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Fahrt aufnehmen im Wohnungsbau

Um der Wohnungsnot in Deutschland zu begegnen, müssen jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen entstehen. Großes Potenzial sehen Architekten und Planer in der mehrgeschossigen Holzfertigbauweise.

Von ABZ
Lösungen aus Estland gegen Wohnungsmangel
Holzhäuser in Norwegen am Polarkreis. Zweistellige Minusgrade sind dort keine Seltenheit – für Holz kein Problem. | Quelle: Harmet

Um der Wohnungsnot in Deutschland zu begegnen, müssen jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen entstehen. 306.000 wurden 2020 errichtet, die beste Zahl seit 2001. Gleichzeitig soll ökologisch gebaut werden. Großes Potenzial sehen Architekten und Planer daher in der mehrgeschossigen Holzfertigbauweise. Sie ist zeit- und energieeffizient, umweltfreundlich, und der CO2-neutrale Baustoff Holz ist nachhaltig. Große Expertise mit modernen Holzbautechniken kommt aus Estland, dem größten Exporteur von Holzhäusern in Europa.

„Jedes vierte Holzhaus für die EU kommt aus Estland“, sagt Annika Kibus vom Verband estnischer Holzhaushersteller (Estonian Wooden Houses Cluster). „Der Verband steht für 80 % der Holzbauindustrie, einschließlich der größten Hersteller.“ Seine Mitglieder bilden die vollständige Wertschöpfungskette ab, von der Waldbewirtschaftung bis zu den vielfältigen Endprodukten. Die Holzindustrie gehört zu den größten Fertigungsindustrien Estlands.

Einer der führenden Hersteller ist Harmet, im Baltikum der größte Fertigungs- und Montagebetrieb für vorgefertigte modulare Gebäude. Mit seinen 6 Produktionsstätten und 800 Mitarbeitern erreicht Harmet eine jährliche Baukapazität von 210.000 qm. Das Produktportfolio von Harmet umfasst Mehrfamilienhäuser, Hotels, Seniorenheime, Studentenwohnheime, Bürogebäude, Schulen und Kindergärten – im Prinzip alle Gebäude, die aus vorgefertigten Modulen gebaut werden können. 600 Module verlassen pro Monat die Betriebe. „Wir sind in der Lage, Bauprojekte mit einem Volumen von 20 Mio. Euro abzuwickeln“, sagt Toomas Kalev, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Harmet. Er sieht nicht viele andere Unternehmen in seiner Region, die solche Kapazitäten bedienen können.

Reibungslose Abläufe, effiziente Vorfertigung

Der Modulholzbau mit seinem hohen Vorfertigungsgrad ermöglicht eine hohe Produktionstaktung, nicht zuletzt durch die geschützte und trockene Umgebung einer Fertigungshalle mit modernsten CNC-Maschinen - präzise und unabhängig von den Witterungsbedingungen einer Baustelle. „Unsere Module enthalten bereits die Wasser-/ Abwasserplanung, elektrische Systeme und Luftanlagenplanung, bis hin zu Badezimmern und Küchen mit ihren Ausstattungen“, sagt Toomas Kalev. Sie werden ab Werk auf Tiefladern geliefert oder verschifft. Harmet hat zahlreiche Modulbau-Projekte in Europa und den USA umgesetzt, von Einzelhäusern bis hin zu Apartmenthaus-Siedlungen mit mehreren Tausend Quadratmetern Wohnfäche.

Produktionskapazität allein ist jedoch nur ein Teil der Betrachtung – Effizienz wird durch den nahtlosen Betrieb der gesamten Wertschöpfungskette erzielt, von den ersten Zeichnungen bis hin zur Endmontage und Qualitätskontrolle. „Planung und Engineering sind der Schlüssel zu reibungslosen Betriebsabläufen. Sie spielen eine entscheidende Rolle, um Skalierungseffekte bei Großprojekten zu entfalten“, ergänzt Kalev. Aus diesem Grund hat Harmet eine eigene Tochtergesellschaft gegründet, die sich auf alle Planungs- und Engineering-Aufgaben konzentriert.“ „Die Modulhäuser bieten sich an, um schnell Wohneinheiten in größeren Immobilienentwicklungen zu realisieren“, sagt Annika Kibus. Moderne Holzbautechnik ist innovativ und hat in den letzten Jahren neue Werkstoffe hervorgebracht, die neue Bauweisen ermöglichen, etwa Brettsperrholz, das den Einsatz von Holz beim mehrgeschossigen Bauen erlaubt, oder Kreuzlagenholz, das für immer höhere Tragwerke verwendet wird.

Industrie-4.0 im Bausektor beschleunigt Prozesse

Wo immer es darum geht, komplexe oder höchste Holzhäuser zu bauen, sind auch estnische Unternehmen gefragt. Die Holzbauindustrie ist hochautomatisiert. Gleichzeitig ist Estland bekannt als ein Vorreiter der Digitalisierung und nutzt Industrie-4.0- und Automationsanwendungen auch für den Bausektor.

Mit digitalen Werkzeugen optimiert und steuert Harmet die gesamte Prozesskette, um komplexe architektonische Lösungen mit vollautomatischen Holzbearbeitungsmaschinen effizient umzusetzen. Die software-basierte BIM-Methode (Building Information Modeling) erfasst, kombiniert und vernetzt alle relevanten Daten eines Gebäudes und erstellt ein geometrisches Computermodell.

Deutschsprachige Ansprechpartner

Architekten und Projektentwickler können weitere Fallstudien und Informationen über die Holzbauindustrie auf der deutschsprachigen Website https://tradewithestonia.com/de/ abrufen, Harmet selbst kontaktieren oder direkt die Büros der estnischen Wirtschaftsförderung in Nürnberg und Berlin ansprechen.

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