Bocholt (ABZ). – Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat mit dem FamilyLab-Pavillon in Bocholt den ersten öffentlichen Bau in Deutschland realisiert, der mit Streifenfundamenten aus Schaumglas gegründet wurde.
Das Projekt demonstriert laut Angaben des Herstellers Glapor konsequent zirkuläres Bauen ohne Beton oder Klebstoffe.
Das neue Gebäude für Spiel-, Erlebnis- und Bildungsangebote des LWL-Museums Textilwerk nutzt die Bauteile eines bereits 2012 errichteten Holzpavillons wieder.
Die damalige Konstruktion war für eine temporäre Ausstellung auf dem Domplatz in Münster entstanden und nach der Nutzung eingelagert worden.
"Es wurde über eine Lösung mit Seecontainern nachgedacht, die dann aber nicht zuletzt aus ästhetischen Gründen ausfiel", erinnert sich Michael Tümmers, Referatsleiter Baumaßnahmen des LWL. Durch einen Ideenwettbewerb machte das Architekturbüro modulorbeat mit Marc Günnewig auf die Möglichkeit aufmerksam, die eingelagerten Holzbauteile zu nutzen.
Der Bau folgt laut einem konsequent nachhaltigen Ansatz. Materialien werden mit Ausnahme der Dachdichtung nicht verklebt, sodass alle Bauteile am Ende ihres Lebenszyklus sortenrein getrennt und weiterverwendet werden können. Besonders macht das Projekt die Kombination aus wiederverwendeten Holzbauteilen mit Streifenfundamenten, Frostschürze und Bodendämmung aus Schaumglas.
"Statt Beton verwenden wir Schaumglas von Glapor. Aus 100 Prozent Recyclingglas gefertigt, ist das nicht nur eine nachhaltige Alternative, sondern besitzt auch hervorragende wärmedämmende Eigenschaften", erklärt Architekt Günnewig. Die Fundamentierung kommt ohne Beton oder Klebstoffe aus und ist damit problemlos rückbaubar.
Helge Flöge, Sustainability- und Innovationsdirektor von Glapor, freut sich über die Offenheit des Architekten und des Bauherrn gegenüber der Gründungsmethode aus Schaumglas. Für den LWL als Bauherrn passten die Überlegungen zur Zirkularität von Beginn an in das Klimaschutzkonzept mit Cradle-to-Cradle-Ansatz.
Die Erdarbeiten erfolgten im Januar, Mitte Februar wurden die Schaumglasfundamente "trocken" gestellt. Direkt im Anschluss konnten bereits die Wände aufgebaut werden. "Mit unseren Schaumglasfundamenten entfallen aufwändige Schalungs-, Bewehrungs- und Härtungszeiten. Nach dem Aufstellen kann das nächste Gewerk direkt weiter machen", erklärt Flöge.
Michael Diestegge, Geschäftsführer der Bauunternehmung G. Diestegge, hatte keine Probleme beim Einbau der Fundamentblöcke: "Das frostfreie Planum, auf dem die Schaumglasfundamente platziert werden, muss absolut sauber und eben gearbeitet sein. Ansonsten sahen wir keinerlei Herausforderungen."
Die Zimmerei nutzte lediglich die werkseitig durch Glapor angebrachten Befestigungspunkte auf den Fundamenten, um die Holzbauteile zu fixieren. "Für uns machte es keinen Unterschied, ob wir die Wandelemente jetzt auf Schaumglas statt Beton setzen", erläutert Henning Schoster, Geschäftsführer der Zimmerei aus Münster.
Das zirkuläre FamilyLab ist auch als Versuchs- und Erkenntnisträger gedacht. Wirtschaftlichkeit, Nutzung und CO2-Footprint sollen analysiert und bewertet werden, um Rückschlüsse für größere Projekte mit DGNB-Zertifizierung zu ziehen.