Essen (cr). – Mit 8146 Fachbesuchern und 270 Ausstellern aus mehr als 20 Ländern ist die InfraTech 2026 in der Messe Essen zu Ende gegangen. Drei Tage lang standen Lösungen für Klimaanpassung, nachhaltige Stadtentwicklung, Mobilität, Wasserwirtschaft und Digitalisierung im Mittelpunkt.
„Noch vor wenigen Jahren spielte Infrastruktur in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle. Heute wissen wir: Eine funktionierende Infrastruktur ist nicht selbstverständlich“, sagte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer während der Eröffnung und betonte: „Die Infrastruktur ist das Rückgrat unseres Landes.“ Mit Blick auf die Kritische Infrastruktur und die Möglichkeit von potenziellen Anschlägen von Feinden aus dem Inneren oder dem Äußeren mahnte der Politiker: „Digitalisierung und Sicherheit – wir müssen diese Themen zusammenbringen.“
Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), forderte die öffentlichen Auftraggeber auf, flexibler zu werden. „Wir brauchen mehr Funktionsausschreibungen, in denen nicht mehr jeder Handgriff vorgeschrieben wird“, so Müller.
„Wir müssen zudem resilienter bauen, also langlebiger. Die Auftraggeber sollten deshalb nicht das billigste Angebot auswählen, sondern das wirtschaftlichste.“ Christoph Jansen, Leiter von Straßen.NRW, kündigte an, dass Funktionsausschreibungen für Straßen.NRW in zwei Jahren der Standard sein werden. „Wir müssen bei Genehmigungsverfahren deutlich schneller werden und den Mut haben, neue Wege zu gehen“, sagte er.
Gut gelaunt schoben sich die Besucher durch die Messehalle und führten teils intensive Fachgespräche. Die siebte Ausgabe der Infrastrukturmesse etablierte sich laut Veranstalter erneut als zentrale Plattform für den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und öffentlicher Hand.
Fachbesucher von Kommunen, Behörden, Ingenieurbüros, Bauunternehmen und der Industrie nutzten die Veranstaltung für Austausch, Wissenstransfer und Vernetzung. Auf der Messe wurden neue Technologien für modulare Vorfertigung, emissionsärmere Baustoffe, Automatisierung und Asset-Management vorgestellt. Weitere Themen waren Bauwerkserhalt, schnellere Beschaffungsprozesse, klimagerechte Oberflächengestaltung in Städten und neue Vermessungstechniken. Auch Regenwasserbewirtschaftung und Verkehrssteuerungssysteme standen auf dem Programm.
Die Aussteller präsentierten beispielsweise neue Technologien für modulare Vorfertigung für schnelleres Bauen, neue und emissionsärmere Baustoffe sowie Lösungen für Automatisierung und besseres Asset-Management. Bauwerkserhalt war ein weiteres wichtiges Thema, um anstelle teurer Neubauten durch Erhalt und Modernisierung vorhandener Bauten Kosten, Zeit und Energie zu sparen.
Innovationspreis verliehen
Ein Höhepunkt der Messe war die Verleihung des InfraTech Innovationspreises 2026. Aus 35 Einreichungen nominierte die Jury drei Innovationen. Der Preis ging an die RPBL GmbH & Co. OHG für BALASTAN, einen nach Herstellerangaben 100 Prozent natürlichen Klima-Baustoff, der hohe Tragfähigkeit mit Wasserdurchlässigkeit verbindet. In die engere Wahl kamen neben dem Preisträger auch die Hochtief-Tochter Edgital aus Essen und das Unternehmen Birco aus Baden-Baden.
„Die große Zahl von Einreichungen zeigt, wie ernst dieser Innovationspreis inzwischen von den Unternehmen genommen wird. Ich wünsche mir, dass wir 2028 auf der nächsten InfraTech noch deutlich mehr Innovationen erreichen und uns die Qual der Wahl noch schwerer fällt“, erläuterte Juryvorsitzender Dr. Serdar Ulutas.
Umfangreiches Programm
Fachsessions, Podiumsdiskussionen und Masterclasses boten Einblicke in aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze. Das Programm umfasste unter anderem Sessions von Straßen.NRW und BWK sowie die Masterclass „#Zukunft.Bauen – brauchen wir Urknall oder stetige Entwicklung?“.
Besondere Schwerpunkte lagen auf grün-blauer Infrastruktur, Klimaanpassung und nachhaltiger Stadtentwicklung. In Impulsvorträgen und Podiumsdiskussionen diskutierten Vertreter aus Politik, Kommunen, Verbänden, Wissenschaft und Wirtschaft über Themen wie Klimaanpassung und Haftungsrecht, ganzheitliche Klimafolgenanpassung, nachhaltige Siedlungswasserwirtschaft und den Strukturwandel im Rheinischen Revier.
Positives Resümee
„Die große Beteiligung und die inhaltliche Tiefe der Gespräche zeigen, wie wichtig die InfraTech als Plattform für Austausch, Vernetzung und konkrete Lösungen ist“, resümierte Messechefin Annemieke den Otter. Der erste Messetag sei geprägt gewesen von einem starken politischen Fokus, während der zweite Tag intensive Gespräche, neue Kontakte und gestartete Kooperationen brachte.
Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen begleitete die Messe als Schirmherr. Straßen.NRW und die Bauindustrie sind strategische Partner der InfraTech. Die nächste InfraTech findet 2028 statt.