Kettenbaggermodel- len PC220LC-12 und PC220LCi-12 erklärt Komatsu selbstbewusst, dass dies die technologisch fortschrittlichsten Hydraulikbagger sind, die Komatsu je entwickelt hat. Durch die Kombination modernster digitaler Systeme, einer Hydraulik der nächsten Generation, äußerst niedriger Emissionen und eines konsequent auf den Fahrer ausgerichteten Designs sollen sie neue Maßstäbe in Bezug auf Produktivität, Effizienz und Sicherheit setzen. Erstmals zu sehen war das Modell zur bau- ma 2025.
Basierend auf einem vollständig neu entwickelten Komatsu-Motor und einem hocheffizienten Hydrauliksystem sollen die Modelle PC220LC/LCi-12 außergewöhnliche Leistungsfähigkeit, schnelle Reaktionszeiten sowie einen Kraftstoffverbrauch im einstelligen Literbereich pro Stunde bieten. Dadurch sollen Kunden ihre CO2-Emissionen re-duzieren und gleichzeitig die Betriebskosten deutlich senken können.
In der Kabine erwartet den Fahrer eine komplett neu gestaltete, großzügige Arbeitsumgebung mit intuitivem 8-Zoll-Touchscreen, hochergonomischen programmierbaren elektronischen Bedienhebeln, 2D-Maschinensteuerung inklusive Arbeitsraumbegrenzung, integrierter Nutzlastwaage, umfangreichen Ablagemöglichkeiten, Joystick-Lenkung sowie einem individuell konfigurierbaren Fahrer-ID-System mit Speicherplatz für bis zu 50 Profile. Der neue Betriebsmodus P+ ermöglicht bei Bedarf nochmals höhere Produktionsleistungen.
Ein besonderer Clou verbirgt sich jedoch bei den Modellen mit dem Kürzel »i« im Namen: Es kennzeichnet jeweils die neueste Generation der intelligenten Maschinensteuerung (iMC 3.0), die an Bord integriert ist und die Leis-tungsfähigkeit unabhängig vom Erfahrungsniveau des Fahrers steigern soll. Wie so etwas funktioniert, konnten die angereisten Journalisten bei der Live- Vorführung anschaulich miterleben: Wenn der Baggerführer beispielsweise ein Ladespiel einmal absolviert und eingegeben hat, werden weitere Beladungen per Knopfdruck fast vollautomatisch durchgeführt. Der Baggerführer kann dann seine Hände vom Joystick nehmen, der Bagger erledigt den Rest. Von der nahtlosen Tiltrotator-Integration über eine branchenweit einzigartige 3D-Arbeitsraumbegrenzung bis hin zur automatischen Linienführung soll die iMC-3.0-Technologie auch Präzision, Konsistenz und Sicherheit verbessern.
Die Lösung Smart Construction Remote ist serienmäßig bei den Maschinen ebenfalls enthalten und erlaubt eine einfache Flottenvernetzung, Fern- support sowie Echtzeit-Projekttransparenz. Wer sich nicht sicher ist, ob er die ganze neue Technik auch einsetzen will, kann jeden PC220LC-12 als Standardmodell ordern und später jederzeit mit einem Upgrade-Kit auf den PC220LCi-12 erweitern.
Mit den vergleichsweise eher klein ausgefallenen Mikrobaggern PC01E-2 und PC05E-1 will Komatsu zwei neue, vollelektrische Modelle im deutschen Markt testen. Die Bagger sind derzeit nur im japanischen Markt verfügbar.
Im Rahmen einer technischen Evaluierung werden sie nun in Europa vor- gestellt und deren Akzeptanz getestet. Ziel dieser Maßnahme ist es, die technischen Herausforderungen, die regionalen Marktanforderungen und die Eignung von elektrischen Mikrobaggern für den Einsatz in Europa zu untersuchen und ihr Potenzial für den europäischen Markt zu ermitteln, so der Hersteller. Die beiden Modelle zeichnen sich laut Komatsu gleich durch zwei Besonderheiten aus, die in diesem Segment bislang nicht verfügbar sind: Einerseits gibt es laut Komatsu bisher keine elektrischen Bagger in dieser Größen- und Gewichtsklasse, andererseits verfügen die Maschinen über Wechselakkus.
Der PC01E-2 hat ein Betriebsgewicht von 330 Kilogramm und eine Ge- samtbreite von 58 Zentimetern, der PC05E-1 wiegt 520 Kilogramm und ist 69 Zentimeter breit.
Durch ihren geringen Geräuschpegel eignen sich der PC01E-2 und der PC05E-1 auch für besonders sensible städtische Umgebungen, bewohnte Gebäude und Baustellen mit Lärmschutzeinschränkungen. Die Vielseitigkeit des PC05E-1 beruht laut Komatsu auch auf dem standardmäßigen Hydraulikanschluss, der den Einsatz hydraulischer Handgeräte ermöglicht. »Die Modelle PC01E-2 und PC05E-1 wurden in Japan erfolgreich eingeführt und von Bauunternehmen sehr gut angenommen. Nun freuen wir uns, sie auch in Europa zu evaluieren und gemeinsam mit unseren Kunden und Händlern neue Einsatzmöglichkeiten für den europäischen Markt zu erschließen«, berichtet Emanuele Viel, Group Manager Utility bei Komatsu Europe.
Für die bereits im letzten Jahr vorgestellten Radlader WA475-11 und WA485-11 stellte Komatsu ein neues Fahrerassistenzsystem vor, das alle Assistenzfunktionen in einem besonders übersichtlichen zentralen Monitor vereint.