Detmold (ABZ). – In Detmold wird derzeit nach Herstellerangaben das erste 3D-gedruckte Gewerbegebäude in Ostwestfalen-Lippe errichtet. Der Neubau umfasst ein Bürogebäude mit angeschlossener Lagerhalle. Die Wandstrukturen werden dabei in wesentlichen Teilen mit mobilem 3D-Betondruck hergestellt.
Bauherr des Projekts ist Kai-Eric Schulz von AS-Bau. Die Umsetzung des 3D-Betondrucks sowie die Koordination auf der Baustelle übernimmt Nelcon, ein Joint Venture von Züblin und Instatiq. Die mobile 3D-Drucktechnologie stellt Instatiq mit dem Großraum-Roboter INSTATIQ P1 bereit. Das Druckmaterial wird laut Hersteller gemeinsam mit Emsland Transportbeton und MC-Bauchemie auf die Anforderungen des Bauvorhabens abgestimmt.
»Wir hätten diese Halle auch konventionell bauen können aber wer immer nur baut wie bisher, entwickelt sich nicht weiter«, sagt Kai-Eric Schulz, Bauherr und Geschäftsführer von AS-Bau. »Für uns war entscheidend, eine Bauweise einzusetzen, die zu einem modernen, funktionalen Gewerbegebäude passt und zugleich neue Wege im Bauprozess eröffnet. Mit dem 3D-Betondruck stellen wir die Wandstrukturen effizient direkt auf der Baustelle her und bringen einen Automatisierungsgrad in den Rohbau, den es in der Region so noch nicht gegeben hat. Als Handwerksbetrieb sind wir stolz, hier vorangehen zu können.«
Der gedruckte Gebäudeteil besitzt nach Herstellerangaben eine Grundfläche von rund 16 x 17,5 m und umfasst etwa 280 m². Insgesamt entstehen rund 890 m² Wandfläche. Davon entfallen etwa 226 m² auf Wandbereiche mit einer Stärke von 24 cm und rund 664 m² auf Wandbereiche mit einer Stärke von 17,5 cm. Für die Herstellung werden insgesamt etwa 160 m³ Beton im 3D-Druckverfahren verarbeitet.
Technologische Grundlage des Bauvorhabens ist der INSTATIQ P1. Der mobile Großraum-Roboter verfügt laut Hersteller über eine Reichweite von bis zu 26 m und trägt den Beton schichtweise auf. Digitale Planungs- und Fertigungsdaten werden dabei unmittelbar in gedruckte Wandstrukturen umgesetzt.
»Mit dem Gewerbegebäude in Detmold zeigen wir, dass mobiler 3D-Betondruck auch im Gewerbebau die Produktivität steigert und konventionelles Mauerwerk ersetzen kann«, sagt Markus Frasch, Geschäftsführer von Instatiq. »Der INSTATIQ P1 bringt industrielle Fertigungsqualität direkt auf die Baustelle – digital vorbereitet, präzise gesteuert und eingebunden in einen regulären Bauablauf.«
Nelcon integriert den 3D-Betondruck nach Unternehmensangaben in den regulären Baustellenablauf und übernimmt unter anderem die Ablaufplanung sowie die Koordination zwischen digitaler Vorbereitung, Maschineneinsatz und Bauausführung.
»Bei diesem Bauvorhaben geht es darum, den 3D-Betondruck unter den realen Bedingungen eines gewerblichen Rohbaus einzusetzen – mit klaren Anforderungen an Koordination, Qualität und Terminplanung«, sagt Chris Brandstätt, Technischer Geschäftsführer bei Nelcon. »Die Stärke liegt im Zusammenspiel der Beteiligten: Digitale Fertigung, bauliche Ausführung und Materialkompetenz greifen unmittelbar ineinander«
Für den Druckprozess liefern Emsland Transportbeton und MC-Bauchemie nach Herstellerangaben eine auf die Anforderungen abgestimmte Betonrezeptur. Eingesetzt werden Fließmittel der MC-PowerFlow-Reihe, Verzögerer aus der Centrament-Retrad-Familie sowie Konsistenzhalter aus der MC-Perma-Linie. Für die Nachbehandlung kommt Emcoril Protect H zum Einsatz, das den Beton vor frühzeitiger Austrocknung und Rissbildung schützen soll.
Laut den Projektbeteiligten soll das Bauvorhaben zeigen, wie sich der mobile 3D-Betondruck in den regulären Rohbau integrieren lässt.