Larvik/Norwegen (ABZ) | Im Rahmen des Sopro Naturstein-Expertenseminars informierten sich 24 Teilnehmer über den Naturstein Larvikit. Das Seminar verband Fachvorträge mit Besuchen von Produktionsstätten und geologischen Standorten in der Region Larvik, dem Herkunftsgebiet des als Nationalstein Norwegens bezeichneten Gesteins.
Bereits der Veranstaltungsort, das Hotel Farris Bad in Larvik, zeigte unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten von Larvikit im Innenausbau. Der Naturstein findet dort unter anderem im Spa-Bereich, als Saunaofen aus Blue Pearl sowie in verschiedenen Gestaltungselementen Verwendung.
Den fachlichen Auftakt gestaltete Dr. Anette Ritter-Höll, Geologin, Natursteinsachverständige und Geschäftsführerin der Ritter Stone GmbH. In ihrem Vortrag »Larvikit – Der schimmernde Schatz Norwegens« erläuterte sie die Entstehung des magmatischen Gesteins sowie die Mineralstruktur, die den charakteristischen blauen Schillereffekt hervorruft. Darüber hinaus gab sie Hinweise für die Planung und Verarbeitung. Nach ihren Ausführungen sollten Bauherren frühzeitig über die natürlichen Unterschiede in Farbe und Struktur des Materials informiert werden, um unrealistische Erwartungen an eine gleichmäßige Optik späterer Lieferungen zu vermeiden.
Patrick Altenhofen, stellvertretender Leiter der Anwendungstechnik bei Sopro Bauchemie GmbH, stellte Ergebnisse von Untersuchungen an Larvikit-Mustern vor. Nach Herstellerangaben empfiehlt sich für Natursteine der Einsatz schnell erhärtender Mörtel, da deren geringerer Wassergehalt das Risiko von Verfärbungen reduzieren kann. Zudem ging er auf geeignete Reinigungs- und Pflegemaßnahmen sowie den Einsatz von Imprägnierungen ein.
Ein Programmpunkt war der Besuch des Unternehmens Lundhs AS, das nach eigenen Angaben mehrere Steinbrüche im Raum Larvik betreibt und verschiedene Larvikit-Sorten wie Lundhs Blue®, Lundhs Emerald®, Lundhs Ocean®, Lundhs Royal® und Lundhs Marina® produziert.
Thomas Løvald, Business Development Manager bei Lundhs AS, führte die Teilnehmer durch das Firmenhauptquartier und die Steinbrüche. Dort wurde unter anderem gezeigt, wie unterschiedliche Oberflächenbearbeitungen das Erscheinungsbild desselben Natursteins verändern können.
Helena Fromreide Nesheim, Bergbauingenieurin bei Lundhs AS, erläuterte den Abbau und die Vermarktung des Natursteins. Nach Angaben des Unternehmens werden rund 99 Prozent der gewonnenen Blöcke exportiert. Zu den wichtigsten Absatzmärkten zählen China, die USA, Großbritannien und die Niederlande. Außerdem wies sie darauf hin, dass Larvikit geologisch kein Granit ist, obwohl er häufig so bezeichnet wird.
Im Steinbruch Klaastad erhielten die Teilnehmer Einblicke in die Gewinnung der bis zu zehn Meter hohen und 20 Meter langen Gesteinsblöcke. Dazu werden zunächst Bohrlöcher in einem Winkel von 40 Grad gesetzt, um den späteren Trennverlauf festzulegen. Anschließend lösen hydraulische Keile die sogenannten Cubes aus dem Fels. Mit diamantbesetzten Seilen werden daraus etwa zwei Meter starke Scheiben geschnitten, die kontrolliert auf den Abraum fallen. Laut den Verantwortlichen dient dieses Verfahren zugleich der Qualitätsprüfung, da sich Schwachstellen im Gestein unmittelbar zeigen. Eine abschließende Kontrolle erfolgt mithilfe von Wasser, wodurch auch feine Haarrisse sichtbar werden.
Bei Larvikittblokka AS informierten sich die Teilnehmer über die Weiterverarbeitung von überschüssigem Gestein. Das Material wird nach Unternehmensangaben unter anderem für Küstenschutzanlagen, Hafenbauprojekte sowie den Garten- und Landschaftsbau eingesetzt. Geschäftsführer Henrik Gyldenøhr Beckman erläuterte außerdem ein Werkszelt, das sich vollständig zurückbauen lasse und gegenüber einem festen Gebäude geringere Investitionskosten verursache. Dadurch könnten Mittel verstärkt in Produktionsanlagen investiert werden.
Zum Programm gehörte zudem ein Besuch des Skulpturenparks Kunstfelt Stålaker. Dort informierten Christine Dingens und Martin Kuhn über das Projekt „Symposium Norge“, bei dem Künstler Skulpturen aus Larvikit geschaffen haben.
Den Abschluss bildete eine Exkursion in den geologischen Park Mølen. Das nächste Sopro Naturstein-Expertenseminar ist nach Herstellerangaben für den 30. September und 1. Oktober 2026 in Niedersachsen geplant und soll sich dem Obernkirchener Sandstein widmen.