Heidesee (ABZ). – Viele Menschen wünschen sich ein Haus im Grünen. Doch mit dem Bau verschwindet in der Regel auch ein Teil der ursprünglichen Natur.
Bei manchen neuen Bauprojekten steht deshalb im Fokus, den Eingriff in die Natur und die notwendige Versiegelung so gering wie möglich zu halten. So auch bei dem Projekt "Green Living Heidesee", bei dem Wohnhäuser in unmittelbarer Nähe zu dem Naturschutzgebiet Dolgensee entstehen, die sich mit ihren Materialien und ihrer Bauweise vollkommen in die Landschaft einfügen. "Aus der Nähe zum Naturschutzgebiet entwickelte sich die Idee zum Konzept 'Wohnen in der Natur'.
Der Ort mit seiner fast unberührten Natur und seiner Biodiversität soll erhalten bleiben. Die Fertigstellung der kleinen Siedlung ist 2025 geplant", berichtet Tassilo Soltkahn, Architekt und Vorstand der Soltkahn AG.
Etwa 30 km südöstlich von Berlin liegt die amtsfreie Gemeinde Heidesee im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg. Der Fluss Dahme, zahlreiche Seen und Kanäle sowie Wälder und Heidelandschaften prägen die Umgebung, die zu einem großen Teil im Naturpark Dahme-Heideseen liegt.
Naturschutzgebiet Dolgensee
Zu dem malerischen Naturpark gehört auch das Naturschutzgebiet Dolgensee. In unmittelbarer Nähe des Schutzgebiets am Ufer der Dahme liegt ein etwa 13.000 m² großes Grundstück, auf dem es wenige Bestandsbauten gibt, die nicht ökologisch sind.
"Dies bietet die Chance für eine neuen Planung mit Wohngebäuden, die modern und ansprechend sind – vor allem aber den Bezug zu der umliegenden Natur widerspiegeln", sagt Soltkahn und ergänzt: "Der überwiegende Teil der Grünfläche und der gesamte vielfältige Baumbestand bleiben erhalten. Für das neue Wohngebiet werden nur etwa 2000 m² bebaut, sodass kurze Erschließungswege zu den einzelnen Häusern, aber auch ein Freizeit-Treffpunkt sowie ein Kinderspielplatz in Holzbauweise für die Anwohner und eine Fahrradverbindung über die Dahme zum Ortsteil Dolgenbrodt entstehen. Die Versiegelungsfläche wird durch die Pflanzung heimischer Baum- und Staudenarten kompensiert."
Das Ziel des Bauprojektes besteht darin, mit der Natur zu planen, die Gegebenheiten an diesem Standort so weit wie möglich zu erhalten und einen fließenden Übergang zur unberührten Landschaft zu schaffen. Nachhaltigkeit und Wohngesundheit stehen im Zentrum des Konzeptes. Deshalb werden die Häuser auf Stelzen errichtet, um die notwendige Versiegelung so gering wie möglich zu halten. Unter den Häusern findet sich Platz für Parkplätze aus Rasengittersteinen. "Dadurch können Niederschläge an Ort und Stelle versickern, was sich positiv auf den Wasserkreislauf auswirkt. Gleichzeitig bieten die Rasengittersteine Platz für eine Begrünung unter den Gebäuden, die auch Insekten ein zusätzliches Nahrungsangebot bietet", so der Architekt.
Weniger Beton und mehr Holz
Für die Gebäude selbst ist eine Holzbauweise geplant. Die Verwendung von weniger Beton und mehr Holz unterstreicht das Konzept des nachhaltigen Bauens. Außerdem schaffen ökologische Materialien wie Holz ein positives Raumklima und können so das Wohlbefinden der Bewohner fördern. "Zudem ist die Siedlung durch Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern energieautark und ermöglicht den Ausbau der Elektromobilität. Ausschließlich über Solarenergie sollen auch die Heizungen laufen", ergänzt Soltkahn.
Passend zum Konzept "Wohnen in der Natur" ist auch eine Fassaden- und Dachbegrünung geplant. Gebäudebegrünung dient dem Schutz und der individuellen äußeren Gestaltung eines Bauwerkes ebenso wie der Verbesserung der bebauten Umwelt unter ökologischen Aspekten.
"Zum einen trägt die Dach- und Fassadenbegrünung so zur Kühlung des Gebäudes und der Umgebung durch Verschattung und Verdunstung bei. Zum anderen reduziert sie Lärm innerhalb und außerhalb des Gebäudes, schützt die Fassade und das Dach gegen Starkregen, Hagel oder Wind und spart Energie über eine Dämmwirkung durch Luftpolsterbildung ein", so der Architekt.
Gleichzeitig tragen die Pflanzen zur Verbesserung der Luftqualität bei. Sie produzieren Sauerstoff und mit ihrer Verdunstungsleistung sowie ihrer Feinstaubbindung sorgen sie für frische Atemluft. Zur Förderung der Biodiversität auf dem Grundstück sind neben der Fassaden- und Dachbegrünung außerdem bunte Blühwiesen und Wildstauden statt großer Rasenflächen geplant. "Für die angedachten Flächen setzen wir auf Wildrasen, der nicht nur Gras, sondern auch andere Pflanzen wie Gänseblümchen und Klee beinhaltet.
Dies gewährleistet eine höhere Biodiversität und dieser Rasen muss nicht unbedingt gemäht und gedüngt werden", sagt Soltkahn und ergänzt abschließend: "Grüner, artenarmer Rasen, wie man ihn aus vielen Gärten kennt, ist nur im kleinen Rahmen als Spielfläche für Kinder oder als relativ fester Untergrund für einen Liegestuhl geeignet. Denn er benötigt viel Pflege und Wasser im Sommer. Dies wollen wir vermeiden."